"Wir leben in einer gemeinsamen Stadt!"

25. April 2013, 17:55
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Das Viennese Soulfood Festival und Majas Musik Markt finden am Wochenende erstmals gemeinsam statt

Wien - Zuweilen bedarf es eben eines sanften Tritts in den Allerwertesten. Und zwar sowohl jenen des Publikums als auch jenen der ausübenden Kollegen. Das spricht zumindest aus dem Motto, das Max Gaier, Rania Moslam und Maja Osojnik dem von ihnen organisierten Doppel-Event voranstellen: Mit "Stop accepting and start seeking!" sind das Viennese Soulfood Festival und Majas Musik Markt überschrieben. Sie finden erstmals in trauter Zweisamkeit statt, verbinden somit konzertantes Querbeet-Programm mit einer Art Independent-Label-Messe.

"Die Idee dahinter ist, Eigenverantwortung in der Geschmacksbildung, Naivität und Neugierde zu fördern. Heute wird uns oft die Aufgabe abgenommen, auf die Suche zu gehen", so Max Gaier. "Etwa durch die Suchmaschinen im In­ternet. Wenn du bei Amazon etwas bestellst, erhältst du gleich weitere Vorschläge. Man weiß dann im Vorhinein, ob einem etwas gefällt oder nicht, und muss sich gar nicht damit beschäftigen. So wird es uns suggeriert. Wir müssen uns darin üben, wieder selbst auf die Suche zu gehen."

Für Maja Osojnik ist dies ein Thema, dem auch abseits der Musik Relevanz zukommt: "Man hört oft: Es ist halt so. Man traut sich selbst gar nicht mehr zu, die Dinge zu beeinflussen oder zu ändern. Dabei geht es nicht darum, dass man die Wale rettet, sondern dar­um zu fragen: Was passiert in meiner näheren Umgebung? Wie kann ich das aktiv beeinflussen? Und vom Politischen zurück zur Musik: Ich als Kunde kann entscheiden, welche Musikschaffenden ich un­ter­stütze. Und ich kann hinterfragen, wohin das Geld geht, bevor ich im Internet ein MP3-File kaufe."

Um Gedanken wie diese zu transportieren, wird am Wochenende also das Konzertprogramm des Viennese Soulfood Festivals, das erstmals 2007 stattfand, mit dem 2012 ins Leben gerufenen Majas Musik Markt kombiniert: 16 Live-Acts zwischen Noiserock à la Bulbul, unorthodoxem Songwriting à la Neuschnee, Vierteltontrompeter Franz Hautzinger und den Neo-Wienerlied-Poeten Die Strottern bietet Ersteres. Eine Werkschau von 40 Independent-Labels aus ganz Österreich Zweiterer. Für beide, Festival und Markt, gilt das Ziel, größtmöglicher Vielfalt ein Podium zu geben. Wobei die zweite Stoßrichtung den Musizierenden selbst gilt.

"Als Künstler muss man heute ein klares Profil haben und sehr individuell sein, um herauszustechen. Die Musiker grenzen sich voneinander ab, da geht manchmal die Solidarität verloren. Wir leben aber in einer gemeinsamen Stadt", so Max Gaier. "Es ist wichtig, wenigstens einmal im Jahr frei von Genres, frei von Form einfach Inhalte zu genießen. Es geht um den Content, nicht um den Style."

Das Organisatoren-Trio steht auch durch die eigene Arbeit für diese solidarische Vielfalt: Max Gaier (30), der gebürtige Linzer, der Jazzgesang studiert hat, als Sänger des zwischen Dialekt-Pop und Wienerlied reüssierenden Quintetts 5/8erl in Ehr'n. Die Wienerin Rania Moslam (34) als sich quer durch vielerlei Genres bewegende Veranstalterin und Fotografin. Und Maja Osojnik (36), die aus Slowenien stammende Sängerin, Flötistin und Soundelektronikerin, die sich als bunter Szene-Vogel zwischen Renaissance-Musik, Free Rock, Volksliedern und Improvisation einen Namen gemacht hat. Die Doppelveranstaltung stemmen sie mit einem Mini-Budget (11.000 Euro) und "großer Bereitschaft zur Selbstausbeutung".

Ob das zeitgleich stattfindende Donaufestival Konkurrenz bedeutet? Maja Osojnik: "Die Busse nach Krems starten vor dem Künstlerhaus und kommen hier wieder an. Das gibt Gelegenheit zu sagen: Wenn du zum Donaufestival fährst, kannst du tagsüber beim Musik Markt vorbeischauen. Und wenn du vom Festival kommst, ist bei uns das Konzertprogramm vielleicht noch nicht beendet." (Andreas Felber, DER STANDARD, 26.4.2013)

26. bis 28. April, Wien, Brut im Künstlerhaus
Majas Musik Markt ab 16 (Fr.) bzw. 13 Uhr (Sa., So.), Konzerte ab 20 (Fr., Sa.) bzw. 19.30 Uhr (So.)

Viennese Soulfood

  • Ihre Doppelveranstaltung ist eine Ergänzung zum Donaufestival: Die Organisatoren Max Gaier, Rania Moslam und Maja Osojnik (re.).
    foto: standard/robert newald

    Ihre Doppelveranstaltung ist eine Ergänzung zum Donaufestival: Die Organisatoren Max Gaier, Rania Moslam und Maja Osojnik (re.).

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