Neues Schrittmachersystem erfolgreich implantiert

25. April 2013, 16:16
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In Deutschland wurde erstmals ein Schrittmacher eingesetzt, der die Stimulation des Herzens individuell steuert und sich automatisch an Belastungssituationen anpasst.

Bochum - In der der Uniklinik Bergmannsheil wurde erstmals ein neuartiges Schrittmachersystem eingesetzt, das auf dem Prinzip der sogenannten Kardialen Resynchronisations- therapie (CRT) basiert: Das System hat eine vierpolige CRT-Elektrode und passt sich mit einem speziellen Algorithmus selbstständig an die individuelle Belastungssituation des Patienten an. Es eröffnet damit erweiterte Möglichkeiten, die Stimulation des Herzens optimal zu steuern - der Aufwand zur Wartung und manuellen Nachjustierung wird zudem erheblich reduziert.

Effektivere Therapie

Das Verfahren ist eine Therapieoption bei Menschen, die an einer Herzschwäche leiden und bei denen zugleich die Ausbreitung der elektrischen Impulse, die die Kontraktionen des Herzens koordinieren, gestört ist. Die Folge: Die Herzkammern (Ventrikel) ziehen sich nicht mehr gleichzeitig zusammen, was die Ausprägung der Herzschwäche weiter verstärkt. Ziel der CRT ist es daher, das Zusammenziehen der Herzkammerwände wieder zu synchronisieren.

Der Eingriff wird unterstützend neben weiteren Therapiemaßnahmen zur Behandlung der Herzinsuffizienz eingesetzt (vor allem medikamentöse Therapie, Umstellung von Ernährungs- und Lebensgewohnheiten etc.). "Mit dem neuen System können wir die individuelle Anpassung der Resynchronisationstherapie deutlich verbessern. Das bedeutet effektivere Therapieunterstützung, weniger Nachsorgetermine und damit ein Zugewinn an Lebensqualität", sagt Kardiologe Axel Koppe.

Individuelle Programmierung

Bei der Resynchronisationstherapie wird ein mikrocomputer-gesteuerter Schrittmacher im oberen Brustbereich unter die Haut des Patienten implantiert. Er ist mit drei dünnen Elektrodenkabeln verbunden, die in Venen des Patienten zum Herzen geführt werden. Sie berühren dann die beiden Herzkammern beziehungsweise den rechten Vorhof im Herzen. Das Einsetzen des Schrittmachersystems dauert in der Regel etwa zwei Stunden und erfordert lediglich eine lokale Betäubung.

Nach der Implantation erfolgt die individuelle Programmierung des Schrittmachers. Das System gibt jetzt permanent schwache elektrische Impulse über die Elektroden an die Herzkammern ab, sodass diese sich wieder koordiniert zusammenziehen können. Die Pumpleistung des Herzens wird dadurch verbessert, die Symptome der Herzinsuffizienz werden gemildert und körperliche Belastungen können besser bewältigt werden.

"Das neue System mit einer vierpoligen Elektrode vervielfältigt unsere Möglichkeiten, die Kammerinnenwände optimal zu stimulieren", so Kloppe. Es sei ein großer Vorteil für den Patienten, dass sich das Gerät automatisch an die Krankheitsausprägung und die verschiedenen Belastungssituationen des Patienten anpasst. Ältere Geräte mussten je nach Bedarf jeweils manuell in der Klinik nachjustiert werden - für den Patienten ein aufwändiges und bisweilen auch belastendes Verfahren.

Volkskrankheit Herzinsuffizienz

Eine chronische Herzinsuffizienz ist Folge einer verminderten Pumpleistung des Herzens. Weil zu wenig Blut ins Gefäßsystem gepumpt wird, kommt es zu einer verringerten Blutzirkulation, der Körper wird also nicht mehr ausreichend mit Sauerstoff versorgt. Typische Symptome sind Erschöpfung, Atemnot (insbesondere unter Belastung) und Wassereinlagerungen in den Beinen, Füßen und in der Lunge. Neue Verfahren wie die weiterentwickelte Kardiale Resynchronisationstherapie könnten dazu beitragen, die Prognose für den Patienten zu verbessern. (red, derStandard.at, 25.4.2013)

  • Ein neues Schrittmachersystem reagiert flexibel auf verschiedene Belastungssituationen und koordiniert die Herztätigkeit.
    foto: dpa/marcel mettelsiefen

    Ein neues Schrittmachersystem reagiert flexibel auf verschiedene Belastungssituationen und koordiniert die Herztätigkeit.

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