Oper auf jugendlich

25. April 2013, 15:41
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Bei der Jugendoper am Theater an der Wien wird eine Oper fast komplett von Jugendlichen gestaltet. Der SchülerStandard hat die Proben begleitet

Opernaufführungen werden üblicherweise von wenig Jugendlichen besucht. Alles andere als üblich ist allerdings die Jugendoper "Béatrice et Bénédict", bei der Jugendliche das Stück sogar selbst gestalten und aufführen. "Béatrice et Bénédict" feiert am 26. April um 18 Uhr im Theater an der Wien Premiere.

Seitdem die Jugendoper 2010 initiiert wurde, entwickelte es sich zu einem jährlichen Fixpunkt im Theater an der Wien. Die erste aufgeführte Jugendoper war Carl Maria Webers „Der Freischütz" unter der Regie von Stefan Ruzowitzky. Nach den erfolgreichen Aufführungen von Händels "Rodelinda" und "Les Contes d'Hoffmann" nähert man sich nun Hector Berlioz Werk"Béatrice et Bénédict".

Jugendliche interpretieren

Um eine Oper auf die Bühne zu bringen, bedarf es einer intensiven Vorbereitung: Seit Oktober – also zu Beginn des Schuljahres –proben die Jugendlichen regelmäßig. "Bei dieser Oper geht es um die Erschaffung eines neuen Stückes", sagt die Intendantin Catherine Leiter. Die Grundgeschichte der ursprünglichen Oper soll zwar erhalten bleiben, doch die konkrete Ausgestaltung und Interpretation liegt in den Händen der Jugendlichen.

Und die Hände der Jugendlichen werden schon beim Aufwärmen vor den Proben ganz schön beansprucht: Schauspieltrainerin Beate Göbel fordert vollen Körpereinsatz. Nach schwungvollem Hände ausschütteln und andauerndem "in-die-Knie-Gehen" sind die Jugendlichen vollends aufgewärmt.

Rollenverteilung durch Improvisation

Anschließend geht es weiter mit den Proben. Diese begannen in den ersten Monaten jeweils mit Improvisationen, die nicht nur in die Entwicklung des Stückes miteinfließen, sondern auch die Rollenvergabe beeinflussen. Um mit verschiedenen Rollen vertraut zu werden, wurden die Jugendlichen zum Beispiel angewiesen, durch den Raum zu gehen und sich einfach wortlos zu begegnen – begleitet von Musik. Mithilfe der Improvisationen ist es den Jugendlichen möglich, direkt bei der Inszenierung des Stückes mitzuwirken.

Eine sehr ausgefallene Improvisation wurde von drei Jugendlichen aufgeführt: Eine Dreiecksbeziehung, in der die Konfliktgespräche ausschließlich aus A-E-I-O-U bestanden – also keine Wörter, nur Laute. Eine andere Gruppe wiederrum spielte "Happy Day"-singende Nonnen. Aus einer Vielzahl an Improvisationen haben die Intendantinnen die Aufgabe, jene Ausschnitte herauszusuchen, die in das Stück "Béatrice et Bénédict" eingebaut werden können.

Dieses Jugendprojekt stellt für manche die erste musikalische Bühnenerfahrung dar, für andere sind Auftritte dieser Art reine Routine. Musikalisch aktiv sind trotzdem alle teilnehmenden Jugendlichen: Beinahe alle jugendlichen Opernsänger spielen ein Instrument oder nehmen Gesangsunterricht.

Auch im Orchestergraben aktiv

Nicht nur auf der Bühne sind die Jugendlichen aktiv, sondern auch im Orchestergraben: Jeder, der ein Orchesterinstrument beherrscht, kann – nach einem Vorspiel – ebenfalls bei "Béatrice et Bénédict" mitwirken. Unterstützt wird das Jugendorchester dabei von Musikern des ORF Radio-Symphonieorchesters Wien.

Eine Oper, welche von Jugendlichen inszeniert wird-  nicht nur für Opernkenner, sondern sicherlich auch für „Neueinsteiger" durchaus interessant. Opern sind bekanntlich schwer verständlich und deshalb eher weniger von Jugendlichen besucht. Berlioz Oper wird durch die Neuaufarbeitung der Jugendlichen auf jeden Fall einfacher verständlich und somit für Jugendliche attraktiver. (Phillipp Koch und Sarah Lehner, derStandard.at, 25.4.2013)

  • Die Improvisationen beeinflussen die Rollenvergabe.
    foto: standard/jeff mangione

    Die Improvisationen beeinflussen die Rollenvergabe.

  • Schauspieltrainerin Beate Göbel fordert von den Jugendlichen vollen Körpereinsatz.
    foto: standard/jeff mangione

    Schauspieltrainerin Beate Göbel fordert von den Jugendlichen vollen Körpereinsatz.

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