Siemens-Belegschaft protestiert gegen Sparen

Gegen Mitarbeiterabbau, für mehr regionalen Handlungsspielraum

Wien/München - Bei Siemens hat heute die Belegschaft am Standort Wien-Siemensstraße gegen drohende Kürzungen und Jobabbau protestiert. "Wir sprechen uns dezidiert gegen das Kaputtsparen aus", heißt es in einer bei einer Betriebsversammlung verabschiedeten Resolution. Der Angestellten-Betriebsratsvorsitzende des Standorts Wien-21 sieht durch die Vorgaben des konzernweiten Sparprogramms zahlreiche Arbeitsplätze bedroht. "Es wird um mehr geredet als um 300 Jobs", sagte Betriebsrat Wolfgang Springer am Donnerstag zur APA. "Die Vorgaben aus Deutschland sind höher."

Die Betriebsversammlung, an der ca. 900 Personen teilgenommen hatten, sei nur "unterbrochen" worden und könne gegebenenfalls fortgesetzt werden. Derzeit wolle man aber nicht von Protestmaßnahmen oder "Streiks" sprechen, sondern stünde in intensiven Gesprächen mit dem örtlichen Management. "Wir versuchen gemeinsam mit dem örtlichen Management die Wertschöpfung und die Arbeitsplätze zu erhalten", versicherte Springer. Das "Siemens-Kosteneffizienzprogramm" will die EBIT-Marge konzernweit auf 12 Prozent anheben. "Wir als Betriebsrat meinen nicht, dass das in Stein gemeißelt sein muss", sagte Springer. "Man muss nicht jedes utopische Ziel erreichen."

Vielfalt berücksichtigen

Das Management müsse auch die Vielfalt des Geschäfts berücksichtigen, meint der Betriebsrat. In Österreich sei man stark im "Lösungsgeschäft" tätig - mit hoher Wertschöpfung und vielen Mitarbeitern. Hier seien aber nicht solche Spannen erzielbar wie im reinen Produktgeschäft - deswegen gerate man unter Druck. Wien-21 sei der am stärksten von den Kostensparmaßnahmen betroffene Standort in Österreich: Rund 5.000 Menschen arbeiten hier in und um das neue Headquarter. Die Bereiche Energie, Industrie und die Zentralstellen seien besonders von den Sparplänen betroffen.

"Mit Mitarbeiterabbau kann man sich nicht für die globale Zukunft rüsten, sondern im Gegenteil", warnt der Betriebsrat. Damit gehe Know-how verloren, verunsicherte Mitarbeiter gingen zur Konkurrenz. Im riesigen Siemens-Konzern müssten die einzelnen Einheiten mehr regionalen Handlungsspielraum bekommen. "Wir sind da mit den örtlichen Führungskräften großteils einer Meinung".

Der deutsche börsenotierte Konzern beschäftigt weltweit rund 370.000 Menschen. Chef des Industrieriesen ist der Kärntner Peter Löscher. Im ersten Quartal des Siemens-Geschäftsjahres (Oktober bis Dezember 2012) fiel der Gewinn im Vorjahresvergleich um 12 Prozent auf 1,21 Mrd. Euro. Der Umsatz legte leicht auf 18,1 Mrd. Euro zu. Durch das Sparprogramm sollen die Gewinnspannen vergrößert werden: Die operative Marge soll auf mindestens zwölf Prozent steigen.

In Österreich ist Siemens mit rund 12.630 Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern einer der größten Arbeitgeber. Im Geschäftsjahr 2012 hat der Umsatz mit Kunden in Österreich rund 1,44 Mrd. Euro betragen. Der Auftragseingang erreichte einen Wert von mehr als 1,15 Mrd. Euro. (APA, 25.4.2013)

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