Übergriffe auf Wiener Schwarzkappler leicht zurückgegangen

25. April 2013, 16:04
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Angriffe auf Kontrollore seit 2010 in Datenbank erfasst - Schutz durch Deeskalationstraining

Wien - Mitte April wurde ein Fall bekannt, bei dem ein Schwarzfahrer einem Ticketkontrollor der Wiener Linien einen Kopfstoß versetzte. Der Kontrollor musste mit einem Nasenbeinbruch ins Krankenhaus eingeliefert werden. Wie die Statistik der Wiener Linien zeigt, handelt es sich bei dem Übergriff um keinen Einzelfall: Zwölfmal sind Kontrollore im ersten Quartal 2013 von Fahrgästen angegriffen worden.

Unterschiedliche Schutzmaßnahmen

Der Betroffene befindet sich noch immer im Krankenstand, möchte danach aber wieder als Fahrscheinkontrollor arbeiten, sagt Eduard Winter, Geschäftsführer der Wiener Linien. Das gehöre zum Geschäft, so der Mann. Eine Meinung, die Winter nicht hinnehmen kann: "Es darf einfach nicht zum Geschäft gehören." Um die Mitarbeiter vor Übergriffen zu schützen, setzten die Wiener Linien zuletzt einige Maßnahmen.

Rückgang der Übergriffe

Seit 2010 werden die Mitarbeiter aktiv aufgefordert, derartige Attacken zu melden. Diese werden dann in einer Datenbank erfasst. Als Übergriff gelten sowohl Handgreiflichkeiten und Gewaltanwendungen als auch verbale Attacken, Rempeln und Bespucken. Im vergangenen Jahr wurden 81 Übergriffe auf Ticketkontrollore registriert, 2010 waren es 95.

Über die Anzahl der unterschiedlichen Ereignisse gibt es keine Auflistung. Das Schlimmste bisher sei ein Knochenbruch gewesen, sagt Michael Kiss, Leiter des Referats Arbeitspsychologie. Die meisten Vorfälle enden aber glimpflich. "Wien ist im internationalen Vergleich eine sehr sichere Stadt", so Kiss.

"Schwarzkappler" besonders gefährdete Gruppe

Auch auf andere Mitarbeiter wie Stationswarte und U-Bahn-Fahrer gibt es immer wieder Attacken. Insgesamt kam es im Vorjahr zu 174 Übergriffen auf Mitarbeiter der Wiener Linien. 2011 lag die Zahl bei 163 und 2010 bei 177. Am meisten gefährdet seien aber die rund 200 Fahrscheinprüfer, weil sie direkten Kontakt zu den Kunden haben, so Winter. Es gebe allerdings keine Linie und keinen Bezirk, wo es vermehrt zu Übergriffen komme.

In der Rushhour sei die Gefahr einer Eskalation besonders hoch, sagt Arbeitspsychologe Michael Kiss: "Die Menschen haben dann wenig Zeit, und in der U-Bahn ist es sehr eng."

Deeskalationstraining zur Prävention

Dass die Übergriffe auf ihre Mitarbeiter seit 2010 tendenziell zurückgehen, ist laut Kiss vor allem auf die Präventionsarbeit der Wiener Linien zurückzuführen. Seit 2006 werden alle Mitarbeiter in Deeskalationstrainings geschult, kritische Situationen im Vorfeld zu erkennen und rechtzeitig zu entschärfen. Diese Übungen müssen alle Bediensteten nach einer gewissen Zeit wiederholen.

Unterstützung in Krisensituationen

Im Fall eines Übergriffs steht den Mitarbeitern der Wiener Linien seit 2009 der psychosoziale Dienst "Sozius" zur Verfügung. Dessen rund 30 Bedienstete sind speziell für die Unterstützung in Krisensituationen geschult, etwa die Hälfte der Mitarbeiter nahmen den Dienst im vergangenen Jahr in Anspruch.

Zu ihnen gehört auch der Ticketkontrollor Christian Aigner. Im Jänner wurde bei einer Fahrscheinkontrolle von einem Mann - trotz gültigen Fahrausweises - geschlagen und erlitt eine leichte Gehirnerschütterung. Vier Tage lang hat Sozius ihn intensiv betreut. "Man lernt, darüber zu sprechen, und ich habe heute kein ungutes Gefühl mehr", sagt Aigner.

Keine Statistik im umgekehrten Fall

Keine Statistik gibt es zu Übergriffen im umgekehrten Fall, also von Fahrscheinprüfern auf Fahrgäste. Anfang April wurde ein Vorfall bekannt, bei dem ein Ticketkontrollor zwei Männer rassistisch beschimpft haben soll. "Solche Vorfälle werden ernst genommen und genau geprüft", sagt Winter. Sollten sich die Anschuldigungen bewahrheiten, werde es in jedem Fall Sanktionen geben. Ähnliche Vorwürfe hätten sich in der Vergangenheit jedoch des Öfteren als falsch herausgestellt. (elm, der Standard.at, 25.4.2013)

  • Fahrscheinkontrolleure bei einer Schwerpunktaktion in der Station Schwedenplatz.
    foto: wiener linien/johannes zinner

    Fahrscheinkontrolleure bei einer Schwerpunktaktion in der Station Schwedenplatz.

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