Hollywoodtaugliche Pools

28. April 2013, 17:03
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In Los Angeles zeigt Fotograf Jim Goldberg Bilder zum Thema Wasser in Haiti. Die Zukunft des Landes wird vom vernünftigen Umgang mit Wasser abhängen

Da wird noch viel Wasser den Bach runterrinnen, bis wir uns zum sinnvollen Umgang mit dieser Ressource durchringen, meint die Unesco und installierte: am 22. März den Weltwassertag, im Jahr 2003 das Internationale Jahr des Süßwassers, von 2005 bis 2015 die "Water for Life"-Dekade und 2013 das Internationale Jahr der Wasserkooperationen.

Gegenvorschlag: Einfach mal eine Runde durch Los Angeles drehen - zum Beispiel auf dem nicht gerade unpassenden Mulholland Drive -, und sich den hollywoodtauglichen Plot vom Konflikt ums Wasser flüssiger von dieser Stadt erzählen lassen: 1913 gaben der damalige Bürgermeister Fred Eaton und der Ingenieur William Mulholland das L. A.-Aquädukt frei. Erst von diesem Moment an konnte aus dem staubigen Kaff eine Metropole werden. Doch bekanntermaßen führte das zum Kalifornischen Wasserkrieg: Weil sich L. A. beim Anzapfen der Quellen im Owens Valley nicht gerade kooperativ zeigte, fehlte den Bauern im Tal auf einmal selber das Wasser. Ihre Felder vertrockneten, also versuchten sie mehrmals das Aquädukt zu zerstören ...

Heute, ziemlich genau 100 Jahre später, holt der Magnum-Fotograf Jim Goldberg Wasser aus Haiti nach L.A. In den alten Paramount Studios zeigt der 1953 Geborene aktuell eine bildgewaltige Geschichte über die Bedeutung der Ressource in einem der am wenigsten entwickelten Länder. "In der Voodoo-Religion sind Bäume und Wasser heilige Elemente. Das Wasser ist dabei alles: Ein arme Bevölkerung wie die haitianische hat nämlich nicht leicht Zugang zu sauberem Wasser. Und die Bäume: 98 Prozent davon wurden auf Haiti bereits gefällt - die Folge sind Trockenperioden und Überflutungen. Die Menschen dort sagen: ,Wir haben entweder immer zu viel oder zu wenig Wasser'", erzählt Goldberg über die Fotosammlung "Acqua #3". Sie entstand im Rahmen des Giorgio-Armani-Projekts "Acqua for Life", das seit 2011 bereits Zugang zu Trinkwasser auch in Ghana und Bolivien schuf.

Nichtsdestoweniger fing Goldberg auf Haiti auch Momente barer Schönheit ein: "Einen Nachmittag lang folgte ich dem Fluss Jacmel bis zu seiner Mündung. Von den Bergspitzen sieht das Tal wie ein trockenes Flussbett aus, doch wenn mansich flussaufwärts bewegt, gelangt man in ein verworrenes Labyrinth aus Wildwasserwegen, Naturpools und Wasserfällen", sagt er. Die Aufnahmen, die etwa am Bassin Bleu (siehe Foto) entstanden, offenbaren denn auch, über welche natürlichen Schätze der Westen Hispaniolas verfügt.

Zum ersten Mal in seiner Geschichte tauchte Haiti, das nach wie vor mit den Folgen des Erdbebens im Jänner 2010 zu kämpfen hat, beim World Economic Forum 2013 auf der Liste der Tourismusländer auf. Da erscheint es freilich auch als Segen, wenn sich eine der nächsten anvisierten Destinationen à la Bassin Bleu vorerst noch einen Tagesmarsch von der Zivilisation entfernt in Haitis Bergen versteckt. (Sascha Aumüller, DER STANDARD, Rondo, 25.4.2013)

  • Das Bassin Bleu, ein Frischwasserpool des Jacmel-Flusses an seinem Oberlauf, bleibt bislang noch ein gut gehüteter geheimer Ort, den fast ausschließlich Haitianer zum Relaxen nutzen.
    foto: jim goldberg

    Das Bassin Bleu, ein Frischwasserpool des Jacmel-Flusses an seinem Oberlauf, bleibt bislang noch ein gut gehüteter geheimer Ort, den fast ausschließlich Haitianer zum Relaxen nutzen.

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