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Energiewende, Energie-Dinosaurier und der Stromfilz in Österreich

6. Mai 2013, 00:00
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Neulich hatte ich die zweifelhafte Ehre, im Rahmen einer Podiumsdiskussion als "der Umweltschützer" mit einem Klimawandel-Leugner diskutieren zu dürfen.

Der wollte – wie die Mehrheit der Industrievertreter im Saal – gerne glauben, dass Kohlendioxid im Allgemeinen und die Stromerzeugung aus Kohle und Gas nichts mit dem Klimawandel zu tun habe und wir weitermachen können wie bisher. Dem ist nicht so, wie die Klimawissenschafter weltweit nachgewiesen haben: Das Klima ist bereits um 0,8 °C wärmer geworden, ein weiterer Anstieg ist schon aufgrund der CO2-Mengen, die wir bereits in die Luft geblasen haben, unabdingbar. Die Vorboten des Klima-Chaos mit zunehmenden Extremwetterereignissen spüren wir bereits. Wir können jetzt noch retten, was zu retten ist – und aufhören, sinnlos fossile Brennstoffe zu verheizen, wenn wir doch die erneuerbaren Alternativen längst haben.

Grünstrom ist nicht gleich Grünstrom

Viele Menschen sind gerade unter dem Schock der Explosionen in den Fukushima-AKWs von ihren Energieversorgern zu "Grünstromanbietern" gewechselt – was sehr zu begrüßen ist. Aber: Grünstrombezug fördert nicht automatisch die Energiewende: "Ökostrom"produkte, die einfach nur auf alter Wasserkraft oder auf dem Handel mit Stromnachweisen beruhen, bringen weder die Energiewende voran, noch leisten sie einen zusätzlichen Beitrag zum Klimaschutz. Der Wechsel zu einem Grünstrom-Anbieter bewirkt nur dann einen zusätzlichen Umweltnutzen, wenn dadurch neue regenerative Stromerzeugungsanlagen entstehen, die sonst nicht gebaut werden würden.

Auch die "Verfilzung" der Eigentümer von Stromanbietern in Österreich ist problematisch: An vielen Stromanbietern ist die öffentliche Hand beteiligt – sorgt jedoch nicht konsequent dafür, dass besonders klima- und gesundheitsschädliche (aber noch finanziell profitable) Kohlekraftwerke endlich stillgelegt werden. Ein Stromanbieter wurde im Zuge der Sanierung der Landesfinanz schlicht in immer größeren Teilen an ausländische Energieversorger verkauft. Anteile von diesem Stromanbieter und zwei anderen gingen an die Betreiber von Atomkraftwerken, die von den Stromkunden somit ungewollt mit einer schönen Rendite bedienen werden.

Das gilt leider auch für manche Grünstrom-Anbieter, die einfach Tochterfirmen von konventionellen Anbietern sind (hierhin wird der Grünstrom "ausgelagert") – oder es sind "grüne" Konzerne mit "Strom aus Wasserkraft", in deren Tochterfirmen der Strom aus österreichischen Kohlekraftwerken wie Dürnrohr und Mellach vertrieben wird: Die Grünstrom-Sparten dienen in beiden Fällen der Profitmaximierung der Stromkonzerne und führen Stromkunden dann in die Irre, wenn diese glauben, dass sie mit ihrem Strombezug zum Ausbau von erneuerbaren Energiequellen beitragen – der Profit aber an den konventionellen Konzern abgeliefert wird.

In Österreich gibt es nach Analyse von GLOBAL 2000 nur zwei überregionale Anbieter, die verlässlich ausschließlich sauberen Strom verkaufen und nicht über Beteiligungen mit Energieversorgern aus dem "alten", fossil-nuklearen Lager verflochten sind: Die oekostrom AG und die Alpen Adria Energie. Wir können daher weiterhin den oekostrom®-Kunden nur zu ihrer Wahl gratulieren und sie darum ersuchen, im Freundes- und Bekanntenkreis Botschafter für unverfilzten Grünstrom zu werden.


Reinhard Uhrig ist Geschäftsführer der Umweltschutzorganisation GLOBAL 2000 und war als Anti-Atom-Campaigner an der Kampagne gegen versteckten Atomstrom in Österreich („Graustrom") beteiligt.

Noch mehr Infos über den "Stromfilz in Österreich"

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