Kleine Parteien wollen den Tiroler Frust nutzen

24. April 2013, 18:46
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Fünf der elf Listen auf dem Stimmzettel für die Tiroler Wahl sind Kleinparteien oder Neugründungen. Für Gurgiser & Team und Für Tirol wird es eng. Stronach und Vorwärts Tirol dürften den Einzug schaffen. Piraten und KPÖ scheinen chancenlos

Patrick Pfurtscheller war enttäuscht von der Politik. Also gründete er die Liste "Für Tirol", um anderen Frustrierten eine "bürgerliche Alternative" zu bieten. Der ehemalige ÖVP-Wirtschaftsbündler vermisst " haltbare, definierte Inhalte" bei den etablierten Parteien: "Wenn es um Geld geht, dann gehen viele über Leichen", kritisiert er. Sein Ziel: Bis der Landtag komplett abgeschafft ist, am besten ehrenamtliche Mandatare zu wählen, die "tatsächlich Politik für die Bevölkerung machen". Laut Umfragen dürfte "Für Tirol" den Einzug in den Landtag verpassen, für Pfurtscheller wäre das trotzdem kein Grund aufzugeben. Der Wahlkampf sei " eine gute Übung weiterzumachen". Ebenfalls auf seiner Liste ist Walter Gatt. Er wurde nach einem angeblichen Putschversuch gegen Obmann Gerald Hauser im Jahr 2009 aus der FPÖ ausgeschlossen.

Einzug unsicher

Transitrebell Fritz Gurgiser sitzt - nach einer Abspaltung von der Liste Fritz - bereits mit zwei Mandaten im Landtag. Für "Gurgiser und Team" dürfte es am kommenden Sonntag knapp werden. Auch die Piraten rechnen nicht wirklich mit einem Mandat. Nach ihrem Wahlerfolg bei der Innsbrucker Gemeinderatswahl 2012 wurde die Bewegung in Tirol schnell vom Alltag eingeholt. Nach Streitereien wurde der Innsbrucker Gemeinderat Alexander Ofer ausgeschlossen und die Piraten in Tirol neu gegründet. Spitzenkandidatin Irene Labner sagt, sie sei froh, "die Ideen der Piraten den Menschen nahegebracht zu haben", also mehr Transparenz und Mitbestimmung erklärt zu haben. Die Piraten treten in den Bezirken Innsbruck, Innsbruck-Land und Schwaz an. Den Wahlkampf hat sie neben der Arbeit in einem Zoofachgeschäft und der Familie absolviert.

Roland Steixner, Frontmann der KPÖ, rechnet ebenfalls nicht mit einem Landtagssitz. Außer im Bezirk Landeck steht die KPÖ aber in allen Bezirken auf dem Stimmzettel. Er werde "damit leben, was eben rauskommt" , seine Forderung nach einer anderen "Verteilungspolitik" findet er jedenfalls zeitlos. Laut Umfragen dürften unter den Kleinparteien und neuen Listen nur das Team Stronach und die Gruppierung rund um die Ex-Landesräte Hans Lindenberger (früher SPÖ) und Anna Hosp (früher ÖVP), " vorwärts Tirol", in den Landtag einziehen.

Das Team Stronach liegt derzeit etwa bei sechs Prozent. Auf den Plakaten ist nur der austrokanadische Parteigründer Frank Stronach zu sehen. Aufmerksamkeit erreicht das Team durch interne Streitereien. Bei der Landeswahlbehörde waren drei Listen eingereicht worden, die Behörde entschied sich für die zeitlich ersteingereichte Liste des aktuellen Spitzenkandidaten Hans-Peter Mayr, der sich mit Landesobmann Walter Jenewein versöhnt hat, dafür aber von Sonja Ulmer von der dritten Stronach-Liste bekämpft wird.

Gute Chancen gibt es für die Liste "vorwärts Tirol", die auch von der Innsbrucker Bürgermeisterin Christine Oppitz-Plörer (Liste "Für Innsbruck") und prominenten Ex-ÖVP-Bürgermeistern unterstützt wird. Sie liegt in Umfragen bei rund zehn Prozent. (Verena Langegger, DER STANDARD, 25.4.2013)

  • Doch-noch-Stronach-Mann Hans-Peter Mayr
    foto:apa/parriger

    Doch-noch-Stronach-Mann Hans-Peter Mayr

  • Piratin Irene Labner
    foto:privat

    Piratin Irene Labner

  • Hans Lindenberger von vorwärts Tirol
    foto:apa/parriger

    Hans Lindenberger von vorwärts Tirol

  • Roland Steixner (KPÖ)
    foto:privat

    Roland Steixner (KPÖ)

  • Patrick Pfurtscheller (Für Tirol)
    foto:für tirol

    Patrick Pfurtscheller (Für Tirol)

  • Anna Hosp (vorwärts Tirol)
    foto: apa/parigger

    Anna Hosp (vorwärts Tirol)

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