Herkömmliche Antibiotika-Therapien beschleunigen Keimresistenzen

24. April 2013, 18:29
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Die Entstehung resistenter Keime kann durch herkömmliche Antibiotika-Therapien beschleunigt werden, warnt ein internationales Wissenschaftlerteam

Kiel - Antibiotika-Resistenzen treten mit zunehmender Häufigkeit bei verschiedensten Krankheitserregern auf. Sie stellen eine enorme Gefahr für die Bevölkerung dar, da die resistenten Keime kaum noch bekämpft werden können, wie Forscher der Uni Kiel betonen.

Die Arbeitsgruppen um die Kieler Mediziner Hinrich Schulenburg und Philip Rosenstiel untersuchten zusammen mit einem englischen Team den herkömmlichen Therapieansatz, bei dem zwei oder mehr Antibiotika in Kombination eingesetzt werden, um die Effizienz zu erhöhen. Die neu veröffentlichten Ergebnisse zeigen, dass dies zu einer unvorhergesehenen Beschleunigung der Resistenzentstehung führen kann.

Resistenzen vor allem durch Kombinationstherapien   

Für die Studie wurde die Resistenzentstehung mittels Evolutionsexperimenten unter kontrollierten Laborbedingungen untersucht. Dabei wurden Krankheitskeime mit unterschiedlichen Antibiotika und deren Kombination zusammengebracht. "Wir wurden komplett von der Geschwindigkeit, mit der Resistenzen neu entstanden sind, überrascht", erläutert Schulenburg. Die Resistenzen traten dabei vor allem bei jenen Behandlungsformen auf, die derzeit als besonders effizient gelten - den Kombinationstherapien. 

Zusätzlich gingen die Wissenschaftler der Frage nach, warum die Kombinationstherapien diese Resistenzen fördern? Die anschließende vollständige genomische Untersuchung der eingesetzten Keime brachte einen ungewöhnlichen Evolutionsmechanismus ans Licht: Die schnelle Resistenzbildung entstand durch die Duplikation von speziellen Genomabschnitten, in denen eine Vielzahl von Resistenzgenen liegen. "Das funktioniert quasi nach dem 'Viel-hilft-viel-Prinzip'. - Je mehr Resistenzgene im Genom vorhanden sind, desto höher die Resistenz", erklärt Gunther Jansen, der die genomischen Analysen durchgeführt hat.

Anpassungsleistung ignoriert

"Langfristig gesehen ist daher der Einsatz nur eines einzigen Antibiotikums effizienter", schlussfolgern die Forscher. In etablierten medizinischen Betrachtungen werden Therapien in der Regel mithilfe von Kurzzeitexperimenten in "effizient" oder "nicht-effizient" eingestuft. "Evolution, also die Fähigkeit der Krankheitskeime, sich anzupassen, wird dabei ignoriert. Das ist offensichtlich ein Fehler", so das Fazit von Hinrich Schulenburg. 

Die Arbeitsgruppen aus Kiel und Exeter bauen derzeit den entwickelten Versuchsansatz weiter aus, um gezielt die Effizienz von unterschiedlichen Antibiotika-Therapien zu untersuchen. Sie erhoffen sich darüber weitere Hinweise, wie Behandlungsstrategien bei Menschen in der Zukunft optimiert werden können. (red, derStandard.at, 24.4.2014)

  • Im oberen Röhrchen wehren sich die Keime erfolgreich gegen Antibiotika, während die Keime im unteren Röhrchen noch keine Resistenzen ausgebildet haben.
    foto: gunther jansen

    Im oberen Röhrchen wehren sich die Keime erfolgreich gegen Antibiotika, während die Keime im unteren Röhrchen noch keine Resistenzen ausgebildet haben.

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