Ein Koch und vier Tischtennistische

24. April 2013, 18:01
posten

Eine Hommage an Konzeptkünstler Július Koller (1939–2007), Vertreter der slowakischen Avantgarde: "U.F.O.—NAUT JK (Július Koller) orchestrated by Rirkrit Tiravanija"

Wien – In der Regel haben Kunst und Sport nicht allzu viel mit­einander zu tun. Von Pingpong-Tischen waren Kunstschaffende aber immer wieder begeistert. ­Valie Export zum Beispiel thematisierte im Film Ping Pong (1968) das Wechselverhältnis zwischen Künstler und Betrachter; Ernst ­Caramelle widmete seine Installation Video-Ping-Pong (1974) dem Aufdecken medialer Täuschungsmanöver.

1970, also beinahe zur selben Zeit, hat auch der slowakische Künstler Július Koller Tisch­tennistische in einer Ausstellung präsentiert. In einem politischen Klima, das den Dialog bekanntlich nicht förderte, waren die Betrachter eingeladen, sich in Form des unverdächtigen Spiels über das Versammlungs- und Austauschverbot hinwegzusetzen.

In der von Rirkrit Tiravanija "orchestrierten"  Hommage an Július Koller in der Galerie Janda ist von diesem subversiven Potenzial aber leider nicht viel übriggeblieben: Betritt man den Ausstellungsraum, laden vier schicke Tischtennistische die Besucher zum Spielen ein. Fragezeichen, die Koller in seinem _2uvre als Ausdruck von Zweifel und Skepsis wiederholt eingesetzt hat, zieren die Schläger, und auf den Tischen steht der kryptische Satz: "Morgen ist die Frage" . Damit referiert der für seine Kochaktionen bekannt gewordene thailändische Künstler jedoch recht oberflächlich auf Július Koller.

Eine Fotografie bestätigt den Eindruck, dass Tiravanija dessen komplexes Werk auf die partizipativen Momente herunterbricht: In Anlehnung an eine Fotografie, auf der Koller mit einer Gruppe von Kindern ein Fragezeichen nachgestellt hat, reinszenierte er mit etwa hundert Teilnehmern auf dem Stephansplatz: Remember Július Koller, Universal Futurological Question Mark (U.F.O.) nannte Tiravanija das Reenactment, das er vom Haas-Haus aus fotografierte.

Das ergibt zwar ein witziges, aber auch plakatives Bild. Von Letzterem war Július Koller jedoch weit entfernt: Das machen vier im Untergeschoß präsentierte kleinformatige Papierarbeiten deutlich. Seiner philosophisch versierten, die westliche Avantgarde befragenden Kosmologie verlieh Koller darin humorvoll, aber doch sehr subtil Ausdruck. (Christa Benzer, DER STANDARD, 25.4.2013)

Bis 25. 5., Galerie Martin Janda
Eschenbachgasse 11, 1010 Wien
www.martinjanda.at

  • Rirkrit Tira­vanija verweist in der Galerie Janda auf ­Július Koller: Dieser lud Ausstellungsbesucher 1970 ein, sich mittels Pingpong-Spiel über das Versammlungs- und Austausch­verbot hinwegzusetzen.
    foto: lisa rastl

    Rirkrit Tira­vanija verweist in der Galerie Janda auf ­Július Koller: Dieser lud Ausstellungsbesucher 1970 ein, sich mittels Pingpong-Spiel über das Versammlungs- und Austausch­verbot hinwegzusetzen.

Share if you care.