Wein im Bier: Riesling Style

Kolumne28. April 2013, 17:59
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Conrad Seidl über eine neue Bierkreation aus Salzburgs ältester Brauerei

Wein und Bier - das wird normalerweise als Gegensatzpaar gesehen, im Sprichwort wie beim geselligen Zusammensitzen. Niemals könne man beim Heurigen Bier trinken, ebenso wenig zum Frühschoppen Wein. Bier und Wein sind ja auch von den Ausgangsstoffen unterschiedliche Produkte: Wein basiert auf vergärbaren Zuckern aus pflanzlichen oder tierischen Quellen - also Fruchtzucker (mit dem Traubenwein als gängigstem Beispiel) oder Honig (Met). Bier dagegen wird aus einem Stärketräger gewonnen, also aus Getreide oder Pseudogetreide (in Ausnahmefällen aber auch Erbsen und sogar Maniok), dessen Stärke im Brauprozess verzuckert wird.

Trotz aller Verschiedenheit hat es immer wieder Versuche gegeben, Wein und Bier im selben Getränk zusammenzuführen. Am Wiener Hof war Weinbier - auf der Basis von Weizenbier und Weißwein - um 1700 recht beliebt, und in jüngster Zeit haben mehrere österreichische Brauer die Idee wieder aufgegriffen.

Die neueste Kreation dieser Serie kommt aus dem Hofbräu Kaltenhausen, der 1475 gegründeten ältesten Brauerei Salzburgs. Sie wurde vor zwei Jahren neu ausgerichtet - während der Großteil der Bierproduktion nach Zipf verlagert wurde, wurde in den alten Gewölben eine Biermanufaktur etabliert, in der der Zipfer Braumeister Günther Seeleitner seine Brauexperimente macht.

Riesling Style

Im September des Vorjahres fuhr Seeleitner mit zwei Zehn-Hektoliter-Tanks zum Weingut Schneeberger in die Steiermark, brachte von dort Most und Weinhefe mit und ließ zunächst den Wein vergären. Dann wurde nach und nach immer mehr Bierwürze aus Pilsner Malz und Weizenmalz mit einer sehr zurückhaltenden Hopfung zugesetzt - im Ergebnis ist das strohgelbe und deutlich trübe Gebräu 80 Prozent Bier und 20 Prozent Wein. Schöner Schaum, intensiver Duft nach Früchten (Papaya, Pfirsich, rote Äpfel) und ein erfrischender, schlanker und nur ganz wenig herber Trunk mit sehr trockenem Nachtrunk lassen das "Riesling Style" insgesamt täuschend leicht wirken.

Tatsächlich aber handelt es sich um ein Starkbier (errechnete Stammwürze 16,7 Grad, gemessener Alkoholgehalt 7,7 Prozent), das mit entsprechender Vorsicht zu genießen ist. Apropos genießen: Das neue Wein-Bier ist auch ein sehr guter Speisenbegleiter, es empfiehlt sich vor allem zu Meeresfrüchten und hellem Fleisch - oder einfach als leichter Aperitif. (Conrad Seidl, Rondo, DER STANDARD, 26.4.2013)

  • Schöner Schaum, intensiver Duft nach Früchten und ein erfrischender, schlanker und nur ganz wenig herber Trunk mit sehr trockenem Nachtrunk lassen das "Riesling Style" insgesamt täuschend leicht wirken.
    foto: hersteller

    Schöner Schaum, intensiver Duft nach Früchten und ein erfrischender, schlanker und nur ganz wenig herber Trunk mit sehr trockenem Nachtrunk lassen das "Riesling Style" insgesamt täuschend leicht wirken.

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