Alles sehr komplizoren

Einserkastl23. April 2013, 18:59
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Wir Ösis neigen hochsprachlich zumindest im Präteritum zur schwachen Konjugation

Zu unserer Auseinandersetzung mit falschen Pluralen schrieb uns ein Arzt (auf gut Österreichisch: ein Doktor): und zwar nicht nur, um zu berichten, dass er täglich aufgefordert wird, "ein Antibiotika" zu verschreiben, sondern auch, um uns ans bereits erwähnte Glashaus zu erinnern, in dem wir sitzen. Denn zu den Verstößen, die uns, wie ich geschrieben hatte, zu Recht von unseren Lesern und Leserinnen um die Standard-Ohren gehauen werden, zählt der Schreiber eben auch "gehauen". In der Tat, so heißt das nicht hierzulande. Für gehauen gehöre ich g' haut.

Wir Ösis, die hochsprachlich zumindest im Präteritum zur schwachen Konjugation neigen - in den Dialekten ist es wieder etwas anders -, müssen uns aber auch im Klaren darüber sein, dass an einer anderen Front jedes Verb, das nicht (mehr) stark, sondern schwach gebeugt wird, tränenreich beweint wird. Buk gegen backte, erscholl gegen erschallte, gekoren gegen gekürt, geforchten gegen gefürchtet ...

Wenn man allerdings einmal damit anfängt, Verben stark zu konjugieren, kann man unter Umständen nicht mehr damit aufhören. So geht es den Mitgliedern der "Gesellschaft zur Stärkung der Verben", die sich dem Ziel verschrieben haben, die Sprache nicht einfacher, sondern komplizorener zu machen. Auf ihrer Webseite - leicht im Internet zu finden - gibt es eine Liste von gestorkenen Verben mit gänzlich verrocken klingenden Formen! (Gudrun Harrer, DER STANDARD, 24.4.2013)

  • Im Glashaus sollte man nicht mit Steinen werfen.
    foto: apa-foto/troescher

    Im Glashaus sollte man nicht mit Steinen werfen.

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