Beruf Polizist, Berufung Antifaschist: Uwe Sailer

23. April 2013, 18:37
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Kripobeamter und Datenforensik-Sachverständiger kämpft privat gegen Neonazis

Linz - Im Brotberuf versieht Uwe Sailer heute seinen Dienst als einfacher Beamter. Doch daneben hält er privat seit Jahren die Neonazi-Szene mit Anzeigen auf Trab.

Dabei hätte er einst als gelernter Tischler den Betrieb des Onkels übernehmen sollen. "Aber es gab einen lustigen Kriminalbeamten im Freundeskreis, da hab ich gedacht, ich bewerbe mich dort", sagt der 56-Jährige dem Standard. 1978 begann er mit 22 in seiner Heimatstadt Linz bei der Polizei. Im zweiten Bildungsweg machte der Kripobeamte Matura und die Ausbildung zum Datenforensiker.

Erster Sachverständiger

Datenforensik ist digitale Spurensuche im Internet und auf Datenträgern. 2003 wurde Sailer Österreichs erster Sachverständige für Datenforensik und gründete die Firma datenforensik.at, die er mit seiner Frau betreibt. "Wir arbeiten ausschließlich fürs Gericht", betont er. Die Kripo Linz erlaubte Sailer die Nebentätigkeit unter der Bedingung, dass man ihn auch konsultieren dürfe. 2009 betrieb die FPÖ im Zusammenhang mit Recherchen Sailers über Rechtsextreme seine Suspendierung und brachte ihn als "Spitzel" vor einen parlamentarischen Untersuchungsausschuss.

Sailer wurde voll rehabilitiert. Auch über 50 Anzeigen gegen ihn verliefen für die FPÖ erfolglos. 2011 sagte er im Standard, man könne die Betreiber der Neonazi-Site Alpen-Donau.Info längst dingfest machen, doch der Verfassungsschutz ignoriere Hinweise.

2013 bekam Sailer den Ute-Bock-Preis für Zivilcourage. "Mein Vater wollte kein Kanonenfutter für Hitler sein, die Oma wurde von den Nazis in den Suizid getrieben", sagt er, "das prägt." (Colette M. Schmidt, DER STANDARD, 24.4.2013)

  • Intimfeind der FPÖ: Sailer
    foto: privat

    Intimfeind der FPÖ: Sailer

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