"Ich glaube, beim Wohnbau wären wir schneller"

Interview23. April 2013, 18:22
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Rot und Grün in Wien sind sich zwar nicht immer einig, grundsätzlich funktioniere die Zusammenarbeit aber gut, sagen Rudolf Schicker und David Ellensohn

DER STANDARD hat die Klubchefs der Wiener SPÖ und der Wiener Grünen, Rudolf Schicker und David Ellensohn, getrennt voneinander zur bisherigen Zusammenarbeit befragt.

STANDARD: Welche Eigenschaft schätzen Sie am Koalitionspartner am meisten?

Schicker: Ich halte den Koalitionspartner für eine spannende, interessante Partei mit anderer Kultur. Wir sind gewohnt, Entscheidungen sehr dezentral und mit vielen Beteiligten zu treffen. Bei den Grünen habe ich den Eindruck, dass die Entscheidungswege kürzer sind. Obwohl man uns immer die zentralistische Entscheidungsweise vorgeworfen hat.

Ellensohn: Die SP bringt viel Regierungserfahrung mit.

STANDARD: Schon einmal enttäuscht worden?

Schicker: Mein Gott, jeder wird einmal enttäuscht. Aber es war noch nie so, dass es zum Problem geworden wäre.

Ellensohn: Die SPÖ ist eine eigene Partei - und das ist gut so.

STANDARD: Was nervt Sie am meisten?

Schicker: Ich fühle mich nicht genervt, sondern herausgefordert. Das Schwierigste ist sicher, die unterschiedlichen Kulturen kompatibel zu halten.

Ellensohn: Am Anfang haben alle geglaubt, dass wir sehr lange für Entscheidungen brauchen werden. Inzwischen ist die Entscheidungsgeschwindigkeit bei uns höher als bei der SP.

STANDARD: Was hätten Sie schon längst umgesetzt, wenn es den Koalitionspartner nicht geben würde?

Schicker: Ich glaube, dass wir beim Wohnbau schneller wären. Es gibt Flächenwidmungsreserven aus meiner Zeit, bei manchen Flächen geht es aber durch Aktivitäten grüner Bezirksgruppen nicht so flott weiter, wie es sollte - etwa in Floridsdorf.

Ellensohn: Wir sind froh über die Dinge, die wir im Bereich Mobilität weitergebracht haben. Wenn wir allein regieren würden, hätten wir da sicher noch ein paar Ideen mehr.

STANDARD: Worin besteht aus Ihrer Sicht der bisher größte Erfolg von Rot-Grün?

Schicker: Ganz eindeutig im neuen Tarifmodell bei den Wiener Linien. Ich halte die 365 Euro für die Jahreskarte für ein ganz wesentliches Produkt.

Ellensohn: Ich bin sehr froh darüber, dass wir die Kindermindestsicherung auf 200 Euro hinaufgesetzt haben. Und wir konnten als einziges Bundesland den Gratiskindergarten halten.

STANDARD: Wann wird es eine Wahlrechtsreform geben?

Schicker: Zeitgerecht zur nächsten Wiener Wahl 2015.

Ellensohn: Die kommt ganz sicher heuer. (Martina Stemmer, DER STANDARD, 24.4.2013)

Rudolf Schicker (60) war neun Jahre lang Planungs- und Verkehrsstadtrat, bevor die Grünen das Ressort übernommen haben. Seither ist er roter Klubchef.

David Ellensohn (49) war vor Rot-Grün sechs Jahre lang nicht amtsführender Stadtrat, seit 2010 ist er grüner Klubchef.

  • Schicker (Bild) und Ellensohn finden zum Teil sehr unterschiedliche Antworten auf dieselben Fragen.
    foto: standard/cremer

    Schicker (Bild) und Ellensohn finden zum Teil sehr unterschiedliche Antworten auf dieselben Fragen.

  • Ellensohn: "Wenn wir allein regieren würden, hätten wir sicher noch ein paar Ideen mehr."
    foto: apa/hochmuth

    Ellensohn: "Wenn wir allein regieren würden, hätten wir sicher noch ein paar Ideen mehr."

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