Forschen an fließenden Übergängen

23. April 2013, 17:53
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Julia Derx untersucht, wie Schadstoffe und Viren ins Grundwasser gelangen

Eine Wasserratte war Julia Derx schon als Kind. Auch an Mathematik und naturwissenschaftlichen Fächern hatte sie Freude. "Am Ende bin ich genau dort gelandet, wo ich hinwollte", sagt die 1978 geborene Wienerin. Gelandet ist sie an der TU Wien, am Institut für Wasserbau und Ingenieurhydrologie.

Dort erforscht sie fließende Übergänge: Nämlich jene zwischen Fluss und Ufer, zwischen Haupt- und Nebenarm, zwischen oberirdischem und Grundwasser. Konkret untersucht sie derzeit, was passiert, wenn Nebenarme in der Lobau an die Donau angebunden werden, und wie sich das auf die Trinkwasserqualität auswirkt.

Für ihre Arbeit erhielt Derx im Oktober den Resselpreis für die beste interdisziplinäre Doktorarbeit der TU Wien und im November den Sonderpreis Wasser der Stadt Wien. Nun wurde sie von der Initiative Femtech des Verkehrsministeriums zur "Expertin des Monats April" gewählt.

Zum Studium an der TU Wien ist Julia Derx allerdings über einen kleinen Umweg gekommen: Nach der Matura verbrachte sie zuerst zwei Jahre an der Höheren Graphischen Lehr- und Versuchsanstalt, um Fotografie zu lernen. " Ich habe dann gemerkt, dass das nicht meine Berufung ist. Es hat einfach die Begeisterung gefehlt." Obwohl sie auch hier schon das Wasser im Visier hatte und Unterwasserfotos anfertigte. An der TU, wo sie auf Bauingenieurwesen umsattelte, konnte sie schließlich ihre Interessen für Wasser, Umwelt und Mathematik kombinieren.

Ein Austauschjahr führte sie an die School of Mines in Colorado, USA. " Es war für mich vor allem eine wichtige persönliche Erfahrung, eine neue Kultur kennenzulernen und allein zurechtzukommen", erzählt Derx. In Australien arbeitete sie später als Teil ihrer Diplomarbeit an einem wissenschaftlichen Projekt zur Vermischung von Salz- und Grundwasser an Küsten mit. Da hatte sie schon ihren jetzigen Ehemann, einen Informatiker, an ihrer Seite. "Wir haben uns im Organisationsteam des Buddy-Netzwerks für Austauschstudenten kennengelernt", erzählt Derx.

Als Projektassistentin des "Flussbaulichen Gesamtprojekts östlich von Wien", das die weitere Eintiefung der Donau mit verschiedenen Maßnahmen zu verhindern versucht, begann sie sich mit den Wasserverhältnissen im Nationalpark Donauauen zu beschäftigen. "An sich ist die Wasserqualität sehr gut", schickt Derx voraus. "Gerade bei Hochwässern steigt aber auch das Risiko, dass sich Mikroorganismen und Krankheitserreger im Grundwasser verbreiten."

Auch durch den Rückbau der Ufer in einen naturnahen Zustand und durch die Flutung von Nebenarmen kann mehr Wasser von der Donau - und somit auch Viren, Fäkalien oder Schadstoffe aus der Landwirtschaft - ins Grund- und letztlich ins Trinkwasser gelangen. Derx und ihre Kollegen simulieren mit Modellen, die auf Messdaten beruhen, was sich unter Wasser und im Boden abspielt. Ziel ist es, mit anderen Forschern des interuniversitären Kooperationszentrums ICC Water & Health von TU Wien und Med-Uni Wien ein Online-Monitoring-System zu entwickeln, um mit statistischen Methoden das Risiko einer Grundwasserverschmutzung abschätzen zu können.

Derx hofft, damit weitere Kreise ziehen zu können: Wissen über Wasserqualität ist schließlich weltweit gefragt. (Karin Krichmayr, DER STANDARD, 24.04.2013)

  • Die Hydrologin Julia Derx ist Expertin des Monats.
    foto: aigner

    Die Hydrologin Julia Derx ist Expertin des Monats.

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