So männlich ist die europäische Forschung

23. April 2013, 18:53
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EU-Initiative will Vorschläge, wie Frauenunterrepräsentanz geändert werden kann

Bei den Studierenden und den Uni-Absolventen haben die Frauen die Männer in Europa längst abgehängt: Im Jahr 2010 lag der Anteil der weiblichen Studierenden bei 55 Prozent, jener der Absolventinnen gar bei 59 Prozent. Ab dem ersten Abschluss allerdings sinkt der Frauenanteil an den Universitäten stetig: Bei den Dissertanten waren 2010 nur mehr 49 Prozent weiblich, bei den Promovierten nur mehr 46 Prozent.

Während bei den Postdocs immerhin noch 44 Prozent Frauen sind, sinkt ihr Anteil bis zu den Ordinariaten - also der höchsten akademischen Laufbahnstufe - auf ein Fünftel, also 20 Prozent. Und von den Leitern von Einrichtungen im Hochschulsektor sind nur 15,5 Prozent Frauen.

Obwohl die Zahl der Forscherinnen in allen Sektoren schneller gestiegen ist als die Zahl ihrer männlichen Kollegen (Forscherinnen: jährlich plus 5,1 Prozent, Forscher: plus 3,3 Prozent im Zeitraum 2002 bis 2009), haben Forscherinnen noch immer Schwierigkeiten, Führungspositionen zu erreichen. Über alle Fächer und alle Karrierestufen zusammen sind ziemlich genau ein Drittel aller europäischen Forscher Frauen.

Frauen in der Minderheit

Das sind die wichtigsten Daten aus dem Bericht "She Figures", den die Europäische Kommission Anfang April veröffentlicht hat. Máire Geoghegan-Quinn, EU-Kommissarin für Forschung, Innovation und Wissenschaft, sind diese Zahlen gar nicht recht: "Trotz einiger in den vergangenen Jahren erzielter Fortschritte sind Frauen in der Forschung weiterhin eine Minderheit, und eine gläserne Decke trennt vor allem Frauen von Spitzenpositionen."

Geoghean-Quinn nennt diesen Zustand "eine gravierende Ungerechtigkeit und eine skandalöse Verschwendung von Talenten". Noch ausgeprägter ist diese Ungerechtigkeit in Österreich: Hier sind nur 22 Prozent der Forscher und 17 Prozent der ordentlichen Professoren Frauen.

Die EU-Kommission will diese Unterrepräsentanz von Frauen in der Forschung ändern und ruft Bürgerinnen und Bürger auf mitzuhelfen, um diesen Missstand zu ändern - und bittet um Lösungsvorschläge. der Standard unterstützt die Initiative mit dem Verweis auf die Umfrage " Haben es Frauen in der Wissenschaft schwerer?" - und ersucht um Antworten. (tasch, DER STANDARD, 24.04.2013)

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