Zemans Wiener Kanzlerduell

23. April 2013, 17:23
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Bei seinem Antrittsbesuch in Wien streute der neue tschechische Präsident Milos Zeman den Gastgebern Rosen und kommentierte auf gewohnt launige Art die Tatsache, dass Kanzler Faymann ihm einen Korb gibt.

Wien - Seinem bekannten Hang zu saloppen Formulierungen gab der neue tschechische Präsident Milos Zeman auch beim zweiten offiziellen Auslandsbesuch seit seiner Amtsübernahme im März nach. Er teile die Ansichten von Bundespräsident Heinz Fischer zur Sicherheit von Atomkraftwerken, sagte Zeman in der Pressekonferenz mit seinem Gastgeber, angesprochen auf das südböhmische AKW Temelín. Die Angst vor einer Katastrophe wie Fukushima sei allerdings unbegründet: "In Mitteleuropa brauchen wir uns vor Erdbeben nicht zu fürchten."

Tschechien will Temelín bis 2025 um einen dritten und vierten Reaktorblock erweitern. Fischer meinte, die Diskussion über die Sicherheit des AKW müsse "fair und intensiv" geführt werden.

Zeman hatte den Gastgebern eingangs Rosen gestreut. Dass er Österreich als zweites Land nach der Slowakei besuche, habe zwei Gründe: seine Hochachtung für Heinz Fischer (die beiden kennen sich seit ihrer Zeit als Parlamentspräsidenten) und die Tatsache, dass Österreich neben Deutschland und den Niederlanden größter Auslandsinvestor in der Tschechischen Republik sei. Dort sind laut Zeman rund 1500 österreichische Unternehmen tätig - gegenüber 130 tschechischen in Österreich. Bisher galten die ersten Auslandsbesuche tschechischer Präsidenten nach dem "Bruderland" Slowakei traditionellerweise Deutschland und Polen.

Zum Konflikt mit Außenminister Karl Schwarzenberg über Botschafterbesetzungen, darunter für Wien, wurde Zeman gefragt, ob sich damit die Konfrontation zwischen den einstigen Präsidentschaftskandidaten fortsetze. Zeman sagte, angesichts der Bedeutung Österreichs für Tschechien wünsche er sich für Wien eine starke Persönlichkeit. Grundvoraussetzung sei ein abgeschlossenes Hochschulstudium und das Beherrschen der deutschen Sprache. "Entweder einige ich mich mit dem Herrn Außenminister, oder ich einige mich mit dem Herrn Premier." Eine Einigung mit Regierungschef Petr Necas über Schwarzenbergs Kopf hinweg würde allerdings eine Zerreißprobe für die Koalition bedeuten.

"Ich führe zwei zu eins"

Während seines zweitägigen Besuchs spricht Zeman nicht mit Bundeskanzler Werner Faymann. Bedauert er, dass der Kanzler keine Zeit für ihn hat? " Das ist Privatsache der österreichischen Seite, da möchte ich mich nicht einmischen." Jedenfalls komme er "mit zwei Kanzlern" zusammen: den Exkanzlern Alfred Gusenbauer und Franz Vranitzky: "Um es sportlich zu sagen: Im Kanzlerduell führe ich zwei zu eins."

Es ist bereits das zweite Mal, dass Faymann einem offiziell in Wien weilenden Staatsoberhaupt den Korb gibt. Im Juli 2011 hatte der Kanzler keine Zeit für den polnischen Präsidenten Bronislaw Komorowski. Der Grund: ein Kurzurlaub mit seiner Tochter. (Josef Kirchengast, DER STANDARD, 24.4.2013)

  • Ankunft im Inneren Burghof: Milos Zeman wird von Bundespräsident Heinz Fischer und dessen Gattin Margit erwartet.
    foto: standard/cremer

    Ankunft im Inneren Burghof: Milos Zeman wird von Bundespräsident Heinz Fischer und dessen Gattin Margit erwartet.

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