Apfelsaft und Wein der Opernarbeit

23. April 2013, 17:18
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Am Theater an der Wien wurde zum vierten Mal mit Jugendlichen ein eigenes Musiktheaterwerk geschaffen, diesmal inspiriert von Berlioz' "Béatrice et Bénédict"

Wien - Jugend ist Trunkenheit ohne Wein - so sah es jedenfalls der alte Goethe. Die Jugend von heute befeuert ihre altersadäquaten Euphorien aber gern noch mit Alkoholika aller Art, und so passt es schon, dass Oscar Schöller (als Antonio Thallinger) auf der Bühne des Theaters an der Wien so vollkehlig wie smart den Vin de Syracuse preist, einen sizilianischen Rotwein. Der Chor der jugendlichen Mitfeiernden, der Schöllers Laudatio beistimmend folgt, klingt dann aber doch eher nach lauwarmem Apfelsaft mit Leitungswasser.

Wir sind auf einer "BO", einer Bühnenorchesterprobe für die Produktion des diesjährigen Jugendprojekts des Hauses, eines (sehr) speziellen, selbst erarbeiteten Stücks Musiktheater, inspiriert von Hector Berlioz' komischer Oper Béatrice et Bénédict - diese wird ja gerade am Theater an der Wien gezeigt.

Selbst Oper zu machen, das ist mitunter verdammt mühsam, das erfahren die gut 40 Jugendlichen im Theater an der Wien gerade. Der vierstimmige Chorsatz erweist sich auf der Bühne, wenn die einzelnen Sängerinnen und Sänger meterweit voneinander entfernt stehen, als ungleich fieser als gerade noch im Proberaum. Und auch im Orchestergraben - vier Mitglieder des RSO Wien unterstützen hier die Jugendlichen - scheint man noch fallweise jener Grundidee des Improvisierens zu frönen, aus der die Bühnenversion der Youngsters vor Monaten entwickelt, destilliert und kompiliert worden war.

Im Oktober letzten Jahres hatte alles so angefangen: Knapp 50 Operninteressierte im Alter von 14 bis 20 Jahren hatten sich zum ersten Workshop-Wochenende im Chorsaal des Theaters an der Wien zusammengefunden, acht weitere Treffen sollten folgen. Zuerst wurde den Jugendlichen Béatrice et Bénédict präsentiert, dann gemeinsam nach Themen gesucht, die für sie in diesem Werk anklingen, erzählt die fürs Schauspielerische verantwortliche Co-Regisseurin Beate Göbel.

Keppeln als Fluchtpunkt

Zu diesen Themen wurden über einen Zeitraum von gut zwei Monaten Improvisationen gemacht. Ziel: Die Jugendlichen sollen hierbei ihre eigenen Geschichten und auch ihre eigenen Rollen finden. Immer beobachtend mit dabei: Catherine Leiter, seit dem Start des Jugendprojekts vor vier Jahren verantwortlich für das Gesamtkonzept und auch Co-Regisseurin, sowie Raphael Schluesselberg, der neue musikalische Leiter.

Überraschung: Béatrice und Bénédict, das dauerkeppelnde komödiantische Liebespaar, dient nun lediglich als Fluchtpunkt des Librettos - die beiden Titelfiguren kommen in der Jugendversion der Oper bühnenfigürlich gar nicht vor. Hier dreht sich nun alles um eine Gruppe von Hochzeitsplanern, Brautjungfern und Freunden, die allerlei Dinge vor, während und nach der Trauungszeremonie erleben, imaginäre und theaterreale. Die Musik ist da Berlioz-näher: Gab es beim letztjährigen The Voice of Hoffmann noch etliche Beiträge abseits von Offenbach, so setzt Schluesselberg auf ausgewählte Nummern der Oper.

Ist es ein Knochenjob? Muss man da nicht heftig diszipliniert sein? Ja, schon, meint die sonnige O-Ton-Spenderin Varvara Todorovic, aber sie seien ja schließlich alle hier, weil sie das unbedingt wollten! Und sie habe schon als Kind an der Grazer Oper gesungen. Nun, mit 16, sei sie froh, auch einmal bei einer Produktion dabei zu sein, bei der sie nicht nur Anweisungen befolgen müsse, sondern auch selbst bei der Entstehung mitmachen dürfe. Der Gemeinschaftsgeist sei durch das Erarbeiten des Stücks sehr stark, und sie habe viel übers Schauspielen gelernt und über Bühnenpräsenz, meint die Schülerin des Musikgymnasiums Neustiftgasse.

Zumindest Göbels Aufwärmübungen für Körper und Stimme, die entfernt an indianische Stammestänze erinnern, scheinen wirklich ziemlich amüsant zu sein - da hat sich in den letzten Jahren ja einiges getan. Dann folgt der ewige Kreislauf des Probens: kurzes Spielen, Unterbrechung, langes Herumstehen, Fragen/Anweisungen der Regie, des Lichts, des Dirigenten, kurzes Spielen, Unterbrechung und so weiter. Manche Dinge ändern sich nie. Diesbezüglich hätte Geheimrat Goethe sicher auch eine treffende Sentenz parat. (Stefan Ender, DER STANDARD, 24.4.2013)

Theater a. d. Wien, 26. 4., 18.00

  • "Hochzeitsplaner" und "Brautjungfern" nähern sich im Theater an der Wien einem Stoff von Berlioz an, der seinerseits einer Vorlage von William Shakespeare folgt.
    foto: rolf bock

    "Hochzeitsplaner" und "Brautjungfern" nähern sich im Theater an der Wien einem Stoff von Berlioz an, der seinerseits einer Vorlage von William Shakespeare folgt.

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