Freche Fischbrötchen

23. April 2013, 16:13
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Selten so gelacht oder doch eher fremdgeschämt? Zitrone für Nordsee und seinen platten Sexismus

"Was hat eine Halbnackte mit Fisch zu tun?" Das ist eine Frage (gelesen auf der Online-Plattform des österreichischen Werberates), auf die es wohl keine inhaltliche Antwort gibt. Doch eine internationale Fisch-Fast-Foodkette wirbt mit genau dieser Kombi bereits seit über einem Jahr im deutschen Sprachraum.

Wir könnten uns jetzt lustvoll der Wort- und Bildkreation dieses Sujets widmen und dadurch vielleicht den einen oder anderen inhaltlichen Zusammenhang von Fischkonsum mit gesund oder sexy konstruieren. Das sparen wir uns heute. Denn sinnvoller wird dieser Werbebeitrag dadurch nicht.

Bleiben wir stattdessen doch lieber bei den Facts: Sexualisierte, nackte Frauen- und Männerkörper haben auf Werbesujets nichts zu suchen. Und dieses Exemplar ist so platt und ungebrochen hinsichtlich seines Missbrauchs von Frauenkörpern, dass es sogar aus dem sonstigen sexistischen Einerlei hervorsticht.

Weniger selten ist allerdings die Haltung des Unternehmens in Bezug auf seine Werbelinie. In einem Kundenmagazin wird das Sujet als "markig" und "frech" tituliert und als besonders erfolgreich, weil es "allerorts für Aufregung sorgt". Die Argumentation der Verantwortlichen zeigt einmal mehr, dass die Werbewelt nach eigenen Gesetzen funktioniert und vorsätzlich ihre politische Verantwortung für die Gestaltung von Öffentlichkeit verweigert. Wenn Kampagnen wie diese nicht mehr das Licht der Öffentlichkeit erblicken sollen, dann braucht es schlicht und einfach ein Werbeverbot für sexistische Werbung. Das könnten die GegnerInnen von sexistischer Werbung dann auch einfach als "frech" verkaufen - wenn sie sich mit der Werbewirtschaft in punkto Diskussionsverweigerung auf eine Stufe stellen wollten. (freu,
dieStandard.at, 23.4.2013)

  • Wir danken Leser Christian N. für die Fotospende.
    foto: privat

    Wir danken Leser Christian N. für die Fotospende.

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