Neue Hummer-Heimat zwischen Windrädern

27. April 2013, 17:59
39 Postings

Hummerbestände in der Nordsee seit Jahrzehnten auf sehr niedrigem Niveau - Windkraftanlagen könnten Abhilfe verschaffen

Bremerhaven - Nahe der Insel Borkum im äußersten Nordwesten des deutschen Hoheitsgebiets tritt der Bau des Offshore-Windparks Riffgat gerade in seine entscheidende Phase. Während diesen Monat die ersten Windräder montiert werden, haben Biologen die Anlage für einen weiteren Zwecks ins Auge gefasst, wie das Alfred-Wegener-Institut (AWI) berichtet: als neuen Siedlungsraum für Hummer.

Hummer waren in der Region einst stark vertreten, doch sind die Bestände Mitte des 20. Jahrhunderts unter anderem wegen Meeresverschmutzung stark eingebrochen und bewegen sich seitdem auf sehr niedrigem Niveau. Doch Nachschub ist unterwegs: Forscher der Biologischen Anstalt Helgoland, die zum AWI gehört, wollen 3.000 Hummer aufziehen, die sie im Jahr 2014 auswildern werden. Sie wollen im Rahmen eines dreijährigen Projekts untersuchen, ob sich Hummer erfolgreich zwischen den Windrädern ansiedeln können.

Wohnungsbau unter Wasser

In der Region sind Sand- und Schlickböden vorherrschend, Windräder können aber als so genanntes Hartsubstrat anderen Lebensgemeinschaften einen neuen Siedlungsraum bieten. Ein solcher Hartbodenbewohner ist der bis zu vier Kilogramm schwere Europäische Hummer (Homarus gammarus), der sich als nachtaktives Tier tagsüber in Höhlen versteckt. Zum Schutz vor der Bildung destabilisierender Vertiefungen am Meeresgrund werden die Windkraftanlagen mit Steinfeldern umgeben. Eine erfolgreiche Ansiedlung der Tiere in diesen Feldern könnte zu einer langfristigen Stabilisierung der Population beitragen.

"Die in großer Zahl in den nächsten 15 Jahren in der Deutschen Bucht entstehenden Windparks stellen zwar einerseits einen Eingriff in das Ökosystem dar, könnten aber auch mit Maßnahmen zu einer ökologischen Aufwertung verbunden werden", sagt Heinz-Dieter Franke, AWI-Biologe auf Helgoland. So schaffe etwa die Sperrung der Windparks für die industrielle Fischerei Fischen und der wirbellosen Bodenfauna einen dringend benötigten Schutz- und Erholungsraum. (red, derStandard.at, 27. 4. 2013)

 


Link
AWI

  • Ein junger Hummer in der Aufzuchtanlage des Alfred-Wegener-Instituts auf Helgoland. Die Tiere sollen ausgewildert werden, wenn sie etwa zehn Zentimeter groß geworden sind. Ausgewachsen können sie dann sechsmal so lang werden.
    foto: isabel schmalenbach, alfred-wegener-institut

    Ein junger Hummer in der Aufzuchtanlage des Alfred-Wegener-Instituts auf Helgoland. Die Tiere sollen ausgewildert werden, wenn sie etwa zehn Zentimeter groß geworden sind. Ausgewachsen können sie dann sechsmal so lang werden.

Share if you care.