Fast 75 Milliarden Euro sind täglich fällig

23. April 2013, 17:18
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Die Österreicher parken ihr Geld auf täglich fälligen Sparbüchern und akzeptieren dabei einen Geldverlust. Wenig attraktiv sind Lebensversicherungen

Wien - Die extrem niedrigen Zinsen (auch bei ein- oder zweijähriger Bindung) beim Sparbuch, die unsichere Situation am Arbeitsmarkt und nicht zuletzt die mangelnden Alternativen an sicheren Veranlagungen veranlasst die Österreicher dazu, ihr Geld auf täglich fälligen Sparbüchern zu bunkern. Laut Nationalbank lagen dort im Vorjahr 74,7 Milliarden Euro. Zum Vergleich: 2011 waren es "nur" 66,6 Mrd. Euro.

Rechnet man das Bargeld und Veranlagungen mit einer Restlaufzeit von einem Jahr dazu, dann sind es sogar 170 Milliarden Euro, auf die mehr oder weniger kurzfristig zugegriffen werden kann. Dieser Wert entspricht knapp einem Drittel des gesamten Finanzvermögens der Österreicher (484 Mrd. Euro). "Rein rechnerisch würden damit die Konsumausgaben für das Jahr 2013 fast abgedeckt", heißt es in einer Aussendung der Notenbank.

Die gebundenen Einlagen gingen um 4,4 Mrd. Euro zurück. Und trotz Halbierung der staatlichen Bausparprämie legten die Bauspar-Einlagen im Vorjahr um 700 Millionen Euro zu.

Geldverlust

Die Österreicher akzeptieren "eine negative Realverzinsung", also einen Verlust ihrer Sparguthaben, schreibt die Notenbank in ihrem Bericht zum Finanzvermögen der Österreicher. Dieser ergibt sich aus der Inflationsrate von 2,6 Prozent, darunter liegenden Sparbuchzinsen plus Kapitalertragsteuer.

Dass der Neuabschluss von Lebensversicherungen bei einem Mindestgarantiezins von aktuell zwei Prozent bei langer Laufzeit kein Heuler ist, wissen auch die Versicherungen. In der Lebensversicherung sei durch die von zehn auf 15 Jahre verlängerte Mindestlaufzeit für Einmalerläge die Gruppe der 55- bis 60-Jährigen weggebrochen, die gern ihre Abfertigung kurzfristig veranlage, aber eben nicht mit einem Zielalter von 75 Jahren, beklagte jüngst die Vienna Insurance Group. Nahezu alle großen heimischen Versicherer berichten über Rückgänge bei der Lebensversicherung.

Kapitalgarantie

Mehr als die gesetzlich verankerte Kapitalgarantie haben auch die erstmals vor zehn Jahren abgeschlossenen staatlich geförderten Zukunftsvorsorge-Produkte nicht gebracht. Die ersten Verträge laufen heuer aus - und damit die Zahl der Abschlüsse (aktuell 1,6 Mio.) weiter steigt, einigte sich die Regierung jetzt auf eine Reform. Wie berichtet sinkt der Aktienanteil im Alter (Mindestquote fünf Prozent) - wie von den Versicherern gefordert. Auch müssen nicht mehr 100 Prozent der Aktien in kleinen Börsen wie Wien veranlagt werden, sondern nur mehr 60 Prozent.

Neu ist zudem, dass die Kunden über die Kosten bei Vertragsabschluss besser informiert werden müssen. Generali-Chef Peter Thirring ist mit der Reduktion der Mindestaktienquote zufrieden - er hält die Novelle für gut.

Für auslaufende Verträge soll die jetzige Regelung beibehalten werden, wonach nur die Hälfte des staatlichen Zuschusses zurückzuzahlen ist, falls sich Kunden das angesparte Geld nicht als lebenslange Rente, sondern sofort bar auszahlen lassen. Der staatliche Zuschuss wird an das allgemeine Zinsniveau angepasst und beträgt für heuer 4,25 Prozent. Damit liegt die maximale Prämie aktuell bei rund 104 Euro. (Claudia Ruff, DER STANDARD, 24.4.2013)

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