Konjunktur: Ernüchterung zum Jahresstart

23. April 2013, 12:39
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Wie das Wetter, so die Industrieentwicklung - das gilt zumindest für den unterkühlten Jahresstart 2013 in Österreich

Wien - Anfangs war das Jahr laut aktuellem Konjunkturbarometer der Industriellenvereinigung (IV) in Österreich zwar noch von einer Aufhellung gegeprägt, dann trat allerdings konjunkturelle Ernüchterung unter anderem in Form der schwächsten Ertragssituation in den vergangenen 36 Monaten ein, so IV-Generalsekretär Christoph Neumayer. Der Aufschwung stehe nicht vor der Tür, erst für die zweite Jahreshälfte sei nur ein blutleerer Aufschwung zu erwarten, derzeit gibt es eine Seitwärtsbewegung.

Momentan liegt man unter dem Niveau von Mitte 2012, die Geschäftslage wird schlechter eingeschätzt als zum Ende des Vorjahres, die Auftragsbestände erreichen jene des Vorjahres derzeit noch nicht. Für das Gesamtjahr zeichnete sich ein "fragiler konjunktureller Aufschwung und eine angespannte Ertragslage" aber immerhin auch eine "Neigung zu Neueinstellungen" von Mitarbeitern in der Industrie ab, so der Sukkus des Barometers laut IV-Chefökonom Christian Helmenstein.

Bei den Neueinstellungen könne aber nicht eingeschätzt werden, wie viele Jobs Teil- oder Vollzeit werden würden, da die Firmen auf Flexibilität setzen würden. Dahingehend erinnerten die Industrie-Vertreter an ihre Forderung nach flexibleren Arbeitszeiten und längeren Durchrechnungszeiträumen.

Europa in der Rezession

Dafür, dass sich Europa immer noch in der Rezession befinde, stehe Österreich allerdings ganz gut da, so die IV-Vertreter. Sie erwarten ein reales Wachstum der österreichischen Volkswirtschaft heuer von 0,5 bis 1,0 Prozent. Die Hoffnung auf einen Aufschwung nach dem vierten Quartal 2012 wurden heuer zum Jahresstart allerdings enttäuscht. Nach der "konjunkturellen Ernüchterung im ersten Quartal" ist laut Neumayer zwar eine allmähliche Belebung der Konjunktur zu erwarten. Diese werde aber "voraussichtlich nur eine geringe Dynamik entfalten. Der Aufschwung steht nicht vor der Tür."

Helmenstein beklagte die in den vergangenen Jahren gestiegenen Lohnstückkosten in Österreich, die neben dem momentan erfolgenden Aufbaues von Lagerbeständen auch zur "derzeit sehr kritischen Ertragslage der Unternehmen" beigetragen hätten. In den vergangenen beiden Jahren habe Österreich seinen Vorsprung gegenüber der Eurozone bei den Lohnstückkosten eingebüßt. Daher brauche es nun wieder einen Produktivitätsfortschritt unter anderem über effizientere Prozesse und "Balance in den KV-Verhandlungen". Auch die Forschung & Entwicklung müsse "gemeinsam durch privaten und öffentlichen Sektor" gesteigert werden - von derzeit 2,8 Prozent "in Richtung 3,5 Prozent".

Lagerbestände würden derzeit aufgebaut, "damit die Lieferfähigkeit besteht, wenn die Konjunktur anzieht".

Negative Auswirkungen auf Investitionen

Die schwächste Ertragslage seit drei Jahren wirke sich negativ auf die Investitionen aus. Eine Verbesserung prophezeit das Barometer erst in sechs Monaten, tief in der zweiten Jahreshälfte. Daher werde die Investitionen wohl erst Ende 2013 bzw. 2014 wieder deutlich anziehen, so Helmenstein.

Dass die Unternehmen sich auf das erhoffte Anziehen der Konjunktur vorbereiten, ist laut dem IV-Ökonomen auch der Grund, dass rund jedes fünfte Unternehmen aktuell angibt, zusätzliches Personal aufzubauen (15 Prozent wollen abbauen).

Unsicherheiten böten auch weiterhin die noch nicht erfolgte Regierungsbildung in Italien und auch das noch nicht gelöste Haushaltsproblem in den USA, sagte der Ökonom.

Eine absolute Abfuhr erteilten die Industrievertreter erneut kürzlichen Vorschlägen des ÖGB bzw. der AK, wie nach einer sechsten Urlaubswoche für jeden nach 25 Dienstjahren, der Fachkräfte-Milliarde und dem Überstunden-Euro. Insgesamt, ließ die IV das Institut Wirtschaftsforschung Eco Austria errechnen, bedeuteten die Maßnahmen bei Umsetzung, dass das heimische BIP 2033 um 1,09 Prozent oder 3,4 Mrd. Euro tiefer liegen würde als bei einem Szenario, bei dem aktuelle Regeln fortgesetzt würden. Kosten würden die drei Maßnahmen laut IV insgesamt 2,2 Mrd. Euro. (APA, 23.4.2013)

  • Der Aufschwung steht derzeit nicht vor der Tür.

    Der Aufschwung steht derzeit nicht vor der Tür.

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    grafik: apa
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