Québecs Sprachpolizei kennt kein Pardon

21. April 2013, 17:29
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Konzerne wie Wal-Mart, Gap und Guess sind vor Gericht gegangen, um ihren Markennamen auch in Québec zu schützen

Joe Beef ist eines der bekanntesten Restaurants in Kanada. Pech, dass es sich in der Stadt Montreal befindet. Denn dort gilt, wie überall in der frankophonen Provinz Québec, ein drakonisches Sprachgesetz. Französisch muss in den Augen von Québecs Regierung mit allen Mitteln vor dem englischen Vormarsch geschützt werden. Die Sprachpolizei schwärmt aus, um Missetäter auf frischer Tat zu ertappen. Sie macht kleinen Firmen, aber auch Multis wie Wal-Mart das Leben schwer.

Der Name Joe Beef ist so englisch wie der Buckingham-Palast. Dagegen können selbst die Behörden von Québec nichts tun. Die Speisekarte ist französisch, wie es das Gesetz verlangt, die Angestellten sind zweisprachig. Allerdings entdeckten Inspektoren bei einem Besuch ein antikes Schild bei der Tür zum Angestelltenklo. Darauf stand auf Englisch: "Bitte lassen Sie das Eingangstor geschlossen." Die Beamten verlangten das sofortige Entfernen der Antiquität. Eigentümer David MacMillan war schockiert. "Ich bin traurig und deprimiert und frage mich, was mit diesen Leuten nicht stimmt."

Konfrontation mit internationalen Konzernen

Die Sprachpolizei schreckt auch nicht vor der Konfrontation mit internationalen Konzernen zurück. Die US-Supermarktkette Wal-Mart wurde belehrt, sie müsse ihren Namen in Le Magasin Wal-Mart umwandeln. Dies ungeachtet der Tatsache, dass das "Wal" von der Gründerfamilie Walton stammt und "Mart" nicht wirklich ein englisches Wort ist. Die Hühnchen-Kette Kentucky Fried Chicken heißt in Québec Poulet Frit Kentucky. Nach Anschlägen mit Brandbomben verlängerte die Kaffeehauskette Second Cup ihren Namen auf Schildern mit Les cafés Second Cup. Starbucks nennt sich in Québec Café Starbucks Coffee.

Das Sprachgesetz verlangt, dass die Firmennamen in Québec französisch sein müssen. Die Unternehmen werden mit umgerechnet bis zu 15.000 Euro bestraft, wenn sie dagegen verstoßen. Den sechs Konzernen Wal-Mart, Costco, Best Buy, Gap, Old Navy und Guess geht der sprachliche Heimatschutz der Québecer nun doch zu weit. Seit November 2012 ist ihre Klage vor dem Gericht anhängig, mit der sie ihren Markennamen gegen die Drohungen der Behörden verteidigen. Die Konzerne argumentieren, die Regierung von Québec ändere die Interpretation des Sprachgesetzes nach ihrem Gusto, obwohl das Gesetz selbst seit 20 Jahren unverändert sei.

Auslandsinvestoren sehen rot

Nun aber beginnt die Regierung in Québec zu realisieren, dass sie sich mit einem allzu strikten Sprachgesetz selber schadet. Dem Besitzer des italienischen Restaurants Buonanotte in Montreal wurde verboten, Wörter wie Pasta auf der Speisekarte zu führen. Im Fall von Insalata caprese wussten aber selbst die Beamten nicht, wie das auf Französisch zu übersetzen wäre. Diesmal schnitten sich die Sprachhüter ins eigene viande, pardon, Fleisch. Die Medien im In- und Ausland stürzten sich auf die Posse. Sie erregte viel mehr Aufsehen als die Bemühungen der Ministerpräsidentin Québecs, ausländische Investitionen in ihre Provinz zu locken. Darauf wurde die oberste Sprachpolizistin versetzt, bevor sich die Regierung noch lächerlicher machte. (Bernadette Calonego, DER STANDARD, 22.4.2013)

  • Laut Sprachgesetz müssen Firmennamen in der kanadischen Provinz Québec französisch sein. Unternehmen wie Wal-Mart klagen, ...
    foto: ap/amy sancetta

    Laut Sprachgesetz müssen Firmennamen in der kanadischen Provinz Québec französisch sein. Unternehmen wie Wal-Mart klagen, ...

  • ... kleine Betriebe haben es oft schwerer, sich durchzusetzen.
    foto: joe beef

    ... kleine Betriebe haben es oft schwerer, sich durchzusetzen.

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