Glashaus Hoeneß, ein Scherbenhaufen

21. April 2013, 14:21
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Bayern-Präsident nach Selbstanzeige wegen Schweizer Konten völlig desavouiert

München/Wien - Am vergangenen Montag gab Uli Hoeneß noch öffentlich zu bedenken, dass der Fußball groben Schaden nehme, wenn sich die großen Vereine nicht ans Financial Fairplay hielten, wie es sich der europäische Verband (Uefa) unter Präsident Michel Platini auf die Fahnen geheftet hat. Er werde, kündigte der als Präsident des FC Bayern München wirkende Wurstfabrikant vollmundig an, sich genau ansehen, wie Platini "speziell mit seinen Freunden in Paris, in Mailand, in England" verfahre.

Seit Samstag ist öffentlich, dass sich die deutsche Finanz seit Jänner ganz genau ansieht, wie Hoeneß mit seinem Geld verfahren ist. Das Magazin "Focus", dessen Herausgeber Helmut Markwort im Aufsichtsrat der Bayern AG sitzt, enthüllte, dass Hoeneß Selbstanzeige wegen eines Kontos in der Schweiz erstattet hat. Die Staatsanwaltschaft München II ermittelt. Nach Informationen der "Süddeutschen Zeitung" soll Hoeneß über zehn Jahre versteuertes Geld auf einer Züricher Bank deponiert, aber keine Kapitalertragsteuer an den deutschen Fiskus abgeführt haben. "Sie können sich vorstellen, dass mir vieles auf der Zunge liegt, aber ich muss erst mit den Behörden meine Hausaufgaben machen", sagte der 61-Jährige der "SZ".

Hoeneß habe freiwillig sechs Millionen Euro Steuer nachgezahlt, wurde anderweitig kolportiert. Darüber, wie viele Millionen in der Schweiz geparkt sind, wird munter spekuliert. Die Münchner "AZ" schrieb über " mehrere hundert Millionen" Euro. Die bayerische Landesregierung, deren Chef, Ministerpräsident Horst Seehofer, seit geraumer Zeit über ein Verfahren gegen Hoeneß informiert ist, misst dem Fall laut "Bild am Sonntag" jedenfalls eine "schwerwiegende Größenordnung" bei.

Politische Dimension

Hoeneß gab an, dass er die Angelegenheit im Rahmen des Deutsch-Schweizer Steuerabkommens habe regeln wollen. Die Ansinnen der Koalition, nichtversteuerte, in der Schweiz geparkte Gelder durch eine anonyme pauschale Einmalzahlung zu legalisieren, scheiterte aber am Widerstand der SPD und der Grünen im Bundesrat. Bayerns SPD-Vorsitzender Florian Pronold schwankte zwischen Abscheu und Frohlocken, als er Hoeneß' Handeln als "die schlimmste Form asozialen Verhaltens" geißelte.

"Die Glaubwürdigkeit von Hoeneß ist extrem erschüttert", sagte Sylvia Schenk, die Sportbeauftragte von Transparency International in der "FAZ". Er habe fortan jegliche Legitimation für Angriffe wie zuletzt auf den unter Korruptionsverdacht stehenden Weltverbandspräsidenten Joseph Blatter verloren. Hoeneß schmeiße "mit Felsbrocken aus dem Glashaus". In dieselbe Kerbe schlug Christoph Daum, dessen Kokainkonsum Hoeneß einst publik gemacht hatte. "Das hätte ich ihm niemals zugetraut, vor allem nicht, wenn man sieht, wie er in vielen Situationen aufgetreten ist."

Während Hoeneß volle Kooperation mit den Behörden gelobte, sprach man im Verein von einer "Privatsache des Präsidenten" (Sportvorstand Matthias Sammer, Trainer Jupp Heynckes). Aufs Sportliche - die Bayern empfangen am Dienstag den FC Barcelona zum ersten Spiel im Halbfinale der Champions League - werde das keine Auswirkung haben. In Hannover zeigten sich David Alaba und Kollegen am Samstag unbeeindruckt und siegten 6:1. (sid/lü, DER STANDARD, 22.4.2013)

  • Bredouille.
    foto: dpa/gentsch

    Bredouille.

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