Eine Task-Force für mehr Menschlichkeit beim Heer

19. April 2013, 20:01
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Schluss mit brutalen Ausbildungsmethoden, rüdem Kasernenton, rechtsextremen Umtrieben: Gerald Klug schafft in seinem Ressort ein Zentrum für adäquaten Führungsstil beim Militär

Wien – Eine klare Führungskultur statt Sitten wie beim Nahkampf im Dschungel. Eine moderne Armee in der Mitte der Gesellschaft ohne Pardon für Rechtsextremisten: Das will Gerald Klug (SPÖ) für den gesamten militärischen Kader sicherstellen – und erst recht für die Grundwehrdiener, also alle Burschen, die vom Staat sechs Monate lang eine Uniform verpasst bekommen. Zu diesem Zweck hat der neue Verteidigungsminister dem Generalstab nun per Weisung mit der Aktenzahl 238/2013 angeordnet (die dem Standard vorliegt), sich an eine Art Task-Force zu machen, die beim Bundesheer "menschenorientierte Führung" und "wehrpolitische Bildung" gewährleisten soll.

Ziel der Operation: Bis Ende Mai soll ein erstes Konzept stehen, wie beim Militär schneller Fehlentwicklungen entgegengesteuert werden kann. Doch Klug geht es nicht nur um bessere interne Kontrolle, sondern auch darum, die Armee als "moderne Einsatzorganisation zu positionieren" samt "konstruktiv-kritischem Austausch" mit diversen Bereichen der Zivilgesellschaft, nachdem sich das Wahlvolk mit 60 Prozent recht deutlich für den Erhalt der Wehrpflicht ausgesprochen hat.

Damit kommt Klug in einem ersten Schritt auch bereits dem Endergebnis der Wehrdienstreform zuvor, an der er und Innenministerin Johanna Mikl-Leitner (ÖVP) noch bis Ende Juni arbeiten, ehe im Herbst erste Maßnahmen für die Rekruten greifen sollen. Mikl-Leitner hat Klug bereits öffentlich ausgerichtet, dass sie sich in Bälde eine Weisung des Ministers an alle Kommanden erwartet, die für einen respektvollen Umgang mit den Rekruten sorgen soll.

Doch für Klug greift das zu kurz, er erklärt jetzt in Richtung seiner Regierungskollegin: "Wertschätzung und Wir-Gefühl kann man nicht von oben verordnen. Aber man kann, zum Beispiel, durch den neuesten Stand bei den Methoden der Ausbildung dafür sorgen, dass unsere Ausbildner hervorragende Arbeit leisten – und das werden wir sicherstellen."

Analog zum "Zentrum für Innere Führung" der deutschen Bundeswehr schwebt dem Heeresminister vor, dass sich auch hierzulande Rekruten wie Soldaten neben der Beschwerdekommission an die neu zu schaffende Ansprechstelle wenden können – "mit Interessen, Anliegen und Anregungen". Dazu sollen die Sprecher der Grundwehrdiener, die die Rekruten für die Zeit beim Wehrdienst wählen können, aufgewertet werden. Für das neue Gremium mit dem Arbeitstitel "Zentrum für menschenorientierte Führung und wehrpolitische Bildung" will Klug außerdem einen eigenen Beauftragten ernennen, der dem Minister periodisch Berichte zur Lage der Soldaten vorlegt – für den Posten kommt eine honorige Persönlichkeit des Bundesheeres infrage oder ein externer Fachmann.

Befehlston bleibt

Im Zentrum selbst soll das bereits bestehende Know-how und die Manpower des Bundesheeres zum Thema gebündelt werden, von den wissenschaftlichen wehrpolitischen Analysen der Militärakademie bis zur Praxiserfahrung von Supervisoren und Coaches beim Streitkräftekommando.

Die Vorteile: So können auch Führungskräfte über das Zentrum bequem fortgebildet werden, und: Das Ganze erfordere kaum Mehraufwand, also zusätzliche Kosten.

Klar ist freilich schon: Höfliche Bittgesuche stellen die Ausbildnern an die Rekruten auch in Zukunft nicht, denn: "Ein gewisser Befehlston hat beim Militär sicher seine Berechtigung", so Klug. Immerhin gehe es beim allfälligen Ernstfall um Katastrophenbekämpfung und die Abwendung von Gefahren. Aber eines stellt der Minister auch klar: "Sinnloses  Anschreien und Schikanen sind Unsitten, die ein für allemal unterbunden gehören!"(Nina Weißensteiner, DER STANDARD, 20./21.4.2013)

  • Gerald KLug lasst den Generalstab ein Konzept für "menschenorientiertes Führen" ausarbeiten.
    foto: der standard/corn

    Gerald KLug lasst den Generalstab ein Konzept für "menschenorientiertes Führen" ausarbeiten.

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