Mit Schlangenbiss zu Weltrekord

19. April 2013, 18:09
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Bilanz zum Saisonauftakt im Dorotheum: ein neuer Makart-Weltrekord und eine insgesamt stärkere Nachfrage als 2012

Das müssen die Experten des Dorotheums derzeit neidlos anerkennen: Ihr Münchener Kollege hat dieser Tage einige seiner Kunden, die ihm Kunstwerke zur Versteigerung überlassen haben, nicht nur zufrieden, sondern nachgerade glücklich gemacht. Allen voran die bisherigen Besitzer eines Gemäldes von Hans Makart, denen man zwischen 70.000 und 90.000 Euro in Aussicht gestellt hatte. Nur, um die in opernhafter Dramatik und Opulenz nach dem Schlangenbiss sterbende Kleopatra - ihr Antlitz gleicht jenem der legendären Burgschauspielerin Charlotte Wolter - entbrannte ein Bietgefecht, an dessen Ende ein amerikanischer Saalbieter bei 757.300 Euro seine Konkurrenten aus dem Feld schlug.

Freiherr von Titellos

Das Ergebnis übertraf die Mindesterwartungen damit um das Zehnfache und markiert zeitgleich den neuen, in einem Auktionssaal erzielten Künstler-Weltrekord. Den zweithöchsten Zuschlag der Sparte Gemälde des 19. Jahrhunderts erteilte man zum Auftakt der ersten Auktionswoche im Dorotheum für John William Godwards das Katalogcover zierende Gemälde Eighty and eighteen bei 268.700 (100/ 180.000). Dieses war ebenso in Süddeutschland akquiriert worden wie die anderntags offerierte Dorflandschaft von Jan Brueghel II, für die sich ein Saalbieter gegen Interessenten aus Frankreich und Italien bei 317.500 (120/160.000) durchsetzte. Freiherr von Titellos wäre so gesehen ein adäquater neuer Nickname für den Leiter der Münchener Niederlassung.

Zum Saisonauftakt verzeichnete das Dorotheum für bildende Kunst eine stabile Nachfrage: Mit 3,2 Millionen Euro (Verkaufsquote 58%) lag die Sektion 19. Jahrhundert ebenso über dem Vergleichswert von 2012 (2,5 Mio.) wie Gemälde Alter Meister mit 7,77 Millionen (7,64 Mio.).

In letzterer Kategorie setzte sich Jusepe de Riberas Verhöhnung Christi dank eines britischen Käufers mit 711.300 Euro (300/500.000) an die Spitze, gefolgt von Giuseppe Maria Crespis bislang unpubliziertem Bildnis einer jungen Dame als Allegorie der Abundantia (366.300).

Pieter Brueghels II der Sprichwort-Tondo, bei dem der Bauer den Brunnen zuschüttet, nachdem das Kalb "ertrunken" ist, demgemäß also erst etwas unternommen wird, wenn es zu spät ist, gefiel einem Telefonbieter wiederum bis zu 253.300 Euro.

Bei Antiquitäten blieben die Top-Zuschläge deutlich unter der 100. 000-Euro-Marke und notierte man für einen um 1895 ausgeführten Halbkonzertflügel (Rich, Lipp & Sohn) bei 67.400 Euro den höchsten Wert der Sektion. Insgesamt bilanzierte die erste Auktionswoche des Jahres 2013 mit stattlichen 14,47 Millionen Euro (2012: 13,28 Mio.).     (Olga Kronsteiner, Album, DER STANDARD, 20./21.4.2013)

  • Aus deutschem Privatbesitz wanderte Hans Makarts "Tod der Kleopatra" via Dorotheum zum neuen Weltrekord (757.300 Euro) nun Richtung USA ab.
    foto: dorotheum

    Aus deutschem Privatbesitz wanderte Hans Makarts "Tod der Kleopatra" via Dorotheum zum neuen Weltrekord (757.300 Euro) nun Richtung USA ab.

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