"Vielen Unternehmen ist diese Notwendigkeit nicht bewusst"

19. April 2013, 17:43
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Roland Berger Strategy Consultants unterstützt die Europäische Kommission in ihrem Programm "Equality Pays Off"

"Equality Pays Off" heißt das Programm im Rahmen von "Europa 2020", das sich der Chancengleichheit von Frauen am Arbeitsmarkt verschrieben hat und von Roland Berger Strategy Consultants im Auftrag der Europäischen Kommission durchgeführt wird. Unternehmen sollen dabei einerseits mittels Workshops und Konferenzen dabei unterstützt werden, weibliche Arbeitskräfte gezielt zu fördern, und andererseits über eine so entstehende Plattform zum gegenseitigen Austausch weibliche Talente zu finden und auch zu binden.

Letztes Jahr im August ging das auf sieben Jahre angelegte Programm an den Start. Es richtet sich unter anderem "an alle maßgeblichen Akteure in den 27 Mitgliedstaaten sowie den Beitritts- und Kandidatenländern". In mehreren europäischen Städten wurden bereits Workshops abgehalten, am 25. April findet ein weiterer in Wien statt. Vor allem Best-Practice-Beispiele sollen die Gleichberechtigung der Geschlechter am Arbeitsmarkt vorantreiben. Es geht um die Erarbeitung einer Umsetzungsmöglichkeit in den jeweiligen Unternehmen, sagt Michaela Schwarzinger, Human-Resources-Verantwortliche für Zentral- und Osteuropa bei Roland Berger sowie Mitträgerin der Initiative. Denn letztlich gehe es um die Verringerung eines geschlechtsspezifischen Lohngefälles, sagt sie.

Überraschender Aufholbedarf

Wobei sich genau an diesem Punkt das bekannte Dilemma auftut: In jenen Regionen, wo das Lohngefälle zwischen Mann und Frau größer ist, verstärken sich traditionelle Rollenmuster. Sprich: Bei einer Familiengründung bleiben die Mütter länger zu Hause respektive kommen häufig in Teilzeit zurück ins Unternehmen. "Das ist einer der wesentlichen Gründe für diesen Lohnunterschied", sagt Schwarzinger, "vor allem am unteren Ende der Lohnskala."

Aber auch der Anteil von Führungspositionen in der Privatwirtschaft und im öffentlichen Dienst ist im europäischen Vergleich deutlich unterrepräsentiert, so die HR-Verantwortliche weiter. Es ist bekannt, dass Österreich in Sachen Lohnschere am ganz unteren Ende im europäischen Raum rangiert. Die Beteiligung von Frauen am Arbeitsmarkt liegt zwar bei 67 Prozent (EU-27 Durchschnitt 58,5 Prozent), der Anteil der Teilzeitarbeitenden ist aber mit 43,4 Prozent (EU-27 Durchschnitt 31,6 Prozent) beträchtlich. Bekannt ist ebenfalls, dass der Verdienst von Frauen, der im Schnitt um 25,5 Prozent unter jenen ihrer männlichen Kollegen liegt, auch mit einem zu geringen Frauenanteil mit Abschlüssen in der tertiären Bildung zusammenhängt - 14,8 Prozent haben Hochschulabschluss im Vergleich zu 24,8 Prozent des EU-27-Durchschnitts. Und ergänzend: Elf Prozent beträgt der Frauenanteil in Vorstandspositionen (EU-27: 14 Prozent) und 30 Prozent in Führungspositionen mittelständischer Unternehmen (EU-27: 33 Prozent).

Worauf aber möchte diese Initiative aufmerksam machen, was nicht schon bekannt sein dürfte? Schwarzinger dazu: "Viele Unternehmen sind sich dessen noch nicht bewusst, dass ihr Erfolg in Zukunft - nicht zuletzt durch den demografischen Wandel und den Mangel an hochqualifizierten Arbeitskräften - von dem abhängig sein wird, wie attraktiv sie als Arbeitgeber für Frauen sind. Sie wären überrascht." (haa, DER STANDARD, 20./21.4.2013)

  • Unternehmenserfolge werden in Zukunft ohne weibliche Top-Talente nicht möglich sein, so Michaela Schwarzinger, HR-Verantwortliche bei Roland Berger.
    foto: alex dobias, alex@dobias.at

    Unternehmenserfolge werden in Zukunft ohne weibliche Top-Talente nicht möglich sein, so Michaela Schwarzinger, HR-Verantwortliche bei Roland Berger.

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