Wegweisend nur für Pflanzenkundler

19. April 2013, 16:57
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Die Flora auf dem Hiesberg ist besser beschrieben als der Weg. Lohnend ist die Tour bei Melk aber dennoch

Vom steilen Hang des Hiesbergs im unteren Melktal leuchtet seit vergangenem Herbst der frischgekalkte Weiße Stein weit ins Land, der vor rund 1200 Jahren die Grenze des westslawischen Reiches Samo markierte. Entlang des steilen Weges zu diesem auffallenden Felsen stehen dutzende Informationstafeln, auf denen zu lesen ist: "Wer bin ich?". Darunter befinden sich dann ausführliche Angaben über die Gewächse der Region, deren wichtigste Merkmale und deren wirtschaftliche oder ökologische Bedeutung. Beim Weißen Stein befindet sich neben einem Marterl und einer Rastbank alles Wissenswerte über den Felsen und die Sagen, die sich um ihn bildeten.

Allerdings, bei den Aktionen, die zur Aufwertung des Hiesbergs als Wanderregion führen sollten, hat man an der falschen Stelle gespart: Nämlich bei der Farbe für die Markierungen, die dringend eine Auffrischung nötig hätten. Die alten Markierungen sind stellenweise total verblasst oder überhaupt verschwunden, sodass an manchen Kreuzungen, wo Wegweiser fehlen, die Orientierung sehr erschwert wird. Zum anfänglichen und durchaus willkommenen "Wer bin ich?" gesellt sich später ein weniger angenehmes "Wo bin ich?".

Die Hänge des Höhenzuges sind steil, vor einem "wilden" Abstieg zur Melk ist daher zu warnen, zumal einige Forststraßen im Nichts enden. Die vielen Gräben machen das Gelände unübersichtlich.

Dabei hat der Hiesberg landschaftlich einiges zu bieten. Die geologische Verwandtschaft mit dem Waldviertel und dem Dunkelsteinerwald ist unverkennbar, daher findet man auch interessante Felsformationen, die Aussicht vom Weißen Stein bis ins Donau- und Melktal ist außergewöhnlich.

Im Blickfeld liegen auch einige Erhebungen des südlichen Waldviertels. Der Westhang des Hiesbergs wurde früher als Böhmische Grenze bezeichnet, was auf tatsächliche Grenzen im Mittelalter zurückgeht. Das beweist auch der Name Melk, der sich aus dem slawischen "medelice" herleitet, was Grenze oder Grenzfluss bedeutet. Die Tour hat ihre Meriten, nur bei der Orientierung heißt es eben ein bisserl aufpassen.

Die Wanderroute: In Matzleinsdorf quert man ans rechte Ufer der Melk und erreicht – vorbei am Feuerwehrhaus – den Waldrand und den Beginn des zum Teil steilen Weges, der in mehreren Kehren zum Weißen Stein führt. Gehzeit eine Dreiviertelstunde. In Serpentinen geht es weiter den Hang hinauf, man erreicht eine Forststraße, auf der man sich rechts hält. Eine blaue und später eine gelbe Markierung weisen den Weg zum Rogelstein, zu dem man nach einer weiteren Stunde gelangt.

Nun wandert man ein kurzes Stück zurück und weiter nach rechts auf die gelbe Markierung, die zum Großen Stein führt, rot markiert ist die weitere Route zur Ruine Zelking und zur Ortschaft Zelking. Gehzeit ab Rogelstein eine Stunde.

Direkt am nördlichen Ufer des Melkflusses kehrt man zum Ausgangspunkt Matzleinsdorf zurück. Gehzeit ab Zelking eine Stunde.

 

  • Die Wanderroute führt vorbei an der Ruine Zelking.

    Die Wanderroute führt vorbei an der Ruine Zelking.

  • Gesamtgehzeit 3 ¾ Stunden, Höhenunterschied rund 300 m. Gasthaus in Zelking (Montag und Dienstag Ruhetage). ÖK25V Blatt 4328-Ost (Scheibbs), Maßstab 1:25.000;  Freytag & Berndt WK071 (Wachau, Dunkelsteinerwald, Yspertal,  Jauerling),  Maßstab 1:50.000.
    grafik: der standard

    Gesamtgehzeit 3 ¾ Stunden, Höhenunterschied rund 300 m. Gasthaus in Zelking (Montag und Dienstag Ruhetage). ÖK25V Blatt 4328-Ost (Scheibbs), Maßstab 1:25.000;  Freytag & Berndt WK071 (Wachau, Dunkelsteinerwald, Yspertal,  Jauerling),  Maßstab 1:50.000.

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