Tirol: Über 200 Millionen Jahre altes Reptilien-Fossil entdeckt

19. April 2013, 13:12
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Bislang nur wenige Exemplare von Langobardisaurus pandolfii bekannt - Seefelder Skelett fast vollständig erhalten

Seefeld - Einen Fossilienfund aus der späten Trias meldet die Universität Innsbruck: Oberhalb von Seefeld nördlich von Innsbruck wurde im Schiefergestein ein fast komplettes Skelett eines ausgestorbenen Reptils mit dem Namen Langobardisaurus pandolfii entdeckt. Bislang wurden laut Uni Innsbruck weltweit nur vier Exemplare dieser Art gefunden - umso größer die Freude der Paläontologen darüber, dass das Seefelder Skelett fast vollständig erhalten ist.

Das Tier gehört zur Ordnung der Protorosauria, die mit den Dinosauriern nur sehr entfernt verwandt waren. Es handelte sich um kleinwüchsige Tiere mit langem Hals und langem Schwanz, die sich auf ihre Hinterbeine aufrichten konnten und möglicherweise Pflanzen abweideten. Frühere Langobardisaurus-Fossilien waren etwa einen halben Meter lang. Mit nur 25 Zentimetern Länge könnte es sich beim Seefelder Exemplar daher um ein Jungtier handeln.

Im Schlamm konserviert

Der Ölschiefer von Seefeld ist ein dunkles, nach Bitumen riechendes Gestein, das vor etwa 210 Millionen Jahren entstand, als das Gebiet der heutigen Alpen Teil eines ausgedehnten tropischen Flachmeeres ähnlich den heutigen Bahamas war. In diesem Meer gab es laut Experten lokal tiefe Bereiche, in denen es aufgrund schlechter Zirkulation und häufiger Algenblüten zu einer Situation wie im heutigen Schwarzen Meer kam: Ab einer gewissen Wassertiefe war aller Sauerstoff aufgebraucht und am Meeresboden lagerte sich Faulschlamm ab.

"Dieses extrem lebensfeindliche Milieu bildete paradoxerweise die Voraussetzung dafür, dass überproportional viele Spuren des damaligen üppigen Lebens erhalten geblieben sind. Denn aufgrund des fehlenden Sauerstoffs verwesten die im Schlamm eingebetteten Organismen nicht und wurden fossilisiert", wurde Univ.-Prof. Christoph Spötl vom Institut für Geologie und Paläontologie der Universität Innsbruck in der Aussendung zitiert. So entstand über geologische Zeiträume der Ölschiefer von Seefeld, dessen Bitumen seit dem 14. Jahrhundert auch abgebaut wurde, um daraus das Arzneimittel Ichthyol zu gewinnen. Verfallene Stolleneingänge, Halden und Ruinen zeugen noch heute von diesem Bergbau, der 1964 eingestellt wurde.

Altbekannte Fossilienfundstätte

Während des Bergbaues stießen die Knappen immer wieder auf Versteinerungen, insbesondere auf Fische. Weiters fanden sich Pflanzenfossilien, meist Blätter von Tropenpflanzen. Mehr als 70 verschiedene Pflanzenarten wurden identifiziert, 90 Prozent davon Nadelhölzer. "Diese Funde belegen, dass sich unweit dieses Meeresbeckens Inseln befunden haben müssen, von denen die Pflanzenreste durch Stürme oder Tsunamis auf das Meer hinaustransportiert wurden", erläuterte Spötl.

Seitdem der Bergbau eingestellt wurde, nahmen die Funde von Seefelder Fossilien deutlich ab. Vereinzelt machten seither Sammler interessante Entdeckungen. So wurden in den 1970er und dann nochmals in den 1990er-Jahren Überreste von zwei Pterosauriern gefunden; einer davon hatte eine Flügelspannweite von 1,2 Meter und einen markanten Kamm auf seinem Kopf. (APA/red, derStandard.at, 19. 4. 2013)

  • Rekonstruktion von Langobardisaurus pandolfii - darunter die Schieferplatte mit dem Skelett des Seefelder Exemplars.
    foto: silvio renesto

    Rekonstruktion von Langobardisaurus pandolfii - darunter die Schieferplatte mit dem Skelett des Seefelder Exemplars.

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    foto: silvio renesto
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