Der Dorn im Fleische des Emirs

Kopf des Tages18. April 2013, 18:00
9 Postings

Von einer Revolte kann man nicht reden, aber auch in Kuwait weht seit zwei Jahren zumindest ein Lüftchen des Arabischen Frühlings. Die Opposition gegen das Herrscherhaus und seine Politik ist offensiver geworden - und deren lauteste Stimme ist Musallam al-Barrak: "Der Herrscher, der sein Volk bekämpft, wird wie Gaddafi enden", stellte er nach dem Tod des libyschen Machthabers in den Raum.

Der Emir von Kuwait, Sheikh Sabah, wusste, wer gemeint war. Als Barrak im Oktober 2012 beim Parlamentsgebäude - vor und in dem immer wieder gerangelt wird - in Kuwait-Stadt eine Rede hielt, überspannte er den Bogen: "Wir werden Ihnen, Eure Hoheit, nicht erlauben, Kuwait in den Abgrund der Autokratie zu führen." Zwei Wochen später wurde Barrak wegen " Unterminierung des Ansehens des Emirs" verhaftet, später auf Kaution freigelassen. Für dieses Delikt wurde er vergangenen Montag zu fünf Jahren Haft verurteilt. Seitdem werden die Demonstrationen heftiger, und die Repression gewalttätiger.

Musallam al-Barrak (57) ist ein Berufspolitiker: 1996, mit dreißig Jahren, wurde er zum ersten Mal ins kuwaitische Parlament gewählt, und seitdem immer wieder. Seine Abgeordnetenkarriere wurde im April 2012 beendet, als seine Immunität aufgehoben wurde: Er war unter jenen Oppositionsabgeordneten, die inmitten eines großen Korruptionsskandals im November 2011 das Parlament gestürmt hatten. Sein Kampf gegen das Establishment und sein Ärger mit der Justiz hatten jedoch schon in den Jahren zuvor begonnen.

Parteien gibt es ja keine in Kuwait, aber politisch zu Hause ist Barrak im "Popular Action Bloc". Wichtiger jedoch ist seine Zugehörigkeit zum gewichtigen Mutairi-Stamm, die ihm eine natürliche Hausmacht verleiht. Der Stamm hat schon etliche Politiker hervorgebracht, unter anderem den Führer der kuwaitischen Salafisten.

Musallam al-Barraks Rhetorik lehnt sich stark an die des Arabischen Frühlings an: Die Demonstrationen werden "Würde-Märsche" genannt, der Versammlungsort vor dem Parlament läuft unter "Irada-Square", Platz des Volkswillens. Barraks Worte "Wir werden nicht erlauben" sind längst zum Protestslogan geworden. Und während Elitetruppen am Mittwoch Barraks Haus stürmten, hackten Aktivisten die Webseite des Informationsministeriums und stellten dort den Text der Rede online, für die Barrak verurteilt wurde. (Gudrun Harrer, DER STANDARD, 19.4.2013)

  • Kuwaits lautester Oppositioneller, Musallam al-Barrak.
    foto: reuters/mcgehee

    Kuwaits lautester Oppositioneller, Musallam al-Barrak.

Share if you care.