Im Männerverein

18. April 2013, 17:38
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Es läuft so manches schief in der Programmierkunst des ORF

Spätestens seit dieser Woche gilt als bewiesen: Fußball sticht nicht immer. Das Viertelfinal-Match des ÖFB-Cup Wacker Innsbruck gegen Red Bull Salzburg ging gegen die putzigen Zoogeschichten im Schönbrunn-Universum gnadenlos unter. Nebenbei darf die Frage gestellt werden: Gibt es für derlei Nebenschauplätze nicht einen eigenen Sportsender?

Es läuft so manches schief in der Programmierkunst des ORF. Die durchwegs erhellenden Lebensgeschichten der Selbsterfahrungsreporterin Mari Lang werden so gut wie sicher keine Fortsetzung finden. Unter 100.000 Zuschauer und sechs Prozent Marktanteil liegen unter der Wahrnehmungsgrenze.

Schade. Denn das Gebotene wird zu Unrecht nicht bemerkt. Mittwoch begab sich Lang nach Langenlebarn zum Militärflughafen, um mit der Hubschrauberpilotin Eva Berginc in den Berufsalltag des Bundesheeres einzutauchen: "Hubschrauberfliegen ist wie Autofahren", sagte die Pilotin lässig, deren offensiver Umgang mit Medien so manchen Kollegen übel aufstößt. Einer fühlte sich vernachlässigt und ungerecht behandelt, angesichts niedrigerer sportliche Limits bei der Aufnahme. Besser ist ein Männerverein, dem der Blick auf den Ernstfall ein wenig abhandenzukommen droht, gar nicht zu dokumentieren.

Lang kommentiert sachlich, knapp und vermeidet alles, was Dokusoaps unerträglich macht, die Stimme aus dem Off, die in dauerfröhlicher Tonlage herbeiredet, was nicht zu sehen ist.

Der Misserfolg ist hausgemacht. Als die "Donnerstagnacht" noch nicht Comedyabstellplatz war, sondern ein Experimentierfeld, hätte Lang ihr Publikum gefunden. Verschenkt. (Doris Priesching, DER STANDARD, 19.4.2013)

  • Mari Lang.
    foto: orf/ramstorfer

    Mari Lang.

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