Der eine deutet an, die andere gibt zu

19. April 2013, 10:03
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Ex-ÖSV-Läufer Klaus Heidegger über den einfachen Zugang zu Dopingmitteln Siebziger - Nicola Werdenigg, Abfahrts-Olympia-Vierte von Innsbruck 1976, gibt den Gebrauch zu

Klaus Heidegger, der war schon einer, ein guter Skifahrer nämlich. Zweiter wurde der Tiroler im Gesamtweltcup der Saison 1976/77, vor ihm nur der unbezwingbare Schwede, der erfolgreichste Skifahrer aller Zeiten, Ingemar Stenmark.

Nun hat Heidegger seine Biographie "My american dream" veröffentlicht. Das Buch beschreibt den Weg vom "Bergbauernbub zum US-Multimillionär". Aus der Apotheke seines Schwiegervaters schuf Heidegger mit seiner Frau den Kosmetik-Weltkonzern "Kiehl's", der im Jahr 2000 für einen dreistelligen Millionenbetrag an L'Oréal verkaufte wurde.

"Der Zugang zu Dopingmitteln war kein Problem"

Heidegger spricht über seine erfolgreiche Karriere als Businessman, über seine Erfahrungen als Opfer sexuellen Missbrauchs in Tirol und "er beschreibt offen, wie Doping im Skizirkus auf der Tagesordnung stand." So steht es zumindest in der Presseaussendung seines Verlags geschrieben. Trifft man Heidegger, betont er zunächst, dass er selbst nie zu unerlaubten Mitteln gegriffen hätte. "Mir war das Material immer wichtiger. Außerdem habe ich als Techniker vor allem von meiner Schnelligkeit gelebt, ich war für einen Slalomfahrer ohnehin sehr muskulös."

Namen von Kollegen will Heidegger keine nennen, dazu würden auch die Beweise fehlen. Der ehemalige Gewichtheber Vinzenz Hörtnagl sei aber eine einschlägige Anlaufstelle gewesen. Hörtnagl will davon nichts wissen, "erstunken und erlogen", sagt er am Freitag gegenüber derStandard.at. Heidegger hätte er erst vor einigen Jahren bei einer Tour mit dem Mountainbike kennengelernt. Heidegger selbst will sich aber gar nicht in zu vielen Details verlieren: "Der Zugang zu Dopingmitteln war kein Problem. Wer behauptet, dass es diese Möglichkeit nicht gegeben hat, lügt".

Amphetamine, keine Kontrollen

Weniger kryptisches zum Thema Doping erzählt die ehemalige ÖSV-Läuferin Nicola Werdenigg, ehemals Spieß. Die Tirolerin war Dritte im Abfahrtsweltcup 1975/76, Vierte bei der Olympia-Abfahrt von Innsbruck. In einem Trainingslager wurde ihr als Teenager von einem Arzt das zur Wirkstoffklasse der Amphetamine gehörende Arzneimittel Captagon angeboten. Spieß griff zu, damit konnte sie zwar die Trainingsleistung steigern, ohne Beruhigungsmittel war an Nachtruhe allerdings nicht zu denken. Schnell hätte sich Suchtverhalten bemerkbar gemacht. Mit hochdosierten Antibaby-Pillen sei zudem bewusst in den Hormonhaushalt eingegriffen worden, dies hätte allerdings keinen Verstoß gegen Anti-Doping-Regeln dargestellt.

Von einem systematischen Doping unter heimischen Profis will Werdenigg nicht sprechen, der Griff zu diversen Hustensäften und Medikamenten sei aber jederzeit möglich gewesen. Wer auch immer in den Siebziger Jahren etwas nachgeholfen hat, zu befürchten hatte er oder sie wenig: Doping-Kontrollen gab es nicht oder nur ganz selten. Werdenigg berichtet von einem einzigen Test anlässlich der olympischen Spiele in Innsbruck, Heidegger kann sich an keinen einzigen erinnern: "Ich hätte alles nehmen können." (Philip Bauer; derStandard.at; 19.4.2013)

Klaus Heidegger (55) fuhr zwischen 1975 und 1986 im Weltcup. Er gewann in seiner Karriere drei Slaloms und zwei Riesentorläufe. Heidegger lebt mit Frau und drei Kindern in einem Vorort von Los Angeles. Statistik auf ski-db.com.

Nicola Werdenigg (54) fuhr zwischen 1973 und 1979 im Weltcup. Sie erreichte vier Podestplätze in der Abfahrt. Werdenigg beschäftigt sich intensiv mit Carvingtechnik und schreibt mitunter für derStandard.at. Statistik auf ski-db.com.

  • Doping? "Wer behauptet, dass es diese Möglichkeit nicht gegeben hat, lügt", sagt Klaus Heidegger.

    Doping? "Wer behauptet, dass es diese Möglichkeit nicht gegeben hat, lügt", sagt Klaus Heidegger.

  • Berichtet über den Gebrauch von Amphetaminen: Nicola Werdenigg.

    Berichtet über den Gebrauch von Amphetaminen: Nicola Werdenigg.

  • Gesamtweltcup 1976/1977.
    foto: wikipedia

    Gesamtweltcup 1976/1977.

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