Herr Scheuch, ich bewundere Ihre stramme Lederhose

Glosse18. April 2013, 14:30
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Während der letzten zwei Wochen blattert unser Sohn feucht vor sich hin. Und darf nicht in den Kindergarten. Bis die roten Wimmerln verheilen habe ich keine Zeit zum Schreiben. Aber ich habe genug Zeit um in Texten zu stöbern, gerettet aus den Trümmern meiner vorletzten Festplatte

Diesen Text schreibe ich beispielsweise als Uwe Scheuch vor geraumer Zeit öffentlich meint, der Verdacht der Homosexualität besudele das Ansehen des frisch verstorbenen Jörg Haider.

Herr Scheuch, ich bewundere Ihre stramme Lederhose

Aber, was ist drinn´? Ihr Hirn?

Lieber Herr Scheuch Uwe,

ich vernehme mit Amüsement, wie Ihnen der Schaum aus dem treudeutschen Munde quillt, nur weil eine Zeitung aus dem Altreich einen angeblichen Liebhaber ihres Führers, Jörg Haider, zu Wort kommen lässt. Dass diese Meldung aus Berlin auch den südlichsten Zipfel der Ostmark erreichen wird, war ja zu erwarten. Erwartbar auch Ihre Entrüstung darob. Schließlich kommt nun zur Unbill, das der Führer b´soffen wie ein Bierkutscher, allerdings mit für einen Bierkutscher unerreichbarer Geschwindigkeit von ca. 140 km/h, einen doppelten Rittberger in die Kiste hinlegt – und nun auch noch das!

Was mich an Ihrer Schäumung besonders amüsiert, ist Ihre Grundthese, Homosexualität sei etwas schändliches, mit deren Behauptung man Jemanden, zumal den Führer, besudeln könne. Ich weiß das Sie, Herr Scheuch, in einem abgeschiedenen Teil der Ostmark leben, der von tiefen Tälern und schroffen Bergen durchwachsen ist. Aber wir, die Bewohner des 21sten Jahrhunderts, wissen, dass Homosexualität nichts Anrüchiges ist. Weil Liebe zwischen zwei Menschen, selbst wenn der Eine ein Führer ist und der Andere ein volljähriger Knabe, niemanden besudelt. So! Jetzt wissen auch Sie das. Eine weitere Quelle meines Amüsements, ist das Bild, das Sie bieten. Ihre Schäumung nämlich, hat etwas vom Gezeter einer nicht anerkannten Nebenwitwe des Führers.

Also, Herr Scheuch, nur damit Sie vor lauter gezetertem Schaum die Realität nicht übersehen, hier noch einmal: Homosexualität besudelt nicht.

Meint Ihr Bogumil Balkansky

 

Das Interview mit der Gaskammer (GK)

Bogumil Balkanskys (BB) - undurchführbare Interviews

Bundesrat Gudenus Sen. hat sich als Befürworter wissenschaftlich fundierter Erkenntnisse geoutet. Und erntete harsche Kritik. Dabei wird schon seit der Aufklärung gefordert, nur wissenschaftlich fundiertes gelten zu lassen und noch nie ist das jemandem zum Vorwurf gemacht worden. Außer von gewissen Glaubensgemeinschaften. Daher ist die Weigerung, an dogmatisch vorgeschriebenes schlicht zu glauben – nur konsequent.

BB: Sie sind die Gaskammer von Bundesrat John Gudenus?

GK: Sprechen Sie lauter, ich höre so schlecht!

BB: Sie sind die Gaskammer von Bundesrat John Gudenus?!

GK: Sie, passen Sie auf! Das muss mir erst wissenschaftlich nachgewiesen werden!

BB: Aber jeder weiß doch das es sie gab!

GK: Ach ja?

BB: Ja!

GK: Was ist schon das, was jeder weiß? Vor 1000 Jahren wusste jeder, dass die Erde eine flache Scheibe ist! Vor 500 Jahren wusste jeder, dass die Erde im Mittelpunkt des Universums ist! Alles wissenschaftlich widerlegt! Und heute glaubt jeder zu wissen, dass es mich gab!

BB: Aber in Auschwitz...

GK: Waren Sie schon Mal in Auschwitz?

BB: Ja.

GK: Und? Haben Sie mich gesehen?

BB: Nein, Sie wurden 1945 gesprengt!

GK: Ja, das sagen Sie!

BB: Ich habe Ihre Trümmer gesehen!

GK: So, so. Sie haben irgendwelche Trümmer gesehen. Und? Stand auf den Trümmern geschrieben: Dies sind die Trümmer der Gaskammer?

BB: Aber es gibt Zeitzeugen die...

GK: Blödsinn! Aus einer Gaskammer entkommt man nicht! Wie kann es da Zeugen geben!

BB: Selbst Heinrich Himmler hat sie beschrieben, und der muss es wohl gewusst haben!

GK: Pah! Kommen Sie mir bloß nicht mit dem! Ein unkameradschaftliches Verräterschwein! Und ein Weichei! Er ist unter der Folter der Siegerpropaganda zusammengebrochen!

BB: Er hat sich mit einer Zyankalikapsel selbst vergiftet.

GK: Sag ich doch! Ermordet! Armes Schwein!

BB: Na gut! Mit wem führe ich dann dieses Interview?

GK: Mit einer Badeanstalt. Und später war ich dann ein Luftschutzbunker für die Wachmannschaft. Deswegen hatte ich so dicke Wände.

BB: Nun sind aber große Lieferungen von Zyklon B nach Auschwitz belegt. Zyklon B erzeugt ein tödliches Gas. Was hat es damit auf sich?

GK: Das kann ich Ihnen sagen: Wenn der Feind grad´ mal keine verbrecherischen Terror-Luftangriffe geflogen hat, wurde ich für die Kleiderentlausung mit Zyklon B genutzt. Wegen der dicken Wände, verstehen Sie? Damit kein Gas entweicht und sich jemand womöglich einen Husten holt.

BB: Also waren Sie doch eine Gaskammer?

GK: Aber nur für Ungeziefer!

BB: Ich danke Ihnen für dieses Gespräch.

 

Braun ist nur die Haselnuss

Eine gotschaeske Betrachtung von Bogumil Balkansky

Heute betrachte ich, was ein Neonazi-Lausbub so den ganzen Sommertag macht. Soweit wir wissen, migriert der Neonazi-Lausbub in Scharen zum erstbesten teutschen Wald, sobald die Zeit der Sommerfrische naht. Das ist nach der Sonnwendfeier, wenn die Brandwunden vom b´soffen-übers-Feuer-Springen schon fast verheilt sind. Hier im teutschen Walde – den nur teutsch darf er sein – nahe dem erstbesten Kriegerdenkmal aus zwei verlorenen Kriegen, versammeln sich die Neonazi-Lausbuben in Zug- bis Kompaniestärke und tragen alle den Waffenrock. Oder zumindest was sie im Army Shop ergattern konnten. Und dann treiben sie Wehrsport.

Wir wissen alle diese Dinge über das Freizeitverhalten der Neonazi-Lausbuben, weil man schon 1980 die notorische Wehrsportgruppe Hoffmann, des bekannten Neonazi Karl-Heinz Hoffmann verboten hat. Damals konnte man ganz genau rekonstruieren, was im teutschen Walde vor sich ging, wenn die Sommerfrische nahte. Und zwar das: Neonazi-Lausbuben in Fantasieuniformen aus dem Army Shop üben das Abmetzeln von Feinden, wenn die Stunde einst reif ist. Die Feinde sind dieselben wie bei den Paleonazi-Pensionisten.

Vorher und nachher hatten wir ähnliche Plagen im Wald: z.B. die Wehrsportgruppe Trenck des Neonazi Gottfried Küssel und die Wehrsportgruppe Werwolf des Neonazi Michael Kühnen. Und nicht zu vergessen: Hans Jörg Schimanek Jun., Sohn eines FPÖ Politikers, der fotographisch belegt, seinen Kameraden im Walde zeigte, wie man dem Feind die Kehle aufschlitzt. Und diese Fotos und Filmchen sind die zweite Quelle unseres Wissens: Diese Idioten filmen und fotografieren ihr Treiben! Und wie alle Idioten die gleichzeitig Neonazi-Lausbuben sind, sehen sie diese Fotos und Videos später in Zeitungen, im Fernsehen und – wie Schimanek Junior – vor Gericht. So konnte es wohl auch geschehen, dass Fotos öffentlich wurden, die den Nichtidioten und Nichtneonazi H.C. Strache in einem teutschen Walde zeigen.

Doch wer behauptet, Strache habe an einer Wehrsportübung teilgenommen, riskiert eine Klage. Denn im Unterschied zu den oben geenannten kann Strache mit Fotos belegen, dass es nur ein Spiel im Walde war, an dem er dazumal im Lausbubenalter, teilgenommen hatte. Nahe eines Kriegerdenkmals, in Fantasieuniform aus dem Army Shop, mit Kameraden in Zugstärke. Und da, im teutschen Walde, wollte Strache nur spielen.

Meint BB (Bogumil Balkansky, 18.4.2013, daStandard.at)

  • Uwe Scheuch vor Beginn einer Sitzung des Hypo-U-Ausschusses des Kärntner Landtages am 05. Oktober 2011, im Landhaus Klagenfurt, in einer Lederhose.
    foto: apa/gert eggenberger

    Uwe Scheuch vor Beginn einer Sitzung des Hypo-U-Ausschusses des Kärntner Landtages am 05. Oktober 2011, im Landhaus Klagenfurt, in einer Lederhose.

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