Alkoholismus kostet Krankenkassen 375 Millionen Euro im Jahr

18. April 2013, 14:13
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Alkoholkrankheit war in Österreich im Jahr 2011 für 1,4 Prozent aller Kosten im Gesundheitswesen verantwortlich

Alkohol gehört zur österreichischen Genusskultur wie das Salz in die Suppe. Die ausgeprägte Neigung, auch einmal ein Glas zu viel zu konsumieren, führt langfristig jedoch zu großen finanziellen Belastungen im Gesundheitssystem. Das ergab eine Studie des Instituts für Höhere Studien in Wien (IHS), die am Donnerstag präsentiert wurde. Demnach kosteten Alkoholismus und dessen gesundheitlichen Folgen die österreichischen Krankenkassen im Jahr 2011 insgesamt 375 Millionen Euro. Die Einnahmen durch die Alkoholsteuer betrugen in dem Jahr mehr als 300 Millionen Euro.

Insgesamt gehen 1,4 Prozent aller Kosten im Gesundheitswesen auf das Konto der Alkoholkrankheit. "Und dennoch wird die Krankheit in Österreich bagatellisiert und tabuisiert", meint Studienautor Thomas Czypionka. Neben den direkten medizinischen Kosten, die durch die Suchtkrankheit entstehen, mussten im Jahr 2011 zusätzlich Krankengelder in Höhe von 6,52 Millionen Euro von den Kassen ausgezahlt werden. Insgesamt waren das 1,2 Prozent aller Krankengeldzahlungen.

grafik: ihs - institut für höhere studien

Was den Alkoholkonsum betrifft, liegt Österreich auch im internationalen Vergleich auf den vorderen Rängen. Laut einer Studie der OECD (Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung) lag Österreich beim Pro-Kopf-Alkoholkonsum im Jahr 2009 an dritter Stelle - hinter Frankreich und Portugal. "Das Problem in Österreich ist, dass der Alkoholkonsum nur aus der positiven Perspektive betrachtet wird", so Czypionka. "Die negativen Effekte werden einfach ausgeblendet."

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foto: grafik: ihs - institut für höhere studien

"Auch die gesetzlichen Rahmenbedingungen, was Alkoholkonsum betrifft, sind in Österreich sehr locker", betont Czypionka. Wie den Daten der Statistik Austria zu entnehmen ist, können rund sieben Prozent aller Unfälle bzw. aller Verletzten im österreichischen Straßenverkehr auf Alkohol zurück geführt werden. Zehn Prozent aller Verkehrstoten in Österreich kamen aufgrund von Alkoholunfällen ums Leben.

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grafik: ihs - institut für höhere studien

Laut Studien werden rund zehn Prozent aller Österreicher im Laufe ihres Lebens alkoholkrank. Fünf Prozent, also 350.000 Personen, können als chronisch alkoholkrank klassifiziert werden. "Alkoholkrankheit entsteht oft auf Basis anderer psychischer Krankheiten", erklärt Czypionka. "So versucht der Betroffene zum Beispiel Angstzustände durch Alkoholkonsum zu bekämpfen." Der Alkoholkonsum chronisch kranker Personen liegt durchschnittlich bei 201 Gramm pro Tag. Am häufigsten tritt die Krankheit im Alter zwischen 50 und 55 Jahren auf. Als problematisch gilt bei Frauen ein täglicher Alkoholkonsum ab 40 Gramm (etwa ein Liter Bier oder gut drei Achtel Wein). Bei Männern liegt die Grenze bei 60 Gramm Alkohol pro Tag (eineinhalb Liter Bier oder knapp fünf Achtel Wein). 

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grafik: ihs - institut für höhere studien

Doch der Staat profitiert durch Steuereinnahmen auch vom hohen Alkoholkonsum der Österreicher: Im Jahr 2011 nahm der Staat durch die Alkoholsteuern mehr als 300 Millionen Euro ein. Da der Löwenanteil an Ausgaben im Gesundheitswesen anfällt, wären die Steuerverluste durch einen verringerten Alkoholkonsum in Österreich jedoch verkraftbar, vermutet Czypionka. "Wir wollen mit der Studie ja nicht bewirken, dass gar kein Alkohol mehr konsumiert wird, sondern in einem vernünftigen Maß." Wichtig sei es, in Österreich langfristige Aufklärung zu betreiben, damit ein Bewusstsein für die negativen Folgen eines hohen Alkoholkonsums gebildet werden kann.

Einer älteren Studie des IHS zufolge erleidet Österreich durch das Rauchen einen jährlichen Produktivitätsausfall von 1,85 Milliarden Euro. Selbst wenn "positive" Effekte, wie nichtauszuzahlende Pensionen oder Tabaksteuer berücksichtigt würden, reiße der Tabak jedes Jahr ein 659 Millionen Euro großes Loch in den Staatssäckel, so das IHS. (Elisabeth Schmidbauer, 18.4.2013, derStandard.at)

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