Smartwatches: Der nächste große Hype nach dem iPhone?

18. April 2013, 10:27
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Die Handgelenks-Gadgets haben Fahrt aufgenommen, müssen aber noch wichtige Hürden meistern

Nach den Hosentaschen macht sich die Elektronikindustrie nun daran, auch die Handgelenke der Konsumenten zu erobern. Apple tut es anscheinend, Microsoft auch, Samsung hat es bereits bestätigt und abseits der Branchenriesen buhlen bereits erschienene Produkte wie die Pebble und Zukunftshoffnungen wie die Neptune Pine um das Interesse der Käufer: Die Smartwatches kommen.

Form und Funktion

Glaubt man den Tech-Journalisten Jenna Wortham und Brian Chen, so wird es sich bei den intelligenten Uhren nicht um eine kurzfristige Trenderscheinung handeln, sondern um Produkte, die langfristig für Veränderung sorgen werden. "Es gibt keinen Zweifel daran, dass Wearables für den Massenmarkt das 'next big thing' sind", meint Wortham gegenüber der New York Times.

Laut den zwei Experten wird sich die typische Smartwatch äußerlich nicht merklich von einer größeren, digitalen Armbanduhr unterscheiden. Die Ästhetik muss dabei nicht zwingend oberste Priorität haben, konnten sich Pager doch immerhin auch eine Weile etablieren, ohne wirklich schön gewesen zu sein, schätzt Wortham.

Chen hingegen geht davon aus, dass die tragbaren Gadgets generell eher minimalistisch und futuristisch gestaltet werden. Eine breite Auswahl an Farben und Konfigurationsmöglichkeiten für die Standard-Zeitanzeige sollen individuelle Anpassbarkeit ermöglichen. Stehen oder fallen werden die einzelnen Produkte aber mit ihrer Funktionalität: Was können Sie, was Smartphones, Tablets, Fitness-Elektronik und Co. nicht bieten?

Sozial unangepasst

Der zweite wichtige Punkt werden die Interaktionsweise und -möglichkeiten sein. In Testläufen mit der Pebble hat sich bereits gezeigt, dass hier noch Nachbesserungsbedarf besteht. Statt zum Lesen neuer Mails und Textnachrichten das Handy aus der Tasche zu holen, reicht ein Blick auf die Armbanduhr, auf derem kleinen Display das Geschriebene aber naturgemäß nicht einfach zu entziffern ist.

Dazu birgt dies auch das Potenzial, das soziale Umfeld zu irritieren. Denn ein angestrengter Blick auf die eigene Uhr wird üblicherweise als Signal für Zeitruck interpretiert. Sich ständig der Uhr zuzuwenden dürfte von Kommunikationspartnern, ähnlich wie es auch beim Starren auf das Handydisplay ist, zudem als unhöflich angesehen werden. "Es wird sehr wichtig für die Hersteller werden, eine Smartwatch zu bauen, mit der man nicht in unangenehme Alltagssituationen schlittert.

Vielleicht erledigt sich dieses Problem aber auch von selbst. Haben erst einmal viele eine Smartwatch, könnte sich auch die Wahrnehmung des Blicks auf die Uhr ändern. In jedem Fall müssen Käufer und Hersteller in einer "Anpassungsphase" herausfinden, welche Rolle das neue Gerät im Kommunikationsalltag tatsächlich einnimmt. Sind sie tatsächlich ein nützliches Hilfsmittel, oder nur der nächste gehypte "Smart-Müll"?

Der "goldene Käfig" als Hürde

Der langfristige Erfolg wird auch von Kosten und Interoperabilität abhängen, schätzt Wortham. Wenn sich Samsungs Smartwatches nur mit Galaxy-Telefonen vernetzen kann, eine Google-Smartwatch nur mit Android-Phones und sich damit die Herstellerpolitik der "Walled Gardens" fortsetzt, könnte es schlecht aussehen für eine breite Akzeptanz von Smartwatches – vielleicht mit Ausnahme von Apples kolportierter "iWatch".

Apps und Alleinstellungsmerkmale

Alleinstellungsmerkmale könnten einzelne Produkte herausstechen lassen und weitere Zielgruppen erschließen, etwa eine gut durchdachte Verbindung zwischen einer Microsoft-Smartwatch und der Kinect-Bewegungssteuerung.

Ein weiterer entscheidender Faktor, ergänzt Chen, sind Apps. Sie machen aus dem Stück Elektronik am Handgelenk bei Bedarf einen mobilen Health-Tracker oder eine Pulsuhr, die den Takt der aktuell am Telefon laufenden Musik beim Joggen an die Herzfrequenz anpasst. Hier gibt es eine Reihe potenziell interessanter Möglichkeiten.

Kostenfrage

Der möglicherweise wichtigste Knackpunkt wird laut Chen der Preis sein. Weil Smartwatches auf absehbare Zeit Geräte sein werden, die als Ergänzung zu einem Smartphone funktionieren, wird es schwer werden, der Kundschaft dafür all zu hohe Geldbeträge zu entlocken, meint der Beobachter. "Ich kann mir nicht vorstellen, dass die Leute für so etwas viel mehr als 150 Dollar ausgeben wollen." (red, derStandard.at, 18.04.2013)

  • Mit einem Kickstarter-Erfolgslauf gab die Pebble den Startschuss für den Smartwatch-Massenmarkt.
    foto: pebble

    Mit einem Kickstarter-Erfolgslauf gab die Pebble den Startschuss für den Smartwatch-Massenmarkt.

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