Botswana: Wildhunde im Okavango-Delta

18. April 2013, 18:34
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Das Okavango-Delta fasziniert mit Sümpfen und Tierreichtum. Die seltenen Wildhunde tagsüber bei der Jagd zu beobachten, ist ein archaisches Erlebnis

Das Licht ist noch fahl an diesem Morgen kurz nach sechs Uhr, in den Büschen sind bereits einzelne Tiere auszumachen. "Die Glücklichen haben die Nacht überlebt", sagt Obonye unsentimental. Er ist ein erfahrener Führer, der genau weiß, dass allein umherziehende Tiere, die von keiner Herde geschützt werden, eine leichte Beute sind für Raubtiere wie Löwen oder Leoparden - aber auch für eine eigenwillige Spezies, deren Bestand weltweit gefährdet ist: Wildhunde. In Botswana sind sie noch in großen Rudeln zu finden.

Kein anderes afrikanisches Raubtier jagt effizienter als der Wildhund, der allerdings tagsüber auf Nahrungsbeschaffung geht. Während Löwinnen nur jeden zehnten Versuch erfolgreich beenden, führt bei Wildhunden jede zweite Jagd zum Erfolg. Mit einer Geschwindigkeit von bis zu 50 Kilometern pro Stunde verfolgen sie ihre Beute und schlagen blitzschnell zu. "Sie reißen ihren Opfern die Bäuche auf, die Gejagten sterben aus Schock oder durch Blutverlust", erzählt Obonye lakonisch.

An der nächsten Kreuzung hält er abrupt den Geländewagen an: Er hat frische Spuren auf der Sandpiste entdeckt und lauscht. Ein Elefant trompetet ganz in der Nähe: ein gutes Zeichen, denn die Dickhäuter vertreiben Raubtiere gerne mit ihrem Lärm. "Ich rieche die wilden Hunde", sagt Obonye aufgeregt. "Sie müssen ganz in der Nähe sein." Offroad brettert er mit dem robusten Safariwagen durch die Büsche - und auf einmal ragen riesige, sandfarben leuchtende Hundeohren aus dem Gras. Da liegen sie entspannt, die wilden Hunde, und ruhen sich aus, es ist eine Herde von rund 25 Tieren.

Langsam kommt Bewegung in die Gruppe. Die jungen, verspielten Hunde springen auf und laufen neugierig umher. "Gleich beginnt die Begrüßungszeremonie", kündigt der Führer an. Mit freudig aufgestellten Schweifen tanzen die Hunde im Kreis. Erst jetzt wird sichtbar: Einige der Tiere haben eingerissene, blutige Ohren, bei anderen ist der Körper mit Bisswunden übersät. "Vielleicht haben sie mit den Hyänen gekämpft", sagt Obonye. "Das kommt häufig vor, wenn ihnen die Hyänen die Beute abspenstig machen wollen." Einen Hund hat es besonders schwer erwischt, drei Gefährten aus dem Rudel laufen neben ihm her und lecken ständig seine frischen Wunden. "So werden Infektionen verhindert", erklärt der Guide das ausgeprägte Sozialverhalten, für das diese Tiere bekannt sind.

Mittlerweile ist der weltweite Bestand an Wildhunden auf geschätzte 5000 Exemplare gesunken, eine wesentliche Mitschuld an ihrem Aussterben tragen die Farmer, die diese erfolgreichen Räuber fürchten und jagen. Die Regierung von Botswana bietet Farmen zwar eine finanzielle Entschädigung an, wenn Raubtiere Schafe oder Ziegen reißen, das Geld entspricht aber nicht dem tatsächlichen Wert. So erfolgt das Umdenken nur langsam, aber immer noch effizienter als in vielen anderen afrikanischen Ländern. Botswana, das konsequent auf hochpreisigen, umweltverträglichen Tourismus und Naturschutzprojekte setzt, kann sich rühmen, eine der artenreichsten Tierwelten zu besitzen. Und unter Experten gilt Botswana eben auch als einer der besten Plätze, um Wildhunde zu studieren.

Immergrüne Kalahari-Oase

Eine ungemein faszinierende Landschaft erstreckt sich über rund 20.000 Quadratkilometer im Nordwesten des Landes: das Okavango-Delta. Es ist das größte Binnendelta der Welt, ein fruchtbares Feuchtgebiet, von der Wüste Kalahari umgeben. Trockene Savanne wechselt sich mit weitläufigen Sümpfen und Wasserkanälen ab. Die Strömung des Deltas wird durch den Regen in Angola gefüttert, der im Oktober beginnt und im April endet. Das Delta kann im Unterschied zu vielen anderen Safari-Regionen ganzjährig bereist werden, es gibt wenige, dafür aber luxuriöse Lodges, die sich gut in die Natur einfügen und auf ökologische Verträglichkeit Wert legen. Einige der schönsten davon betreibt der südafrikanische Naturreisen-Spezialist Wilderness Safaris. Manche dieser geräumigen Unterkünfte liegen direkt an Lagunen und Wasserkanälen, mitunter kreuzen Elefanten oder Nilpferde jene Holzwege, die eigentlich für die Gäste gedacht sind - deshalb dürfen Urlauber nach Einbruch der Dunkelheit auch nicht alleine unterwegs sein, sie werden mit Taschenlampen zur Lodge geleitet.

Es ist empfehlenswert, unterschiedliche Lodges zu kombinieren und nach ein paar Nächten weiterzuziehen, um möglichst viel von der Landschaft und Tierwelt des Deltas zu erleben. Die Camps Duma Tau oder Kings Pool im Norden liegen etwa direkt am Linyanti-Flusssystem, einem weiten, sumpfigen Areal, das mit Motorbooten oder traditionellen Einbaumbooten, Mokoros, erkundet wird.

Ab Maun nur schau'n

Bereits die Anreise ins Delta ist atemberaubend. Von der Safari-Stadt Maun geht es mit kleinen Propellerflugzeugen in die Camps - und auch zwischen den Unterkünften, die mitten im Dschungel liegen, muss geflogen werden. Erst von oben erkennt man die immense Größe dieser beinahe menschenleeren Region, in der die Farben intensiv leuchten und sich unzählige Wasserkanäle ihren kurvigen Weg durch eine wild wuchernde Landschaft bahnen.

Der Safarialltag im Camp gehorcht einer strengen Logik. Und obwohl man völlig abgeschnitten lebt - ohne Handyempfang, WLAN oder TV -, kommt selbst bei Alleinreisenden nie Langeweile auf. Um fünf Uhr erklingt der tägliche Weckruf, heißes Wasser steht bereits in einer Thermoskanne vor dem Zelt, das sich ohnehin wie eine luxuriöse Wohnung anfühlt. Die Logdes sind zudem vollwertige Holzhäuser und warten oft mit einem eigenen Pool auf. Nach dem Frühstück geht es in Kleinstgruppen bis rund elf Uhr auf Safari. Nach dem Mittagessen und einer Pause kommt um 16 Uhr erneut der Jeep zum Einsatz, um nach Tieren Ausschau zu halten. Und am Abend tauscht man sich aus, was man gesehen hat.

Ein Paar aus Singapur ist noch immer aufgebracht: Sie haben die Wildhunde bei der Jagd erlebt. Ein Wasserbüffel wurde erlegt, und weil die Hunde ihre Beute nicht durch einen erlösenden Biss töten, sondern ihr Opfer bei lebendigem Leib zerreißen, ist das Paar ein wenig blass. "Es war ein großartiges, archaisches Erlebnis", sagen die beiden: "Aber morgen hätten wir doch wieder gerne eine friedlich schlafende Löwenfamilie." (Karin Cerny, DER STANDARD, Rondo, 19.4.2013)

  • Rund zwei Dutzend Lodges und Camps in Botswana kombinieren gute Fernsicht und schöne Nahaufnahmen.
    foto: wilderness safaris

    Rund zwei Dutzend Lodges und Camps in Botswana kombinieren gute Fernsicht und schöne Nahaufnahmen.

  • Das Okavango-Delta sollte man von oben und aus der Entfernung betrachten, um die Strickmuster der Natur zu erkennen.
    foto: karin cerny

    Das Okavango-Delta sollte man von oben und aus der Entfernung betrachten, um die Strickmuster der Natur zu erkennen.

  • Erst beim genaueren Hinschauen entpuppt sich der herzige Afrikanische Wildhund als effizienter Jäger.
    foto: karin cerny

    Erst beim genaueren Hinschauen entpuppt sich der herzige Afrikanische Wildhund als effizienter Jäger.

  • Umgeben von der Kalahariwüste, hält das Okavangodelta seine Fauna fest: einen Ochsenfrosch etwa so lange im Lehm, bis die ersten schweren Regentropfen fallen; ...
    foto: frans lanting/www.lanting.com

    Umgeben von der Kalahariwüste, hält das Okavangodelta seine Fauna fest: einen Ochsenfrosch etwa so lange im Lehm, bis die ersten schweren Regentropfen fallen; ...

  • ... und die gesamte Vielfalt der Tierwelt auf Felszeichnungen, die vermutlich bis zu 20.000 Jahre alt sind.
    foto: frans lanting/www.lanting.com

    ... und die gesamte Vielfalt der Tierwelt auf Felszeichnungen, die vermutlich bis zu 20.000 Jahre alt sind.

  • Anreise & Unterkunft
Flüge von Wien nach Maun mit South African Airlines über Frankfurt und JohannesburgVeranstalter und Camps: Wilderness Safaris, buchbar zum Beispiel über: www.abendsonnneafrika.de.
Hauptsaison für Tierbeobachtung ist Juni bis Oktober. Auf Safari wird aber ganzjährig gefahren. Eine Malaria- Prophylaxe wird empfohlen.
Buch: Afrikas Herz mit Wasseradern in der Wüste
    grafik: der standard

    Anreise & Unterkunft

    Flüge von Wien nach Maun mit South African Airlines über Frankfurt und Johannesburg
    Veranstalter und Camps: Wilderness Safaris, buchbar zum Beispiel über: www.abendsonnneafrika.de.

    Hauptsaison für Tierbeobachtung ist Juni bis Oktober. Auf Safari wird aber ganzjährig gefahren. Eine Malaria- Prophylaxe wird empfohlen.

    Buch: Afrikas Herz mit Wasseradern in der Wüste

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