Armin Wolf: "Wozu brauchen wir noch Journalisten?"

Rezension17. April 2013, 18:21
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Quotienten, Quoten, Qualitäten: Aus der Perspektive des TV-Anchorman erläutert Wolf die Unterschiede von E-, U- und K-Journalismus

Die Aufgabe des Journalismus ist Aufklärung. Dialektisch erklärt dies folgende Perspektive: "Das Publikum braucht Aufklärung, aber die Aufklärung braucht auch Publikum", erläutert Hannes Haas, Professor für Publizistik an der Universität Wien, Leiter der Theodor-Herzl-Dozentur zur "Poetik des Journalismus". Armin Wolf beschreibt diese Poetik im ursprünglichen Wortsinn als "Studium des zu machenden Werkes", als Werkstattbericht.

Derart ist die nun in Buchform erschienene Dokumentation seiner 2012 an Wiens Alma Mater gehaltenen Vorlesungen zu interpretieren. Seit 2000 wird, beschränkt auf ein Semester, die Theodor-Herzl-Dozentur als Statement für Qualitätsjournalismus, an herausragende Vertreter des Genres vergeben.

Unterschiede von E-, U- und K-Journalismus

Armin Wolf, 1966 in Innsbruck geboren, seit 1985 ORF-Mitarbeiter, seit 2002 ZiB 2-Moderator, stellvertretender Chefredakteur der TV-Information - vielfach ausgezeichnet als "Journalist des Jahres", mit dem Concordia- und dem Robert-Hochner-Preis -, beschäftigte sich in seinen Vorlesungen mit der Rolle professioneller Journalisten in einer Ära dramatischer Umbrüche der internationalen Medienlandschaft. Aus der Perspektive des TV-Anchorman erläutert der auch als "Mister Twitter" Apostrophierte die Unterschiede von E-, U- und K-Journalismus. Während E und U sich wohl selbst erklären, bedarf die Begrifflichkeit des K-Journalismus einer näheren Definition: "K-Journalismus gibt es in zwei Varianten: als Kommerz-Journalismus und als Kampagnen-Journalismus. K-Journalismus vertritt nicht die Interessen der Leser, Seher oder Hörer - indem er ihnen hilft, die Welt zu verstehen. Sondern das ist etwas, das sich als Journalismus tarnt. Kommerz-Journalismus ist als Journalismus verkleidete Anzeigenkeilerei, Kampagnen-Journalismus ist als Journalismus verkleidete Politik." Au contraire zu Unabhängigkeit.

Autorisierung und Objektivität

Luzid erklärt Wolf die feinen, subtilen Unterschiede bei kritischer, bewusster Mediennutzung, die Herausforderungen für professionelle Medien als Pendant zu Bloggern, Wikipedia, Wikileaks et alii, elaboriert über journalistische Freiheit und politischen Druck und warum Politiker-Interviews trotz akribischer Vorbereitung nicht immer sinnvoll sind. Die Metamorphosen der Medienlandschaft mit feiner Sensorik dekuvrierend. Wohl wissend der Wertigkeiten, inklusive so diametraler Termini wie Autorisierung und Objektivität.

Wolfs Conclusio ist ident mit Motivation: Im Qualitätsjournalismus gehe es um "Hinterfragen und Aufdecken von Interessen und - ich weiß, es klingt pathetisch - um die Suche nach der Wahrheit." Quod erat demonstrandum. (Gregor Auenhammer, DER STANDARD, 18.4.2013)

  • Armin Wolf: "Wozu brauchen wir noch Journalisten?" € 14,90 / 144 Seiten. Picus-Verlag, Wien 2013
    foto: picus verlag

    Armin Wolf: "Wozu brauchen wir noch Journalisten?" € 14,90 / 144 Seiten. Picus-Verlag, Wien 2013

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