Xperia Z im Test: Sonys gelungenes Smartphone-Comeback

5. Mai 2013, 12:02
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Durchdachtes Gerät mit Tauchqualitäten und LTE überzeugt im Alltag

Nach durchwachsenen Jahren will sich Sony wieder als feste Größe am Smartphone-Markt etablieren. Was Geräten wie dem Xperia U nicht gelungen ist, soll das Xperia Z richten. Mit diesem Gerät stößt der japanische Hersteller in die Riege der Highendgeräte mit Full-HD-Displays vor und will mit diversen Extras punkten.

Ordentliche Hardware-Ausstattung

Zu den technischen Fakten: Ein Display mit fünf Zoll Diagonale prangt auf der Vorderseite des Smartphones. Es löst mit 1.080 x 1.920 Pixel auf und soll resistent gegen Kratzer und Stürze sein. Unter der (Geschmacksfrage!) schicken Haube geht eine Qualcomm Krait-CPU mit vier Kernen 1,5 GHz Taktung zu Werke. Ihr steht eine Adreno 320-GPU zur Seite. Zwei GB RAM rechtfertigen die Bezeichnung "üppig", bei den Grundkomponenten hat Sony in der Tat nicht gekleckert, sondern geklotzt.

Im Alltagsbetrieb fällt dies dadurch auf, dass es nicht auffällt. Das Telefon reagiert flott auf Eingaben, startet Apps angenehm schnell und selbst bei aufwändigeren Apps und Spielen ist höchstens nur sehr selten ein zartes Ruckeln zu bemerken. Das ist angesichts der Ausstattung wie gesagt wenig verwunderlich. Sony setzt hier auf die selben Kernkomponenten, wie sie sich auch im Nexus 4 finden. Letzteres hat aber einen leichten Leistungsvorteil aufgrund seiner geringeren Displayauflösung.

Der Vollständigkeit halber hier auch noch Benchmarkergebnisse: Beim Allroundtest AnTuTu scored das Sony-Phone rund 20.700 Punkte. Wenig überraschend liegt es damit auf Augenhöhe mit dem Nexus 4 und LG Optimus G. Die HTML5-Browserperformance misst Vellamo mit 2048 Punkten, womit das Nexus 4 übertroffen wird. Den Grafiktestlauf bei Epic Citadel bewerkstelligt das Xperia Z mit einem respektablen Framerate-Schnitt von 56,1.

Verbindungsfreudig

Der Speicherplatz für Betriebssystem – aktuell läuft auf dem Gerät Android 4.1, mit einem Update auf 4.2 ist wohl zu rechnen – beträgt 16 GB, per microSD-Karte kann um bis zu 64 GB erweitert werden. Die Standardmodule sind an Bord: Gyroskop, Accelerometer, GPS und Bluetooth.

Ins Internet geht das Handy via WLAN, 2G, 3G und den neuen Mobilfunkstandard LTE mit theoretisch bis zu 100 Mbit/s an Downloadgeschwindigkeit und maximal 50 Mbit/s im Upload. Die in der Praxis erreichten Werte hängen natürlich von Empfangsqualität und Auslastung der jeweiligen LTE-Station ab. Per NFC lassen sich Daten auf kurze Distanz per Annäherung übertragen.

Äußerlich weiß das Smartphone mit markant eckigem Design durchaus aufzufallen. Da mit fünf Zoll eine durchaus beachtliche Größe erreicht ist, hat sich Sony in Sachen Bedienung etwas einfallen lassen. Einschaltknopf und Lautstärketasten liegen in der Mitte der rechten Längsseite des Geräts.

Intelligentes Design

Das wirkt auf den ersten Blick ungewöhnlich, befinden sich diese Elemente üblicherweise weiter oben. Tatsächlich erweist sich die Repositionierung aber als schlauer Einfall, bleiben die Tasten somit problemlos mit dem Daumen erreichbar. Die On/Off-Taste wurde auch stilistisch schön eingefügt und verfügt über einen Druckpunkt, der das versehentliche Auslösen praktisch ausschließt.

Ein weiteres Alleinstellungsmerkmal des unter anderem von Profitaucher Kevin Reiterer beworbenen Geräts ist Wasserdichtigkeit. Wenigstens eine halbe Stunde bei maximal einem Meter Tiefe soll das Xperia Z im Nass verharren können, ohne Schaden zu nehmen.Alle Anschlüsse und Ports sind unter kleinen, ausziehbaren Abdeckungen verborgen, an deren Schließung das von Sony überarbeitete Android-System freundlich erinnert. Ein ausführlicher Badetest wurde nicht vorgenommen. Eine Viertelstunde in einer Wasserschüssel überstand das Gerät in eingeschaltetem Zustand aber schadlos.

Mit einem Gewicht von 146 Gramm liegt das Gewicht des Telefons in einem guten Rahmen.

Ein gutes, aber nicht das beste Display

Zum Display: Über die Sinnhaftigkeit von Full HD-Auflösung auf Smartphone-Displays herrschen geteilte Meinungen, liefern diese doch faktisch eine Pixeldichte, bei welcher sich 720p-Auflösung von 1080p bei freiem Auge nicht unterscheiden lassen. Andererseits ist die von Grafikern empfohlene Dichte von zumindest 600 ppi für optimal lesbare Texte (die sich allerdings auf Printtexte bezieht) hier noch gar nicht erreicht.

Farbliche Verbesserungen, etwa bei der Darstellung von Bildern und Videos, soll die mobile Bravia-Engine liefern. Ob man diese nun eingeschalten lässt oder abdreht macht in den meisten Fällen aber nur einen eher marginalen Unterschied. Bei der Farbdarstellung schwächelt das Xperia Z etwas. Die verschiedenen Töne machen meist einen natürlichen, aber auch etwas blassen Eindruck.

Einen guten Vergleich bietet das HTC One. Dort sind Farben deutlich kräftiger, wirken mitunter aber auch überzeichnet. Kontraste sind besser wahrnehmbar. Das ist natürlich Kritik auf hohem Niveau, denn von schlechter Darstellungsqualität kann beim Xperia Z trotzdem beileibe keine Rede sein.

Das Display des neuen Sony-Flaggschiffs ist jedoch ein wahrer Magnet für Fingerabdrücke und spiegelt stark im Sonnenlicht. Die Gegensteuerung über die automatische Anpassung der Bildschirmhelligkeit funktioniert oft leider nur unzureichend.

Solide Kamera-Performance

13,1 Megapixel und Full HD-Videos liefert die rückseitige Kamera des Xperia Z. Beim Auslösen ist sie nicht immer die schnellste, sofern man aber nicht gerade ein schnell bewegtes Motiv ablichtet, immer noch flott genug für ansehnliche Bilder bei guten Lichtverhältnissen. Bei wenig Echtlicht treten die gleichen Probleme auf, die im Grunde alle Smartphonekameras in unterschiedlichem Ausmaß betreffen.

Interessanterweise ist dann auf dem Sucher am Display ein wesentlich stärkeres Rauschen zu sehen, als es danach am eigentlichen Bild erkennbar wäre. Sony bringt eine selbst entwickelte Kamera-App mit automatischer Szenenerkennung anstelle des bei Android integrierten Standardtools mit, das offenbar über weitreichende Verbesserungsmechanismen verfügt.

Details gehen auf diesem Wege aber unweigerlich verloren, dass die Schnappschüsse nach Sonnenuntergang deutlich weniger gelungen ausfallen, als unter Tags können auch diese technischen Finessen nicht verhindern. Unter guten Bedingungen zählt das HD-Video-fähige Aufnahmegerät des Xperia Z sicherlich zu den besseren seiner Klassen.

Akku vs. LTE

2.330 mAh fasst der Akku des Smartphones gemäß Specsheet. Das ist, jedenfalls theoretisch, eine angemessene Dimensionierung. Mit aktiviertem 3G soll so eine Standbyzeit von 530 Stunden erreichbar sein.

Und hier liegt ein Knackpunkt: Schaltet man LTE aus, kommt man mit dem Xperia Z bei durchschnittlicher Nutzung tatsächlich lange über die Runden und muss das Gerät erst nach einem bis anderthalb Tagen wieder ans Ladegerät hängen. Die Verwendung des LTE-Moduls belohnt den Nutzer mit rasanter Surfgeschwindigkeit, zehrt aber ordentlich an den Energiereserven.

Ein Härtestest ist der Einsatz des Telefones mit aktiviertem 4G in Kombination mit Googles Augmented-Reality-Game "Ingress". Die Software, bei deren Nutzung sowohl Internetverbindung als auch GPS-Sensor im Dauereinsatz sind und auch CPU und GPU mitunter einiges zu tun bekommen, ist berüchtigt dafür, den Energieladebalken in kurzer Zeit ordentlich zu dezimieren.

Die quasi fatale Kombination aus ultraschnellem, mobilem Breitband und dem Spiel ließ beim Xperia Z den Prozentzähler des Akkus minütlich um rund einen Zähler schwinden. Nach etwas mehr als 100 Minuten unterschritt dieser schließlich die Fünf-Prozent-Marke. Muss man nicht gerade große Datenmengen empfangen, empfiehlt es sich zur Verlängerung der Laufzeit folglich, LTE zwischenzeitlich zu deaktivieren.

Eigene Apps: Nett gemacht, aber kaum Mehrwert

Sony hat das vorinstallierte Android-System etwas umgebaut und mit eigenen Apps bestückt. Neben der bereits erwähnten Bravia-Engine sind etwa ein eigener Videoplayer, Galerie und die "Walkman"-Software für den Musikkonsum an Bord. Die Programme sind nett gestaltet und leicht bedienbar, der Mehrwehrt gegenüber Android-Standardsoftware bzw. diversen Alternativen aus dem Play Store hält sich jedoch in Grenzen. Unter "Play Now" bietet Sony zudem eine eigene Auswahl an Spielen und Zusatzcontent wie Wallpaper und Musik. "Smart Connect" soll die Verbindung von Handy und anderen Geräten erleichtern.

Kluger Sparer

Interessanter sind da schon Energiesparmodus, genannt "Stamina"-Modus. So lässt sich etwa einstellen, dass die Mobilfunkverbindung bei ausgeschaltetem Display ebenfalls deaktiviert wird oder das WiFi-Modul nur dann in Betrieb genommen wird, wenn man sich in der Nähe schon zuvor benutzter Hotspots aufhält. Für einen ausführlichen Test dieser Features blieb leider keine Zeit, strategisch eingesetzt dürften auf diesem Wege aber sicher einige zusätzlich Stunden an Standby-Zeit herauskitzelbar sein, ohne das Nutzungserlebnis zu beeinträchtigen.

Auch zur Telefonie dürfen ein paar Worte nicht fehlen. Das Xperia Z ist ein durchaus empfangsstarkes Gerät und bietet gute Sprach- und Tonqualität, auch dank der integrierten Rauschunterdrückung. Soliden Klang, für Smartphone-Verhältnisse wohlgemerkt, liefern die integrierten Lautsprecher.

Fazit

Nach längerer Stagnation ist Sony mit dem Xperia Z ein wirklich guter Wurf gelungen. Das Xperia Z liefert eine Kombination aus starker Hardware, Beständigkeit und durchdachtem Design und muss sich vor der Full-HD-Konkurrenz – beispielsweise dem One und Butterfly von HTC – nicht verstecken. Als größter Schwachpunkt ist das in der Sonne stark spiegelnde Display zu vermerken. Dieses Manko lässt sich jedoch mit einer entsprechenden Folie beheben.

Mit einem Preis von aktuell 580 Euro platziert man sich auch recht konkurrenzfähig, vereinzelte Händler führen das Gerät schon um etwas mehr als 500 Euro. Der Erfolg scheint dem japanischen Konzern auch recht zu geben. Nach Einschätzung von Analysten dürfte sich das Xperia Z in den ersten 40 Tagen 4,6 Millionen Mal verkauft haben. (Georg Pichler, derStandard.at, 17.04.2013)

  • Mit dem Xperia Z will sich Sony wieder als bedeutende Größe im Android-Segment etablieren.
    foto: derstandard.at/pichler

    Mit dem Xperia Z will sich Sony wieder als bedeutende Größe im Android-Segment etablieren.

  • Obwohl das Smartphone mit fünf Zoll Display durchaus schon als "Phablet" durchgeht, ist es noch relativ komfortabel bedienbar und liegt gut in der Hand - lediglich für Nutzer mit kleineren Händen könnte es etwas problematisch werden.
    foto: derstandard.at/pichler

    Obwohl das Smartphone mit fünf Zoll Display durchaus schon als "Phablet" durchgeht, ist es noch relativ komfortabel bedienbar und liegt gut in der Hand - lediglich für Nutzer mit kleineren Händen könnte es etwas problematisch werden.

  • Als hilfreich erweist sich die Platzierung von Lautstärketasten und Ein-/Ausschalter. Sie fügen sich dazu auch gut ins Design ein.
    foto: derstandard.at/pichler

    Als hilfreich erweist sich die Platzierung von Lautstärketasten und Ein-/Ausschalter. Sie fügen sich dazu auch gut ins Design ein.

  • Alle Stecker und Ports sind mit Abdeckungen versehen, um die Wasserdichtigkeit zu gewährleisten.
    foto: derstandard.at/pichler

    Alle Stecker und Ports sind mit Abdeckungen versehen, um die Wasserdichtigkeit zu gewährleisten.

  • Die verglaste Front- und Rückseite sind schön gestaltet, aber leider auch absolte Fingerabdruck-Magnete.
    foto: derstandard.at/pichler

    Die verglaste Front- und Rückseite sind schön gestaltet, aber leider auch absolte Fingerabdruck-Magnete.

  • Mitgelieferte Apps wie das "Album" (anstelle der Android-Standardgalerie) sind nett gemacht. Ihr Mehrwehrt hält sich jedoch in Grenzen.
    foto: derstandard.at/pichler

    Mitgelieferte Apps wie das "Album" (anstelle der Android-Standardgalerie) sind nett gemacht. Ihr Mehrwehrt hält sich jedoch in Grenzen.

  • Bei guten Lichtverhältnissen liefert das Xperia Z ordentliche Fotos, wenngleich es nicht an die Bildqualität von Sonderentwicklungen wie dem HTC One oder Lumia 920 herankommt.
    foto: derstandard.at/pichler

    Bei guten Lichtverhältnissen liefert das Xperia Z ordentliche Fotos, wenngleich es nicht an die Bildqualität von Sonderentwicklungen wie dem HTC One oder Lumia 920 herankommt.

  • Auch Aufnahmen aus nächster Nähe gelingen - eine ruhige Hand vorausgesetzt.
    foto: derstandard.at/pichler

    Auch Aufnahmen aus nächster Nähe gelingen - eine ruhige Hand vorausgesetzt.

  • Die Kamera liefert kräftige, aber trotzdem nicht künstlich aussehende Farben.
    foto: derstandard.at/pichler

    Die Kamera liefert kräftige, aber trotzdem nicht künstlich aussehende Farben.

  • Bei Bildern unter schlechteren Lichtbedingungen greifen Korrekturmechanismen heftig ins Bild ein, um Bildrauschen zu einzudämmen. In der verkleinerten Darstellung fällt dies kaum auf, vergrößert man das Foto etwas, ist der starke Detailverlust aber erkennbar.
    foto: derstandard.at/pichler

    Bei Bildern unter schlechteren Lichtbedingungen greifen Korrekturmechanismen heftig ins Bild ein, um Bildrauschen zu einzudämmen. In der verkleinerten Darstellung fällt dies kaum auf, vergrößert man das Foto etwas, ist der starke Detailverlust aber erkennbar.

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