WhatsApp jetzt größer als Twitter

17. April 2013, 10:34
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Unternehmenschef Jan Koum: "Wir haben ein Manifest, das sich gegen Werbung ausspricht"

Es gibt jede Menge Smartphone-Apps auf dem Markt. Doch wenige sind so erfolgreich wie WhatsApp.

2009 erstmals vorgestellt, hat der Plattform übergreifende Messenger-Dienst einen weltweiten Siegeszug hinter sich. Heute ist WhatsApp die am meisten verwendete unabhängige Smartphone-App in fast jedem Land auf dieser Welt. Das mobile Programm hat Millionen von Nutzern und verarbeitet etwa 20 Milliarden Nachrichten Tag für Tag. Mittlerweile ist WhatsApp sogar größer als Twitter, sagte Unternehmenschef Jan Koum am Dienstag anlässlich der Podiumsveranstaltung D: Dive Into Mobile. Twitter kommt laut eigenen Angaben auf 200 Millionen aktive Nutzer im Monat. Über WhatsApp werden jeden Tag acht Milliarden Nachrichten versendet und zwölf Millionen empfangen.

Übernahme durch Google?

Dieser Erfolg hat das Interesse einiger großer Internet-Firmen geweckt. Allein in den vergangenen sechs Monaten gab es Gerüchte, dass sowohl Facebook als auch Google an einer Übernahme interessiert seien. WhatsApp hatte Verkaufsgespräche jedoch stets dementiert.

Wie fühlt es sich an, im Zentrum einer Welt aus Messenger-Apps zu stehen? Und wie will ein Unternehmen, das – statt auf Werbung zu setzen – ein Abomodell für um die 80 Cent pro Jahr bevorzugt, Beliebtheit in Erlöszuwachs verwandeln?

Ganz einfach, sagte Koum. Man baut die Plattform, und die Erlöse folgen.

"Wir blicken auf eine Welt, in der es Milliarden an Telefonen geben wird", sagte Koum. "Wenn es so weit ist, wird es total einfach sein, Geld einzunehmen. Bis dahin müssen sich aber noch viel mehr Menschen der Smartphone-Revolution anschließen. Und viel mehr Menschen müssen Dinge über ihre Handys kaufen."

 "Wir haben ein Manifest, das sich gegen Werbung ausspricht"

Aber warum verlässt man sich bis dahin nicht einfach auf Werbung? Das werde nicht passieren, sagte Koum und bezieht sich auf die Anti-Werbe-Philosophie von WhatsApp. "Wir haben ein Manifest, das sich gegen Werbung ausspricht", erklärte er. "Darauf sind wir stolz. Wer mag schon Werbung? Wir werden täglich mit so vielen Anzeigen bombardiert – da sind Smartphones nicht der richtige Platz dafür. Unsere Telefone sind so eng mit uns und unserem Leben verbunden. Dort Werbung ins Spiel zu bringen, das ist eine schlechte Idee. Man will nicht durch Anzeigen gestört werden, wenn man mit seinen Liebsten chattet."

Es gibt einige erfolgreiche Geschäftsmodelle, die ohne Werbung auskommen, hat Koum beobachtet: zum Beispiel Gas und Wasser. "Da wollen wir hin. Unsere Finanzierungsstrategie ist einfach. Ein paar Cent jedes Jahr. Wenn wir noch etwas machen würden, würde das nur stören. Wir wollen ein tolles Produkt mit einer überzeugenden Nutzererfahrung." (John Paczkowski, WSJ.de/derStandard.at, 12.4. 2013)

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    screenshot: webstandard
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