Zusammenkratzen aus den Reserven

16. April 2013, 18:33
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Die Mittel steigen weniger rasch als die Zahl der Anträge - Auch die Budgetpläne für 2014/15 werden keine Jubelstürme unter Wissenschaftern hervorrufen

"Weniger als die Hälfte des vom Wissenschaftsministerium für uns bereitgestellten Budgets ist im Bundesvoranschlag. Den Rest müssen die Beamten aus Reserven zusammenkratzen." Auf diese Tatsache verwies am Dienstagvormittag Christoph Kratky, Präsident des Wissenschaftsfonds FWF, bei der Vorstellung der Jahresbilanz. Sorgen machen dem Förderer heimischer Grundlagenforschung auch die realen Größen der Budgets. Zwar hatte man im Vorjahr mit 196,4 Millionen Euro insgesamt eine Rekordsumme zur Verfügung, diese sei aber im Vergleich zum Jahr 2011 deutlich geringer gestiegen (plus 0,6 Prozent) als das Antragsvolumen (plus 4,7 Prozent).

Dass es überhaupt zu einem Wachstum kam, war freilich nur zwei Tatsachen zu verdanken: Seit 2011 werden wieder Overheads gezahlt, um auch die Institute zu unterstützen, an denen Projektmittel erfolgreich eingeworben werden. Das Wissenschaftsministerium hat deshalb die für den Zeitraum von 2009 bis 2013 zugesagten Mittel von jährlich 151,9 Mio. Euro auf 159 Mio. Euro erhöht. Zu wenig, um die Overheads flächendeckend für alle neu bewilligten Projekte zu fördern. "Dadurch kommt es zu einer Verzerrung, die wir nicht gutheißen können", sagte Kratky (siehe dazu Interview Seite 12).

Mehr zusätzliches Geld kommt derzeit auch von der Nationalstiftung, deren Töpfe nun wieder besser gefüllt sind. Von ihr kamen 2012 insgesamt 13 Millionen Euro, 2013 wächst diese Summe auf 20,2 Mio., berichtete FWF-Geschäftsführerin Dorothea Sturn.

Unter der Inflationsrate

Aber nicht nur stagnierende Budgets, auch immer teurer werdende Projekte seien schuld an der Schere zwischen Bewilligungs- und Antragssumme. Dafür machte Kratky die Professionalisierung in den Wissenschaften verantwortlich und bewerteten das auch als notwendig. Für 2014 und 2015 habe der FWF schon einen Budgetbrief erhalten. Sturn: "Hier ist eine kleine Steigerung unter der Inflationsrate der vergangenen Jahre vorgesehen."

Die Luft ist nicht ganz draußen für die Grundlagenforschung, von einer positiven Entwicklung wollte Kratky dennoch nicht sprechen. Er erinnerte die Bundesregierung an die Inhalte der FTI-Strategie. Von einer Umsetzung sei man - abgesehen von einigen Plänen - weit entfernt. Die FTI-Strategie sehe nämlich ein Wachstum der Mittel für die Grundlagenforschung im Vergleich zu den Geldern für die angewandte Forschung vor. Das Gegenteil sei derzeit der Fall. Auch von einer Erhöhung des kompetitiven Anteils der Universitätenfinanzierung sei derzeit keine Rede, obwohl er von der Regierung selbst in der Strategie eingefordert wurde.

Ein weiteres Problem sehen Präsident und Geschäftsführerin des FWF in der Akquirierung der Gutachter für die Bewertung der Projektanträge. Hier werden ausschließlich Experten aus dem Ausland angefragt, was es für den Wissenschaftsfonds offensichtlich immer schwerer macht, zu seinen Gutachtern zu kommen. "Sie bekommen nichts dafür und können natürlich ablehnen", sagte Kratky. Der FWF müsse dreimal mehr Gutachter anschreiben, als er Zusagen erhält.

Da die Amtszeit Kratkys im kommenden Juni endet, hat der Aufsichtsrat des Wissenschaftsfonds diese Position ausgeschrieben - und für heute, Mittwoch, Bewerber zu Hearings einladen. Am Donnerstag wird ein Dreiervorschlag bekanntgegeben, aus dem die Delegiertenversammlung am 6. Juni einen neuen Präsidenten wählt. Kratky sagte am Ende der Jahresbilanzpressekonferenz, er könne und wolle keine Wunschnamen als Nachfolger oder Nachfolgerin nennen, nur eine Haltung. "Für die Angelegenheiten des Wissenschaftsfonds und der heimischen Grundlagenforschung eintreten." (Peter Illetschko, DER STANDARD, 17.04.2013)

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