Teilzeitarbeit bei Lehrern stieg um 25 Prozent an

16. April 2013, 18:23
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Steter Zuwachs seit dem Jahr 2007 Gewerkschaft: "Überforderungssyndrom“

Wien - Immer mehr Lehrerinnen und Lehrer wollen Teilzeit arbeiten. In den vergangenen fünf Jahren stieg der Anteil derer, die Lehrersein nicht (mehr) als Vollzeitbeschäftigung ausüben wollen - oder können - im Pflichtschulbereich um fast 25 Prozent (2007: 15.445, 2012: 19.215), an berufsbildenden mittleren und höheren Schulen (BMHS) um zwölf Prozent (2007: 5334, 2012: 5981) und in den allgemeinbildenden höheren Schulen (AHS) sogar um 29 Prozent (2007: 4891, 2012: 6310).

Das zeigt die Beantwortung einer parlamentarischen Anfrage des grünen Bildungssprechers Harald Walser "betreffend Lehrer-Innen in Teilzeit und Burnout" durch das Unterrichtsministerium. Dieser sieht darin ein Symptom für "zunehmende Belastungen der Lehrer am Arbeitsplatz, auf die das neue Lehrerdienst- und -besoldungsrecht reagieren muss", sagt er im Gespräch mit dem Standard: "Wir brauchen neben einer Entbürokratisierung ein Unterstützungssystem für Lehrkräfte", also Fachlehrkräfte für Logopädie oder Dyskalkulie, Sozialarbeiter, Psychologen.

Zeit für Nebenbeschäftigung

Das Ministerium schreibt zur Teilzeitentwicklung, dass diese "nicht zwingend mit der allgemeinen Belastungssituation im Lehrberuf im Zusammenhang stehen muss". Auch "gesellschaftliche Faktoren" hätten Einfluss auf diese Entscheidung. "Beispielsweise", heißt es, habe eine Arbeitszeitreduktion "zum Zwecke einer Nebenbeschäftigung, aus der sinnvolle externe Erfahrungen für den Lehrberuf gesammelt werden können, positive Auswirkungen auf die Unterrichtsqualität".

Aus den aktuellen Daten der Statistik Austria ("Bildung in Zahlen 2011/12") geht hervor, dass die Teilzeitquote je nach Schultypen und Geschlechtern sehr stark differenziert.

Als teilzeitbeschäftigt gelten Lehrer-/innen, die weniger als 90 Prozent der Zeit einer Vollzeitbeschäftigung tätig sind. Im Schnitt beträgt die Teilzeitquote bei Lehrerinnen 29,6 Prozent, jene der Lehrer 18,5 Prozent. Je nach Schultyp reicht sie bei Frauen von 26,6 Prozent in Berufsschulen bis 33,5 Prozent in AHS, bei Männern schwankt sie zwischen 13,4 Prozent in Haupt- und Berufsschulen und 22,5 Prozent in Volksschulen.

Bezogen auf den österreichischen Arbeitsmarkt insgesamt arbeitete im Jahr 2012 ein Viertel (25,7 Prozent) aller Erwerbstätigen Teilzeit (44,9 Prozent der Frauen, neun Prozent der Männer).

Walser, vor seiner Politikerkarriere selbst AHS-Direktor, sieht in der Flucht in Teilzeit auch eine Möglichkeit zur "Vermeidung von Überbelastung", an deren Ende Burnout drohe. Länder wie Finnland, Schweden oder Südtirol, die ausgebaute Unterstützungssysteme für Lehrer hätten, "kennen diese Phänomene nicht".

Pädagogische Wunderwuzzis

Aus diesem Grund stößt auch die von der Regierung geplante Erhöhung der Lehrverpflichtung im neuen Dienstrecht bei der Lehrergewerkschaft auf Widerstand. Deren Chefverhandler Paul Kimberger sagt im Standard-Gespräch, dass sich aus den steigenden Teilzeitzahlen - ungeachtet derer, die diese Job-Variante aus familiären Gründen wählen - " sicher ein Rückschluss ziehen lässt, dass die Lehrerinnen und Lehrer an der Belastungsgrenze und teilweise darüber arbeiten. Die Schulen leiden an einem Überforderungssyndrom." Höchste Zeit, "Lehrer nicht mehr als pädagogische Wunderwuzzis für Erziehung etc. einzusetzen, sondern Rahmenbedingungen zu schaffen, damit sie sich wieder auf das Wesentliche konzentrieren können: den Unterricht". (Lisa Nimmervoll, DER STANDARD, 17.4.2013)

  • Viele Lehrerinnen und Lehrer weichen dem zunehmenden Druck in der Schule aus, indem sie auf Teilzeitjob umstellen.
    foto: apa/hochmuth

    Viele Lehrerinnen und Lehrer weichen dem zunehmenden Druck in der Schule aus, indem sie auf Teilzeitjob umstellen.

  • Beschäftigungsausmaß der Lehrer/Innen
    grafik: der standard

    Beschäftigungsausmaß der Lehrer/Innen

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