Schmidinger zu Lehrerausbildung: "Masterstudium nur an oder mit einer Universität"

Interview18. April 2013, 10:08
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uniko-Chef Schmidinger über Studiengebühren-Streit: "Natürlich ist das ein unerfreulicher Zustand"

Rektor Heinrich Schmidinger der Uni Salzburg ist seit 2011 Vorsitzender der Universitätenkonferenz. Im Interview mit derStandard.at sieht er die Situation in stark nachgefragten Studien trotz Aufnahmeverfahren "weiterhin angespannt". Kritisch sieht Schmidinger die Reform der Lehrerausbildung vor allem im Masterbereich.

derStandard.at: Was bringt das neue Anmeldesystem und Auswahlverfahren den Unis oder ist es nur Kosmetik?

Schmidinger: Ich glaube nicht, dass es nur Kosmetik ist. Die Fächer, die heillos überlaufen sind, werden bei der HörerInnenzahl begrenzt. Das bringt einerseits einen Vorteil, andererseits eine Planungssicherheit. Die Unis wissen im vorhinein, wie stark die Belastung in den Fächern sein wird, die sehr stark nachgefragt sind.

derStandard.at: Eine Reihe von VizerektorInnen kritisieren die Kapazitätsgrenzen als zu hoch.

Schmidinger: Ja, das ist ein Kritikpunkt von Seiten der Universitätenkonferenz. Dahinter steckt ein Tribut an die Koalitionsvereinbarung: Die Zahlen wurden nach jener Summe festgelegt, die in den vergangenen Jahren erreicht wurden. Diese Summe durfte nicht unterschritten werden. Das war und ist eine sehr hohe Zahl, mit der wir uns sehr schwer getan haben und nach wie vor große Probleme haben. Insofern: Die Situation bleibt aller Maßnahmen zum Trotz weiterhin angespannt.

derStandard.at: An Ihrer Uni, der Uni Salzburg, gibt es keine neuen Zugangsverfahren?

Schmidinger: Es gibt sie bereits seit drei Jahren in der Kommunikationswissenschaft und in der Psychologie. In diesen zwei Fächern sind sie unbedingt notwendig, dort halten wir sie auch weiterhin bei. In den anderen Fächern sind sie bei uns nicht spruchreif.

derStandard.at: Generell ist es ein Einzementieren des Status Quo der Studierendenzahlen.

Schmidinger: Ja, es kann aber an dem einen oder anderen Standort ein Vorteil entstehen, weil die Gesamtzahl der Studierenden in den fraglichen Fächern auf alle Standorte in Österreich verteilt wird.

derStandard.at: Der Verfassungsgerichtshof kritisiert erneut die Studiengebührenregelung. Wie sehen Sie das?

Schmidinger: Wir müssen abwarten, was der Verfassungsgerichtshof entscheidet. Bislang gibt es nur ein Bedenken, noch kein Erkenntnis. Ich hoffe im Interesse aller, dass dieses bald kommen wird. Jene Universitäten, die autonom Studiengebühren eingehoben haben, sind davon betroffen.

derStandard.at: Ist es nicht bedenklich, dass die Regelung andauernd juristisch beeinsprucht werden kann?

Schmidinger: Natürlich ist das ein unerfreulicher Zustand. Ich hoffe, dass das Ergebnis, sobald es vorliegt, von allen Seiten akzeptiert wird, und es nicht in eine nächste Schleife geht, so dass wir am Sankt-Nimmerleinstag noch nicht wissen, was Sache ist. Im Übrigen erwarte ich mir – sollten die Universitäten in ihrem Vorgehen nicht recht bekommen –, dass ihnen die finanziellen Ausfälle seitens des Wissenschaftsministerium ersetzt werden.

derStandard.at: Wie sehen Sie da die Chancen?

Schmidinger: Das kann ich im Moment nicht sagen. Es hat Gespräche mit unserem Ministerium gegeben. Wenn ich es richtig interpretiere, geht man dort davon aus, dass der Verfassungsgerichtshof der Regelung Recht geben wird. Bislang hat dieser ja nur ein Bedenken geäußert.

derStandard.at: Eine andere Diskussion der letzten Wochen war die Situation der ausländischen Studierenden und Absolventen. Wie sehen Sie das, ist die Verdienstgrenze von knapp 2.000 Euro für die Rot-Weiß-Rot-Karte zu hoch?

Schmidinger: Ja, da bin ich der Meinung, dass überlegt werden muss, ob die Rot-Weiß-Rot-Card nicht günstiger und mit einer Summe, die im Sinne der ausländischen Studierenden realistischer ist, erreicht werden kann.

Es ist sehr positiv, wenn ausländische Studierende nach Österreich kommen oder wenn sie schon hier sind und die Universitäten frequentieren. Ich sehe darin einen Wert und begrüße das. Natürlich muss man auch das zur Gesamtsituation der Universitäten in Relation stellen und danach trachten, dass die Universitäten in der Lage sind, eine entsprechende Anzahl von Studierenden betreuen zu können. Diese sollten dann auch in der Lage sein, in Österreich bleiben zu können.

derStandard.at: Sie haben die neue LehrerInnenausbildung kritisiert, auch weil Sie eine Kompetenzverlagerung in Richtung Pädagogische Hochschulen befürchten. Warum schreckt Sie das so ab?

Schmidinger: Es geht uns um zwei Dinge: Zum einen muss die Autonomie der Universitäten gewahrt bleiben. Hier gibt es einen kritischen Punkt, nämlich den so genannten Qualifizierungsrat, dem in Zukunft alle Lehramtsstudien vorgelegt werden müssen. Es spricht nichts dagegen, dass die Universitäten sich einer Qualitätsprüfung unterziehen. Es geht jedoch darum, ob dem Qualifizierungsrat de facto ein Genehmigungsrecht zukommt. Wenn es ihm zukäme, wäre dies klar gegen die Autonomie der Universitäten. Ein wesentlicher Bestandteil dieser Autonomie liegt in der Curricular-Hoheit. Eine Uni sagt selbst, welche Studien – ob Lehramtsstudien oder nicht – sie genehmigt oder eben nicht.

Ein anderer Punkt ist wiederum eine Qualitätsfrage. Sie betrifft besonders die Masterstudien. Hier muss gewährleistet sein, dass eine forschungsgestützte Lehre die Grundlage für diese Studien bildet. Sie sehen wir an den Pädagogischen Hochschulen nicht im selben Ausmaß wie an den Unis gewährleistet. Deshalb kann es unserer Meinung nach ein Masterstudium nur an oder mit einer Universität geben.

derStandard.at: Die ÖH-Wahl erfolgt auch diesmal nicht im direkten Modus, wie sehen Sie das?

Schmidinger: Ich persönlich bin im gesamten politischen Bereich für sehr direkte Demokratie. Das heißt, ich bin ein Befürworter von Direktwahlen. Es ist aber Sache der ÖH. Die Zusammenarbeit mit den VertreterInnenn der ÖH war bisher eine sehr gute und konstruktive. Ich hoffe natürlich auf eine Fortsetzung.

derStandard.at: Wenn Sie sich die Lage der Universitäten heute und von vor zwei Jahren vergleichen, hat sich die Situation der Universitäten verbessert oder verschlechtert?

Schmidinger: Vor zwei Jahren stand im Raum, dass es für die Leistungsvereinbarungsperiode, in der wir uns jetzt befinden, ein Nullwachstum geben würde. Das wäre für alle Universitäten eine Katastrophe gewesen. Durch die so genannte Unimilliarde von Minister Töchterle hat sich diese Situation erheblich entschärft. Es ist eine realistischere Basis erreicht worden. Damit sind die österreichischen Unis noch nicht überall international konkurrenzfähig. Bezogen auf die Ankündigung eines Nullwachstums geht es den Unis in Österreich meiner persönlichen Meinung nach jedoch besser als vor zwei Jahren.

derStandard.at: Im Herbst sind Nationalratswahlen. Wenn Sie die Arbeit der Bundesregierung in der Hochschulpolitik benoten müssten, welche Note würden Sie vergeben?

Schmidinger: Noten will ich keine vergeben, es gibt aber sicher Dinge, die erreicht worden sind, wie die Leistungsvereinbarungen oder der Gesetzesentwurf zur LehrerInnenbildung. Andererseits ist die Bundesregierung eben eine Koalitionsregierung, und als solche hat sie sich da und dort auch blockiert  - beispielsweise bei den Studiengebühren. Das kann ich nicht als Positivum betrachten. (Sebastian Pumberger, derStandard.at, 18.4.2013)

HEINRICH SCHMIDINGER ist Rektor der Uni Salzburg, seit 2011 ist der Vorsitzender der Universitätenkonferenz uniko.

  • Schmidinger: "Bezogen auf die Ankündigung eines Nullwachstums geht es den Unis in Österreich meiner persönlichen Meinung nach jedoch besser als vor zwei Jahren."
    foto: standard/cremer

    Schmidinger: "Bezogen auf die Ankündigung eines Nullwachstums geht es den Unis in Österreich meiner persönlichen Meinung nach jedoch besser als vor zwei Jahren."

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