Im Angesicht des Kontrollors

16. April 2013, 18:10
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Dass Spitzensportler bei Dopingtests Intimgrenzen überschreiten müssen, gehört zum Job. 33 Labors weltweit analysieren die Proben. Wer unbehelligt trainieren und dopen will, findet noch genügend Orte

Seibersdorf - Das fiktive Gespräch mit dem Dopingkontrollor, das Ausfüllen des Formulars für den Dopingtest und die ständige Verfolgung durch einen Aufpasser nach dem fiktiven Wettkampf waren ja noch amüsant. Als der Proband, der sich freiwillig für die Abnahme der Urinprobe gemeldet hat, aber von der Toilette zurückkommt, ist ihm das Lachen im Gesicht eingeschlafen.

Der Kontrollor habe seine Aufgabe sehr ernst genommen, erzählt der Proband im Rahmen des von der Nationalen Anti-Doping-Agentur (Nada) organisierten Workshops im Kontroll-Labor Seibersdorf. Soll heißen: Trainingsanzug ablegen, bei der Urinabgabe das T-Shirt bis Mitte Oberkörper hoch- und die Hose bis zum Knie hinunterziehen. Der Kontrollor verfolgt die Urinabgabe mit freier Sicht - sich da auf das Überschreiten von Intimgrenzen zu berufen führt ins Leere. Bei bedeutenden Wettkämpfen, erzählt Michael Mader von der Nada, sind die Toiletten der Damen zusätzlich mit Spiegeln ausgestattet. "Es muss sichergestellt werden, dass nicht manipuliert werden kann und der Urin aus der richtigen Körperöffnung kommt."

Für Weltklasseathleten wie Sprinter Usain Bolt und Tennisspielerin Serena Williams gehört dieses Prozedere mit Urin- oder auch Blutproben genauso zum Job wie für etwa 1100 österreichische Sportler, die im Testpool der Nada zu finden sind. Für heimische Athleten, die " Risikosportarten" ausüben und tendenziell eher Doping zuträglich sind, oder aufgrund ihres Leistungsniveaus um die Teilnahme an WM, EM oder Olympia kämpfen, gelten verschärfte Bedingungen: Getestet werden kann jederzeit (zwischen 6 und 23 Uhr) bei und außerhalb von Wettkämpfen.

Eine Stunde pro Tag müssen Sportler angeben, wo sie definitiv für einen Dopingtest anzutreffen sind. Werden die Kontrollore nicht fündig, setzt es quasi einen Minuspunkt. "Bei drei Verstößen binnen 18 Monaten kann der Sportler so auch ohne positiven Dopingtest bis zu einem Jahr gesperrt werden", sagt Mader.

2274 Blut- und Urintests ließ die Nada im Vorjahr durchführen, 14,3 Prozent mehr als 2011. Es gab zwölf positive Proben, fünf Sportler konnten ihre auffälligen Resultate aber mit medizinischen Ausnahmegenehmigungen erklären. Vor allem bei Bluttests will die Nada nachrüsten. "2012 gab es 297 Blutproben, heuer werden es 600", sagt Geschäftsführer Michael Cepic. Grund ist die Einführung des Blutpasses: Bei zwölf Proben pro Jahr soll das Blutbild bei rund 50 erfolgreichen Sportlern jederzeit auch ohne positiven Test auf verdächtige Abweichungen überprüfbar sein.

24 Stunden nachweisbar

Geschickt werden die Proben an Labors, die von der Welt-Anti-Doping-Agentur (Wada) akkreditiert wurden. Seibersdorf in Niederösterreich ist eines von 17 in Europa, weltweit gibt es nur 33. In Südamerika und Afrika gibt es jeweils nur zwei Wada-Labors. Das ist insofern ein Problem, als geringe Dosen des Blutdopingmittels Epo nur 24 Stunden nachweisbar sind und Proben oft nicht rechtzeitig in den Labors ankommen. "Auf der Welt gibt es noch genug Orte, wo sich unbehelligt trainieren und dopen lässt", sagt Günter Gmeiner, der Leiter des Kontroll-Labors in Seibersdorf. Mobile Labors gibt es, die müssen aber freilich von jemandem bezahlt werden.

Rund 250.000 Proben wurden 2012 weltweit analysiert, etwa zwei Prozent der Tests waren positiv. Seibersdorf, das sich auf Forschungen zum Nachweis von Epo, Wachstumshormonen und Steroiden spezialisiert hat, wertete im Vorjahr 6739 Dopingtests aus. Die Analyse von Proben ist nicht billig: 120 Euro zahlt die Nada für einen Urintest, 800 Euro kostet es, wenn das Labor auch auf Epo und Cera untersuchen soll. Dazu kommen etwa 250 Euro Personal- und Versandkosten.

2012 hatte die Nada 2,1 Millionen Euro zur Verfügung. Will man den Blutpass sinnvoll einführen, müssen die finanziellen Mittel des Bundes wohl noch angehoben werden. Die Nada setzt dazu auf Präventionsprojekte: " Wir wollen vor allem Jugendliche in Leistungssportschulen und Vereinen erreichen", sagt Cepic. "Sie sollen schon früh über Doping aufgeklärt werden, bevor es zu spät ist." (David Krutzler - DER STANDARD, 17.4. 2013)

  • Dopingproben werden vom Sportler selbst versiegelt und erst im Labor geöffnet, um etwaigen Manipulationen vorzubeugen.
    foto: seibersdorf labor gmbh

    Dopingproben werden vom Sportler selbst versiegelt und erst im Labor geöffnet, um etwaigen Manipulationen vorzubeugen.

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