Kaczynski glaubt an Überlebende des Smolensk-Absturzes

16. April 2013, 15:50
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PiS verbreitet die These, dass drei Personen den Flugzeugsabsturz überlebten, darunter der Präsident - Polnische Regierung weist die Darstellung zurück

Warschau/Smolensk - Die polnische nationalkonservative Oppositionspartei PiS "Recht und Gerechtigkeit" und ihr Vorsitzender Jaroslaw Kaczynski behaupten, nach der Katastrophe der polnischen Regierungsmaschine bei Smolensk (Russland) 2010 habe es Meldungen über drei Überlebende gegeben. Darunter könnte auch sein Bruder - Staatspräsident Lech Kaczynski - gewesen sein, habe er damals unmittelbar nach dem Absturz erfahren, erklärte Kaczynski bei einer Pressekonferenz am Montag. Damit würde sich natürlich die Frage stellen, wie die drei Überlebenden schließlich doch gestorben seien. Die polnische Regierung weist die Darstellung zurück.

"Ich erinnere mich, wie man mich am 10. April 2010 früh morgens davon überzeugte, dass mein Bruder vielleicht überlebt hatte, weil doch drei Personen überlebt hatten", so Kaczynski. Die Information sei aus dem Außenministerium gekommen. Laut dem PiS-Chef enthalten die Ermittlungsmaterialien derartige Aussagen, und zwar von mehreren Personen. "Ich habe diese Materialien nicht gelesen, aber ich habe keine Zweifel, dass es sie gibt", so Kaczynski. Er betonte zugleich, dass mit dem aktuellen Wissen die einzige Theorie, die alles erklären könnte, die Attentat-Theorie ist.

"Drei unabhängige Quellen"

Die These von drei Überlebenden hatte am 9. April, dem Jahresvortag der Katastrophe, der Chef der von der PiS berufenen parlamentarischen Untersuchungsgruppe, Antoni Macierewicz (PiS), aufgestellt. "Nach fast drei Jahren kann ich mit großer Sicherheit sagen, dass die Berichte, dass drei Personen die Katastrophe überlebt haben, glaubwürdig sind", so der PiS-Abgeordnete. Er berief sich dabei auf "drei unabhängige Quellen". Die Staatsanwaltschaft betonte danach, dass es keine Beweise gebe, dass irgendjemand die Katastrophe überlebt hätte.

Im Gespräch mit der "Gazeta Wyborcza" erklärte der Pressesprecher des Außenministeriums, dass sein Ressort solche Informationen niemals verbreitete. Der damalige Sprecher des Ministeriums Piotr Paszkowski hatte zwar an dem Tag der Katastrophe erklärt, dass eine der Presseagenturen von Überlebenden spreche, aber er könnte diese Nachricht nicht bestätigen.

PiS glaubt an Anschlag

Die "Experten" der Untersuchungsgruppe Macierewiczs waren in ihrem Bericht zum Schluss gekommen, dass zwei Explosionen kurz vor der Landung die wahrscheinlichste Ursache für den Absturz gewesen seien. Eine von ihnen habe sich auf dem linken Flügel ereignet. Die zweite Explosion im Inneren des Rumpfes soll die starken Beschädigungen und die Zersplitterung der Maschine verursacht haben. Die polnische Militärstaatsanwaltschaft hatte bereits im April 2011 ausgeschlossen, dass es am 10. April 2010 in Smolensk zu einem Anschlag gekommen sei. Zu den Ursachen des Absturzes liegen bisher zwei offizielle Untersuchungsberichte vor - vom russischen "Zwischenstaatlichen Luftfahrt-Komitee" (MAK) und einer polnischen Untersuchungskommission unter der Leitung von Ex-Innenminister Jerzy Miller. Beide basieren auf den gleichen Beweisen, unterscheiden sich aber hinsichtlich ihrer Interpretation.

Das MAK sieht die Verantwortung für das Unglück allein auf polnischer Seite - insbesondere bei den Piloten, die trotz dichten Nebels einen Landeversuch unternahmen. Eine von Polen betonte Mitverantwortung der Fluglotsen am Flughafen in Smolensk schließt der MAK-Bericht aus. Laut dem polnischen Bericht führten sie die Piloten in die Irre, indem sie ihnen Informationen lieferten, dass die Maschine sich auf dem richtigen Kurs befinde, obwohl das nicht stimmte. Auch der Flugplatz bei Smolensk sei nicht entsprechend präpariert gewesen. Die Beleuchtung sei nicht voll funktionsfähig und der Flugplatz von Bäumen umwachsen gewesen. Bei dem Unglück in Russland waren alle 96 Passagiere ums Leben gekommen. Neben dem damaligen Staatspräsidenten Lech Kaczynski befanden sich Abgeordnete, Geistliche und die gesamte polnische Armeeführung an Bord des Flugzeugs. (red, APA, 16.4.2013)

  • Jaroslaw Kaczynski glaubt, dass sein Bruder Lech den Flugzeugabsturz von Smolensk überlebt haben könnte.
    foto: reuters/pempel

    Jaroslaw Kaczynski glaubt, dass sein Bruder Lech den Flugzeugabsturz von Smolensk überlebt haben könnte.

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