Vegetations-Wandel geht zu 30 Prozent auf das Konto des Menschen

21. April 2013, 21:42
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Zu 54 Prozent sind klimatisch bedingt, rund zehn Prozent können können bisher nicht vollständig erklärt werden

In den vergangenen dreißig Jahren hat sich die Vegetation weltweit drastisch verändert. Bisher war nicht klar, in welchem Ausmaß das Klima bzw. der Mensch dafür verantwortlich ist. Schweizer Forscher haben nun gemeinsam mit niederländischen Kollegen die Ursachen genauer untersucht: Es stellte sich heraus, dass etwas mehr als die Hälfte dieser Veränderungen klimatisch bedingt ist und über ein Drittel Mensch oder noch nicht bekannte Mensch-Klima-Wechselwirkungen verursachen. Die verbleibenden rund zehn Prozent können weder durch das Klima noch durch menschliches Handeln vollständig erklärt werden.

Das Klima steuert die saisonale Aktivität der Vegetation; der Mensch beeinflusst sie. In den feuchten Mittelbreiten ist die Temperatur der größte Einflussfaktor für das Pflanzenwachstum, in überwiegend trockenen Gebieten ist es die Verfügbarkeit von Wasser und in den hohen Breiten die Sonneneinstrahlung. Unbestritten greift auch der Mensch verändernd in das Ökosystem ein. Seit den 80-er Jahren erfassen Satelliten, wie sich die Vegetation auf der Erdoberfläche verändert. So nahm innerhalb der letzten dreißig Jahre die Aktivität der Vegetation auf der Nordhalbkugel zu, während sie auf der Südhalbkugel sank. Bislang konnte nicht quantifiziert werden, in welchem Maß das Klima, der Mensch oder eine Kombination beider Faktoren dafür verantwortlich waren.

Nun hat ein interdisziplinäres Team um die Geographen Rogier de Jong, Michael Schaepman und den Mathematiker Reinhard Furrer von der Universität Zürich mit niederländischen Kollegen ein Modell entwickelt, das die Einflüsse des Menschen und des Klimas auf die Vegetation separat darstellen kann. Sie nutzten dafür Satellitendaten der letzten 30 Jahre zur Vegetationszunahme bzw. -abnahme, Klimamessungen und Modelle sowie Daten zur Art der Landbedeckung. Die Wissenschafter zeigen, dass ungefähr 54 Prozent der Veränderungen der globalen Vegetationsaktivität auf das Klima zurückgeführt werden können.

Weniger Aktivität der Vegetation südlich der Sahelzone

"Der große Rest der Veränderungen, insgesamt mehr als dreißig Prozent, ist durch Menschen verursacht worden", sagt Rogier de Jong, Postdoktorand an den Remote Sensing Laboratories (RSL) der Universität Zürich. Die Vegetationsaktivität nahm vor allem südlich der Sahelzone deutlich ab, beispielsweise in Tansania, Zimbabwe und im Kongo. "Wir nehmen an, dass dort Rodungen, eine Umwandlung von Regenwald in Plantagen oder generell Änderungen in der Landwirtschaft die Ursache waren", erklärt Rogier de Jong. Rund zehn Prozent können weder durch Klimadaten noch durch menschliche Aktivität vollständig erklärt werden. Dazu Michael Schaepman, Leiter der RSL: "Wir vermuten, dass es sich dabei um unerklärte Effekte der Wechselwirkungen zwischen Mensch und Klima handelt." (red, derStandard.at, 21.04.2013)

  • Die Grafik zeigt den relativen Beitrag klimatischer Effekte an der globalen Vegetationsänderung (1982-2011).
    illustration: uzh

    Die Grafik zeigt den relativen Beitrag klimatischer Effekte an der globalen Vegetationsänderung (1982-2011).

  • Die Karten zeigen klimatologisch bedingte Änderungen von Temperatur, Bewölkung, Niederschlag und potentieller Verdunstung zwischen 1982-2008.
    illustration: uzh

    Die Karten zeigen klimatologisch bedingte Änderungen von Temperatur, Bewölkung, Niederschlag und potentieller Verdunstung zwischen 1982-2008.

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