Obama spricht von "Terrorakt" - Hintergründe weiter unklar

16. April 2013, 21:53
1750 Postings

Keine Hinweise auf ausländische Terrorgruppen als Urheber - Bomben in Kochtöpfen eingebaut - Niemand bekannte sich zu Attentat mit drei Toten und mehr als hundert Verletzten

US-Präsident Barack Obama hat den Anschlag auf den Marathon in Boston als "Terrorakt" eingestuft. Es sei aber unklar, wer hinter dem Anschlag stehe, sagte Obama am Dienstagvormittag in einer kurzen Presseerklärung im Weißen Haus in Washington. Beim Sprengstoffanschlag auf die traditionsreiche Sportveranstaltung im US-Staat Massachusetts waren am Montag drei Menschen ums Leben gekommen, vermutlich 176 Menschen wurden verletzt.

Mittlerweile konnten alle drei Todesopfer des Terroranschlags identifiziert werden. Neben einem achtjährigen Buben und einer 29 Jahre alten Amerikanerin starb auch eine Studentin aus China. Präsident Barack Obama wird am Donnerstag an einem Gedenkgottesdienst für die Anschlagsopfer in Boston teilnehmen.

"Böswillige Einzelperson"

Obama rief seine Landsleute auf, vorsichtig zu sein und nach "verdächtigen Aktivitäten" Ausschau zu halten. "Wir haben bisher keinen Hinweis auf das Motiv", sagte er. Auch sei unklar, ob es sich bei den Urhebern des Anschlags um ausländische oder einheimische Terrorgruppen oder "eine böswillige Einzelperson" handle, sagte er in Anspielung auf frühere Anschläge in den USA.

Bomben in Kochtöpfen

Die Bomben steckten nach CNN-Informationen in Dampfkochtöpfen. Die Behälter wiederum seien in schwarzen Rucksäcken verstaut gewesen, berichtete der Sender am Dienstag unter Berufung auf Ermittlerkreise.

Splitterbomben

Ärzte bestätigten, dass die Bomben mit Metallsplittern versehen waren. Vielen Verwundeten seien "kleine metallische Fragmente" wie Nägel und Kugeln herausoperiert worden, sagte Chefchirurg George Velmahos vom Massachusetts General Hospital. Mehreren Patienten hätten die Beine amputiert werden müssen.

Keine Hinweise auf internationale Verbindung

Die US-Behörden haben nach Informationen des Senders CNN bisher keine Hinweise darauf, dass das Terrornetzwerk Al-Kaida oder eine andere ausländische Gruppe hinter dem Anschlag von Boston steckt. CNN berief sich mit seinen Informationen auf eine namentlich nicht genannte Pentagonquelle.

Wie CNN unter Berufung auf Ermittlerkreise weiter berichtete, stufen die Behörden einen am Montag vernommenen jungen Mann aus Saudi-Arabien nicht als tatverdächtig ein. Der Student war bei der Explosion verletzt worden und aufgefallen, weil er wegzurennen versuchte. CNN zufolge gab er bei der Vernehmung in einem Krankenhaus an, dass er einfach Angst gehabt habe. Die Behörden glaubten ihm.

Kein Hinweis auf größere Verschwörung

US-Heimatschutzministerin Janet Napolitano sagte, es gebe derzeit keine Hinweise darauf, dass der Anschlag von Boston Teil einer größeren Verschwörung gewesen sei. Als Vorsichtsmaßnahme würden die verschärften Sicherheitsvorkehrungen an Verkehrsknotenpunkten aufrechterhalten bleiben. In Ermittlerkreisen hieß es, der Zeitpunkt des Angriffs spreche für einheimische Extremisten, die einen mächtigen Staat ablehnen. Am Montag wurde in Massachusetts der Patriots' Day begangen, der an den Unabhängigkeitskrieg erinnert. Am 15. April läuft in den USA zudem die Frist für die Abgabe der Steuererklärung ab. Steuern sind ein Reizthema für einige amerikanische Extremistengruppen.

Keine weiteren Sprengsätze gefunden

Auf der Pressekonferenz des FBI und der Behörden am Vormittag in Boston mussten die Ermittler zugeben, noch keine näheren Erkenntnisse zu den Hintergründen des Anschlags auf den Boston-Marathon zu haben. Deval Patrick, der Gouverneur von Massachusetts, wies Berichte von Medien zurück, wonach weitere, nicht explodierte Sprengsätze gefunden worden seien. Bostons Bürgermeister Thomas Menino sagte: "Das ist eine Tragödie. Boston ist eine starke Stadt und wird das überstehen."

Bisher seien rund 2.000 Hinweise aus der Bevölkerung eingegangen, hieß es seitens des FBI. Mehr als 1.000 Fahnder seien mit dem Fall befasst. Für Hinweise auf die verantwortlichen hat die Feuerwehr 50.000 Dollar (38.000 Euro) Belohnung ausgesetzt.

Hunderte bei spontanen Gedenkfeiern

Unterdessen haben hunderte Menschen bei kurzfristig organisierten Gedenkfeiern in Boston der Opfer der Bombenanschläge beim Marathonlauf gedacht. Mit US-Fahnen und Plakaten versammelten sie sich am Dienstagabend (Ortszeit) an verschiedenen Orten der Stadt, um gemeinsam zu singen und zu trauern. In einem Park nahe der Anschlagstelle zündeten viele Menschen Kerzen an und sangen die amerikanische Nationalhymne.

Bei einer speziell für das jüngste Todesopfer, den achtjährigen Martin Richard, organisierten Trauerfeier versammelten sich mehrere Hundert Menschen in einem Park im Vorort Dorchester, wo Richard gewohnt hatte. Gemeinsam sangen sie "God Bless America". Für einen für Donnerstag geplanten offiziellen Gedenkgottesdienst hat sich auch US-Präsident Barack Obama angekündigt.

Ältester Marathon-Lauf der Welt

Beim ältesten Marathon-Lauf der Welt waren nach Angaben der Organisatoren 23.326 Läufer am Start. Davon seien 17.584 vor den Explosionen im Ziel angekommen. Eine halbe Million Zuschauer säumten die Straßen. Zum Zeitpunkt der Explosionen, 4:09 Stunden nach dem Start, hatten die Spitzenläufer die Ziellinie bereits überquert, die Hobby-Läufer kamen gerade an. Die erste Detonation zertrümmerte das Schaufenster eines Sportgeschäfts und sprühte Glassplitter über die Zuschauer. Laut österreichischem Außenministerium gibt es bisher keine Hinweise auf verletzte oder getötete Österreicher. Zwar habe es anfangs Anrufe besorgter Angehöriger gegeben, sagte Ministeriumssprecher Martin Weiss, die betroffenen Personen hätten sich aber mittlerweile gemeldet.  (red, Reuters, APA, 15.4.2013)

  • DieFlaggen in den USA wehen auf Halbmast
    foto: ap/ake

    DieFlaggen in den USA wehen auf Halbmast

  • Die Explosionen ereigneten sich im Zieleinlauf des Marathons.
    foto: reuters exclusive reuters/dan lampariello

    Die Explosionen ereigneten sich im Zieleinlauf des Marathons.

  • Artikelbild
    foto: reuters/nbc/handout
  • Der Zieleinlauf in Boston nach den Explosionen.
    foto: ap/the boston globe/ryan

    Der Zieleinlauf in Boston nach den Explosionen.

  • US-Präsident Barack Obama über die Anschläge in Boston. Er betont, dass es noch keine Hinweise auf den Täter gibt.


  • Boston-Explosionen auf einer größeren Karte anzeigen

  • Rettungskräfte am Anschlagsort.
    foto: epa/stuart cahill / the boston heral mandatory credit the boston herald

    Rettungskräfte am Anschlagsort.

  • Landesweit wurden die Sicherheitsvorkehrungen verschärft: Polizist vor der Public Library in New York.
    foto: ap photo/charles krupa

    Landesweit wurden die Sicherheitsvorkehrungen verschärft: Polizist vor der Public Library in New York.

  • Artikelbild
    grafik: apa
Share if you care.