Porträt des Künstlers als Schutzherr

15. April 2013, 17:31
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Jochen Traars hintersinnige Interventionen im Klagenfurter MMKK

Klagenfurt - Art protects you - Jochen Traars Kunst schützt vor Geistlosigkeit. Sie hinterfragt humorvoll und ganz nach soziologischer Manier alltägliche Mechanismen, die unbedacht und allgemein anerkannt in die großen Katastrophen der Zeit münden. Die große Traar-Schau im MMKK ist eine Zeitreise durch sein OEuvre des letzten Jahrzehnts.

Der 1960 in Essen geborene, in Kärnten aufgewachsene Künstler hat seine Werke ähnlich einer Installation, angelehnt an die Idee eines Theaterstückes, Raum für Raum angeordnet und thematisch miteinander verknüpft. Den Auftakt bilden seine ästhetisch klaren Linienbilder. Aus einem Spiegel wurden durch einen fragilen bildhauerischen Prozess interaktive Zeichnungen. Gebrochen wird die helle Ästhetik des Raumes durch einen im Eck stehenden Staubsauger, versehen mit einem Soundsensor.

Im zweiten Raum amüsieren, ähnlich einer Slogan-Sammlung, Wände voller T-Shirts, die dann die Austauschbarkeit von Ideologien thematisieren, ganz ohne moralischen Fingerzeig. Im Raum mit dem Werknamen The artist reserves the right to refuse service to anyone wird - schwarz auf gelb - die Frage nach der Aufgabe und Verantwortung von Künstlern gestellt.

Wobei "L'art pour l'art" für Traar nicht einmal eine Denkvariante ist. Wie in allen seinen Werken geht es im nächsten Schritt der Ausstellung - einer Rolloinstallation - nicht um die Autorenschaft einer Erkenntnis, sondern um die Darstellung von Prozesshaftem. Die sich im Fünf-Minuten-Rhythmus verändernde Architektur im Raum aus Kupfer und Alu ist eine Hommage an Traars Lehrmeister Bruno Gironcoli.

Flexibilität und Bewegung sind auch Thema der Rauminstallation Ginger und Fred. Zwei raumhohe Yucca-Palmen wiegen sich ferngesteuert, urkomisch und zwanghaft im Takt von Goran Bregovics Song Kalasnikov. International für Aufsehen sorgte Traar mit seiner Wanderinstallation Art protects you in L. A., Wien und Venedig. Die meterhohen Buchstaben des genialen Slogans bewegten sich per Gondel, im Auto und zu Fuß durch die globalen Kulturstädte, machten Hoffnung und stellten Bewegungsformen infrage.

Im MMKK zu sehen ist der Buchstabenumzug auf Video. Weiter in der Inszenierung trifft man auf einen angebundenen, bellenden Rasenmäher, ein Symbol kleinbürgerlicher Versatzstücke unter dem Titel: Don't mind the dog, beware of the owner. Die Traar-Schau im MMKK ist eine jener raren Ausstellungen, die Menschen von 1 bis 99 in ihren Bann zu ziehen vermögen. (Sabina Zwitter, DER STANDARD, 16.4.2013)

Bis 2. 6.

  • "Art protects you" - und liefert Entsorgungsideen gleich mit: Objekt aus Muranoglas mit Besen (1997). 
    foto: ferdinand neumüller

    "Art protects you" - und liefert Entsorgungsideen gleich mit: Objekt aus Muranoglas mit Besen (1997). 

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