Spaß beim Arzt

Rezension16. April 2013, 10:57
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Die Satire "Ich lass mich doch nicht verarzten" der Medizinkabarettisten Norbert Peter, Ronny Tekal und Claus Schönhofer unterhält mit Anekdoten aus der Ärztepraxis

Wie dem überarbeiteten Kassenarzt auf Augenhöhe begegnen und die eigene Würde beim Einlauf im Spitals-Doppelzimmer behalten? Warum führt das Lesen von Medikamenten-Beipackzetteln meist zu Nebenwirkungen und das Googeln von Kopfschmerzen oft in die Notaufnahme? Antworten auf diese und ähnliche Fragen liefern die Medizinkabarettisten Norbert Peter und Ronny Tekal in ihrem neuen Buch "Ich lass mich doch nicht verarzten!".

Auf der Kabarettbühne und in der Ö1-Sendung "Radiodoktor" bereiten die beiden seit mehr als 15 Jahren angehende Patienten auf den Arztbesuch vor. Für die im Braumüller-Verlag erschienene Medizinsatire haben sich Kommunikationswissenschaftler Peter und Allgemeinmediziner Tekal ihren langjährigen Regisseur Claus Schönhofer als Co-Autor zu Hilfe geholt. Als Fragen stellender Patient nimmt er eine der drei "Rollen" im Buch ein und konfrontiert Ronny Tekal - den antwortenden Arzt - mit allerlei Ungehörigkeiten und Unklarheiten, die im Wartezimmer, in der Ordination und Ambulanz so auftreten.

Patientenflüsterer

Da Arzt und Patient oft unterschiedliche Sprachen sprechen kommt Kommunikationsexperte Norbert Peter als "Patientenflüsterer" hinzu und gibt mal mehr, mal weniger aufschlussreiche, jedenfalls immer witzig gemeinte Tipps für beide Seiten: Ein Beispiel aus dem Kapitel zum Thema Wartezimmer: "Sie gehen ja nicht zum ersten Mal zum Arzt und wissen, dass das dauern kann. Nehmen Sie entsprechendes Material mit: ein Rätselheft, den Kommentar Ihres Steuerberaters..." oder an den Arzt gerichtet: "Finden Sie einen Namen, der die Menschen fröhlich stimmt wie 'Raum der Erwartung', 'Freudenzimmer' ginge in eine erfreuliche Richtung, könnte allerdings als Teil eines Freudenhauses fehlinterpretiert werden..."

Zitternder Patientenversteher

Manchmal greifen die drei Autoren beim Humor aber auch daneben. Da wird das Geschehen im Kreissaal mit "einer Partynacht in Las Vegas" verglichen oder der trinkende Arzt, dessen Fensterbrett in der Praxis eine Cognacflasche und ein voller Aschenbecher zieren, als "Patientenversteher" gelobt, denn: "Er hat erlebt, was es heißt, nach einer durchzechten Nacht in den Dienst gehen zu müssen. Er kennt die Scham, seine zitternden Hände verstecken zu müssen ..." - Ob ein zittriger Chirurg noch Vertrauen erweckt?

Die breite Themenpalette reicht von der Anleitung zum Bezirzen der Sprechstundenhilfe bis hin zu Tipps für das richtigen Präsentieren von Sexunfällen in der Notfallambulanz. Mit nicht immer ganz ernst gemeinten Ratschlägen zur besseren Kommunikation mit den "Göttern in Weiß" liefert die Medizinsatire eine unterhaltsame Lektüre. Wer sich ernsthafte Ratschläge erhofft, wird wohl enttäuscht sein. (Elisa Weingartner, derStandard.at, 16.4.2013)

  • Norbert Peter, Ronny Tekal, Claus Schönhofer Ich lass mich doch nicht verarzten!Wie Sie das Beste aus Ihrem Arzt herausholen.Verlag Braumüller216 Seiten; Preis: 19,90 Euro
    foto: verlag braumueller

    Norbert Peter, Ronny Tekal, Claus Schönhofer
    Ich lass mich doch nicht verarzten!
    Wie Sie das Beste aus Ihrem Arzt herausholen.
    Verlag Braumüller
    216 Seiten; Preis: 19,90 Euro

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