Angeschnallt im Musicalflugzeug

15. April 2013, 17:07
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Mit "Seven in Heaven" hat sich das siebenköpfige Musicalensemble dem Linzer Publikum vorgestellt

Linz - Eröffnungszeremonien hinterlassen Spuren. Samstag stand die Uraufführung von Hexen von Eastwick auf dem Programm. Einen Tag danach Seven in Heaven: ein musikalisches Kaleidoskop, mit dem sich das Musicalensemble dem Publikum - bei der Premiere teilweise stimmlich angeschlagen - vorstellt. Mit Live in Living Colour (aus Catch me if you can) wird die Bühne der Black Box Lounge gestürmt. Das Flugzeug werde gleich abheben. Man hoffe, das Publikum habe Sicherheitsgurte mitgebracht. Ein paar aufgesetzt wirkende Witzchen später wird es auch weniger bemüht unterhaltsam und fast akrobatisch. Etwa wenn Lisa Antoni I got Rhythm gurgelt oder Ariana Schirasi-Fard I can cook too singt und dabei Teig für Palatschinken zubereitet, jene anschließend gekonnt schupft und mit komödiantischem Talent serviert.

Die aus Wien gebürtige Schirasi-Fard überzeugt wie Daniela Dett stimmgewaltig und mit leidenschaftlicher Bühnenpräsenz. Als Chor sind die sieben (neben Dett, Schirasi-Fard und Antoni gehören Oliver Liebl, Rob Pelzer, Reinwald Kranner und Kristin Hölck dem Ensemble an) unbestritten stark: Bohemian Rhapsody und On Broadway werden mitreißend gesungen, bemühte Regieeinfälle, mit denen das Publikum zum Mitmachen verdonnert wird, wenigstens charmant überspielt. Musical ist eben doch in erster Linie Unterhaltung, auch wenn Musicalchef Matthias Davids betont, dass der Begriff Modernität durchaus zu Recht Platz greife. Weshalb auch schwierige Themen oder Crossover-Produktionen auf die Bühnen kämen. Davids nennt dafür Black Rider (Tom Waits) oder den amerikanischen Komponisten Adam Guettel als Beispiele.

Wenig ist davon in Seven in Heaven zu spüren: Davids bringt in erster Linie Melodien, die auf Wiederkennung als Qualitätsmerkmal setzen: I Dreamed a Dream aus Les Misérables, Somewhere aus West Side Story, Music of the Night aus dem Phantom der Oper, auch wenn dazwischen weniger Bekanntes wie Juggernaut aus Wild Party eingestreut wird.

Ein Luxus sei das, hört man auch außerhalb von Linz, den sich das Mehrspartenhaus mit dem fixen Musicalensemble leiste. Davids sieht es als Chance, nun differenzierter und anspruchsvoller arbeiten zu können als zuvor an anderen Häusern, wo er immer wieder gebeten wurde, doch mit einer publikumsträchtigen Musicalproduktion die Budgetlöcher der anspruchsvollen Opernproduktionen zu stopfen. Das sei in Linz anders. Man wird sehen, wie weit Davids die Grenze zwischen Kommerz und Anspruch dehnen darf. Das Publikum jedenfalls johlte. (Wiltrud Hackl, DER STANDARD, 16.4.2013)

  • Das Linzer Musicalensemble bei der Arbeit: Es wird gesungen und musiziert, wenn man nicht gerade Palatschinken zubereitet.
    foto: reinhard winkler

    Das Linzer Musicalensemble bei der Arbeit: Es wird gesungen und musiziert, wenn man nicht gerade Palatschinken zubereitet.

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