Sara, Mara und die Faschos

15. April 2013, 15:09
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Ein politischer Video-Cartoon in Griechenland warnt vor dem schleichenden Aufstieg der Faschisten

Die eine trägt Blümchenkleid, die andere Springerstiefel. Sara hat ein bisschen naive Vorstellungen von der Welt und Mara immer eine Bombe in der Hand. Die wirft sie am Schluss auf die Mitwirkenden im Hintergrund, die ihr auf die Nerven gehen. Auch keine Lösung, aber bitte.

„Sara und Mara“ ist der erste politische Cartoon in Griechenland, sagt Haris Ikonomopoulos, Chefredakteur und Herausgeber der linksliberalen Tageszeitung Eletherotypia. Das ist Ikonomopoulos seit November vergangenen Jahres, als er einen Mehrheitsanteil des moribunden, 1975 nach der Junta-Zeit gegründeten Blatts kaufte und einen Relaunch wagte. Keine Kleinigkeit im griechischen Super-Rezessionsland. „Sara und Mara“ ist die Geschichte von zwei Mädchen aus gegensätzlichen Verhältnissen, die versuchen, sich einen Reim auf das Griechenland von heute zu machen. Und sie steht nun jede Woche neu als Video auf der Webseite der Zeitung – auf Griechisch, seit Episode drei aber auch auf Englisch. Der Cartoon wird in den USA und in Griechenland produziert, die Namen der Zeichner und Sprecher bleiben geheim, der Sicherheit wegen. Damit sind wir schon im Thema: Griechenland und seine schwarz gekleideten Faschisten, die sich mit Propaganda, Gewalt und Indoktrinierung immer mehr vom öffentlichen Raum nehmen.

Ein bisschen Pädagogik

Eine demokratische Gesellschaft steht auf zwei Beinen, sagt Ikonomopoulos: auf gebildeten Bürgern und auf einem Mindestmaß an kollektiven Wohlstand. Fehlt das eine oder das andere, geht alles den Bach hinunter. Dann sind wir wieder bei den faschistischen Regimen der europäischen Zwischenkriegszeit, sagt der Chefredakteur. „Sara und Mara“ erkläre auf sehr einfache und unterhaltsame Weise die Gefahr, die in Griechenland von der Faschistenpartei Goldene Morgenröte (Chrysi Avgi) ausgehe. Die sind in Umfragen die mittlerweile drittstärkste Partei nach der linksgerichteten Syriza und den regierenden Konservativen der Neo Dimokratia.

Ein bisschen Pädagogik kann also nicht schaden. Sara und Mara stehen immer vor dem Parlament auf dem Syntagma-Platz in Athen. Sara kommt aus einer bürgerlich-konservativen Familie, wo der Papa bei der Armee war; Mara dagegen ist ein Anarchisten-Kind, das grässlich flucht und Sara abkanzelt. Im Hintergrund schleicht ein bärtiger Mann mit Hakenkreuz herum – das soll der Chrysi-Avgi-Abgeordnete Kostas Barbaroussis sein. Im Englischen wird er „Bad Encounter“ genannt, im Griechischen – so ist mir erklärt worden – gibt es eine Redensart für Sachen, die schlimm sind und daneben gehen: Sara kai Mara kai to kako sinapantima. Daneben tauchen abwechselnd TV-Moderatorinnen auf in Papageienkäfigen, die nachplappern, was ihnen aus dem Studio gesagt wird. Und schließlich gibt es die eine maßvolle Figur – den Hund Loukanikos, Person of the Year 2011 des Time Magazine und alter solidarisierender Genosse der Demonstranten auf dem Syntagma-Platz.

Episode 8 diese Woche ist schon ziemlich raffiniert. Loukanikos übersetzt, was Merkel und Hollande auf Besuch bei Samaras faseln. Sara und Mara hören sich das an, Mara wirft wieder ihre Bombe, der Hund ist entsetzt: Loukanikos: „Oh no, there is another way!“ Mara: „Ok, next time. We are here anyway.“ :) (Markus Bey, derStandard.at, 15.4.2013)

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